Wissenswertes zum Thema Wasserstoff und Brennstoffzellen Teil 9.4.4

Teil 9.4.4 | Methanol

Methanol (CH3OH) wurde frĂŒher als Methylalkohol oder auch Holzgeist bezeichnet, gehört zur Gruppe der Alkohole und ist bei Zimmertemperatur flĂŒssig. Im Gegensatz zu Ethanol, dem trinkbaren Alkohol, ist Methanol giftig. Bereits wenige Milliliter Methanol können zu einer Erblindung fĂŒhren. Eine wiederholte Aufnahme kleiner Mengen, zum Beispiel bei berufsbedingter Einatmung der DĂ€mpfe, kann Schleimhautreizungen, Benommenheit, Schwindel, Kopfschmerzen, KrĂ€mpfe sowie Verdauungs- und Blasenstörungen verursachen.

Methanol wird als chemisches Grundprodukt hauptsĂ€chlich zur Herstellung von Formaldehyd verwendet. Die Industrie erzeugt Methanol heute ĂŒberwiegend aus Erdgas sowie durch das Vergasen von Kohle, grundsĂ€tzlich kann es aber aus jeder Kohlenstoffquelle hergestellt werden. Es lĂ€sst sich auch aus Biomasse wie zum Beispiel HolzrĂŒckstĂ€nden, Deponiegasen oder aus Prozessgasen der chemischen Industrie erzeugen. Eine CO2-neutrale Produktion ist nahezu unmöglich, wenn Biomasse als Rohstoff eingesetzt wird, zum Beispiel aus Chinagras.

GegenĂŒber der Nutzung von Benzin wird bei der Verwendung von Methanol der Ausstoß des Treibhausgases CO2 um 30 Prozent reduziert. Allerdings ist der Heizwert von Methanol deutlich geringer als bei konventionellen Kraftstoffen, im Vergleich zu Benzin etwa halb so hoch. FĂŒr die Nutzung in Motoren muss außerdem zusĂ€tzlich zum Methanol das Wasser, das fĂŒr die Verdampfung benötigt wird, in einem ExtrabehĂ€lter mitgefĂŒhrt werden. DafĂŒr weist ein Methanolmotor im Vergleich zu Benzinmotoren einen höheren Wirkungsgrad und geringere Schadstoffemissionen auf.

Methanol galt lange als aussichtsreicher Kraftstoff fĂŒr Brennstoffzellen. Noch bis zum Anfang des neuen Jahrtausends wurde von mehreren Automobilkonzernen angedacht, zunĂ€chst eine Infrastruktur fĂŒr methanolbetriebene Brennstoffzellenfahrzeuge aufzubauen. Es sollte in herkömmlichen Tanks gespeichert und wie Benzin getankt werden. Die Infrastruktur hĂ€tte kaum geĂ€ndert werden mĂŒssen, die konventionellen Tank-, Lager- und Transporttechniken hĂ€tten weiterhin genutzt werden können.

Trotz erheblicher Investitionen wurde das mittlerweile aufgegeben. Ausschlaggebend war der große technische Aufwand, der mit einer On-board-Reformierung im Fahrzeug verbunden ist. Hinzu kamen Probleme bei der Handhabung: Austretendes Methanol kann das Grundwasser gefĂ€hrden. DarĂŒber hinaus spielten Akzeptanzprobleme gegenĂŒber Methanol in einigen Regionen der Welt eine wichtige Rolle. Mitte des 20. Jahrhunderts gab es beispielsweise im asiatischen Raum (u. a. Japan) zahlreiche gesundheitliche Probleme in der Bevölkerung infolge des Genusses dieser FlĂŒssigkeit.

Heute ist Methanol fĂŒr den direkten Einsatz in Brennstoffzellenautos kein Thema mehr, zumindest nicht in der frĂŒher angedachten Form, wohl aber fĂŒr die Verwendung als synthetischer Kraftstoff (E-Fuel). Zudem sind kleinere Systeme fĂŒr die Bordenergieversorgung von Fahrzeugen im Kommen. Insbesondere fĂŒr den Camping-Sektor gibt es Direktmethanol-Brennstoffzellensysteme, die fĂŒr Reisemobile erworben werden können und eine zuverlĂ€ssige Stromversorgung, unabhĂ€ngig von Stromnetzen oder lauten Dieselaggregaten, ermöglichen.

Wissenswertes zum Thema Wasserstoff und Brennstoffzellen

Die Technik von gestern, heute und morgen

Wissenswertes zum Thema Wasserstoff und Brennstoffzellen. Bewusst leicht verstÀndlich gehalten und beschrieben. Es soll technikinteressierten als ein umfangreiches Literaturverzeichnis dienen.

Die grundlegend ĂŒberarbeitete Neuauflage unseres Buches zu diesem Thema ist hier erhĂ€ltlich. Aktuelle Entwicklungen wurden ergĂ€nzt, Überholtes entfernt. Neben den jĂŒngsten Trends vermittelt dieses Buch – wie schon seine VorgĂ€nger – die grundlegenden physikalischen ZusammenhĂ€nge, denn diese gelten ja bei allem Wandel nach wie vor.

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