Hzwei Blogbeitrag

Beitrag von Sven Jösting

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4. Oktober 2023

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Titelbild: Aktienkursverlauf der besprochenen Unternehmen – letztes Quartal

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Bildquelle: www.wallstreet-online.de
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China nimmt Fahrt auf

Aktienanalyse von Sven Jösting

In den vergangenen Wochen erreichten uns Nachrichten aus dem Reich der Mitte, wonach sich China beim Themenkomplex Wasserstoff neu aufstellt und Anstalten macht, eine führende Rolle in diversen Brennstoffzellen- und Wasserstoffmärkten auf der ganzen Welt einnehmen zu wollen. Wer denkt dabei nicht umgehend an die Solar- und Windenergiebranche oder auch die batterieelektrische Mobilität, die durch China mit Hilfe von umfassenden Förderprogrammen aufgemischt wurden, so dass die Volksrepublik schnell zum Weltmarktführer avanciert ist. Werden wir im H2– und BZ-Sektor jetzt dieselbe Entwicklung sehen?

China hat zunächst Ende Juli unter anderem über den CO2-Abdruck für sich die verschiedenen Farben von Wasserstoff definiert und dann am 8. August durch sechs zentrale Behörden (Standardization Administration, NDRC, Ministry of Industry and Information Technology, Ministry of Emergency Management und National Energy Administration) entsprechende Richtlinien festgelegt. Im Formation Guidance for Standard System of Hydrogen Industry werden die Standards für den Einsatz von Wasserstoff in den verschiedenen Märkten und Einsatzfeldern ab dem Jahr 2025 manifestiert. Darin geht es um die verschiedenen Produktionsverfahren von Wasserstoff, Sicherheitsaspekte, Lagerung und Transport, H2-Infrastruktur sowie unterschiedliche Einsatzfelder/Märkte.

Dies kann getrost als Rahmen angesehen werden, in dem die chinesische Regierung demnächst Förderprogramme für Unternehmen, Provinzen, Universitäten und Forschungsanstalten im großen Stil auf den Weg bringen könnte. Vielleicht schon 2024? Über drei Jahre warten wir bereits auf ein solches Programm, das vom Volumen vergleichbar mit dem US-amerikanischen Inflation Reduction Act (500 Mrd. US-$ oder gar 1 Billion?) sein könnte.

Da China große Probleme im Infrastruktursektor/Bauwesen hat, könnte der Schwenk in Richtung Wasserstoff und Klimaschutz den perfekten Ausgleich darstellen: Wachstum durch Nachhaltigkeit. Dies sollte nun in den kommenden ein bis zwei Jahren Realität werden. China ist schon lange mit großem Abstand der weltgrößte Produzent und auch Konsument von Wasserstoff (erdgasbasiert). Zukünftig soll der Wasserstoff perspektivisch grün werden, wenn sicherlich auch die Farbe Blau (Erdgasreformierung mit CCS) im Übergang genutzt werden wird.

Was hat dies mit den hier besprochenen H2-/BZ-Aktien zu tun?

China wird Vorgaben machen, die sich auf den gesamten H2-Komplex weltweit auswirken, so die Erwartung. Der Einsatz von Brennstoffzellen in Kraftfahrzeugen unterschiedlicher Art (vom Nfz bis hin zum Pkw) könnte dieser Technologie zum Durchbruch verhelfen, wenn beispielsweise eine Quotenregelung wie damals bei der Batterieeinführung kommen sollte. Dasselbe gilt für die entsprechende Infrastruktur und natürlich auch für die Produktion, Lagerung sowie den Transport.

Nach bisheriger Planung sollten in China 1 Mio. Kfz mit H2-Antrieb bis zum Jahr 2030 auf den Straßen fahren. Ein geeignetes Förderprogramm könnte dafür sorgen, dass es viele Millionen werden. Zum Vergleich: Südkorea plant, dass dort bis 2040 rund 6,1 Mio. BZ-Fahrzeuge fahren sollen.

Auf solch einen Hochlauf müssen sich viele Unternehmen, die in China in diesem Metier aktiv sind, vorbereiten. Toyota, Hyundai, aber auch Ballard, Cummins und Bosch sind bereits in Position mit großen Investments in Produktionsanlagen vor Ort u. a. für BZ-Stacks. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die weltweite Zulieferindustrie hier auch ihr Engagement zeigt.

Im Kleinen sieht man dies auch schon in einzelnen Provinzen und Großstädten: Shanghai plant, bis zum Jahr 2025 die Zahl der H2-Tankstellen von aktuell 14 auf 70 und die Zahl der BZ-Kfz von gegenwärtig 2.500 auf 10.000 (vor allem Busse und Nfz) aufzustocken. Das lässt den Schluss zu, dass Shanghai da vorbereitet sein will auf die Planungen (Förderung) der Zentralregierung.

Warum ist das Jahr 2023 der Beginn des Megatrends Wasserstoff?

Die Trendforschung setzt auf Grün – auch beim Wasserstoff. John Naisbitt mit seinem Bestseller „Megatrends“ hat in vielen Beispielen aufgezeigt, dass die Zahl 20 eine besondere Bedeutung hat: Vor genau 20 Jahren im Jahr 2003 erschien das Buch „Die H2-Revolution“ des Visionärs Jeremy Rifkin auf Deutsch (die englische Ausgabe ein Jahr davor in 2002). Nach der Lektüre weiß man, was da in Sachen Wasserstoff alles möglich ist.

Heute ist dies real. Das Buch war mein Entrée in dieses Themenfeld. Aus der Trendforschung weiß man, dass es bis zum Start- und Schmelzpunkt eines neuen Megatrends im Durchschnitt 20 Jahre dauert. Wir schreiben das Jahr 2023. Die Börse steht in den Startlöchern. Sollten Naisbitt und Rifkin Recht bekommen? Es sieht so aus.

Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

1 Kommentar

  1. Joe Schmidt

    Zitat:
    “Dies kann getrost als Rahmen angesehen werden, in dem … im großen Stil auf den Weg bringen könnte.”
    Könnte – oder eben auch nicht.
    Im Gegensatz zur hier geĂ€ußerten Meinung wird China m.M.n. allenfalls “Spielgeld” beim Thema “H2-MobilitĂ€t” (vor allem nicht fĂŒr H2-PKW) versenken – dagegen in H2-Erzeugung und industrielle Nutzung investieren, um hier Marktanteile zu sichern /auszubauen.
    Nicht mitbekommen, dass man in China trotz “Brennstoffzellen-Offensive” ab 2021 Subventionen gestrichen hat?
    Zur BegrĂŒndung fĂŒhrt das Ministerium an, dass Chinas Brennstoffzellen-Industrie „trotz der finanziellen UnterstĂŒtzung keine DurchbrĂŒche und keine rasche Entwicklung erzielt“ habe.
    In China ist man da recht pragmatisch und reitet tote Pferde nicht weiter.

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