Brennstoffzellen-Gabelstapler in den USA immer beliebter

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9. Oktober 2013

Brennstoffzellen-Gabelstapler in den USA immer beliebter

Brennstoffzellen-Stapler von Still auf der Hannover Messe 2013

Brennstoffzellen-Stapler von Still auf der Hannover Messe 2013


In Nordamerika sind brennstoffzellenbetriebene Niederflurfahrzeuge seit Jahren weit verbreitet. In etlichen Lagerhallen großer US-Unternehmen ĂŒbernehmen Gabelstapler mit BZ-Antrieb einen Großteil der Arbeit, die bisher von Elektrostaplern erledigt wurde. Nicht so in Europa. Auf dieser Seite des Atlantiks steht der Schwenk von Diesel- oder Elektro- zu BZ-Modellen noch aus, obwohl die Technologie auch hier bereits seit ĂŒber zehn Jahren weiterentwickelt und erprobt wird. Dies soll sich nun Ă€ndern. Auch in Deutschland sollen bald Brennstoffzellenstapler fĂŒr einen sauberen Warentransport sorgen.
In den USA ist alles ein bisschen grĂ¶ĂŸer als in Europa, das gilt auch fĂŒr Lagerhallen. BMW verfĂŒgt beispielsweise in Spartanburg, South Carolina, ĂŒber eine 350.000 m2 große Produktionsanlage. Im Jahr 2010 installierte der bayerische Autobauer dort ein Wasserstoffspeicher- und -versorgungssystem, um rund 100 Brennstoffzellenstapler mit Kraftstoff betanken zu können. Mittlerweile dĂŒrfte die Fahrzeuganzahl auf 400 StĂŒck gestiegen sein – plus 14 Betankungseinheiten.
Laut einem Bericht von Fuel Cells 2000 wurden allein im vergangenen Jahr insgesamt ĂŒber 1.100 BZ-Stapler in Nordamerika gekauft, alle aus US-Produktion. Zu den Kunden gehören Konzerne wie Sysco, die allein mehr als insgesamt 700 Exemplare nutzen, sowie Walmart (500 StĂŒck). Insgesamt dĂŒrften in den USA 2012 rund 5.000 Stapler im Betrieb gewesen sein. Sie alle kommen in den Genuss spezieller Fördermaßnahmen, die einen wirtschaftlichen Betrieb ermöglichen.
DemgegenĂŒber erscheinen die europĂ€ischen AktivitĂ€ten als verschwindend gering. Dennoch gibt es mittlerweile Anzeichen dafĂŒr, dass es jetzt auch hierzulande losgehen könnte. Ein Beispiel dafĂŒr sind die PlĂ€ne des französischen Gaseunternehmens Air Liquide. Nur wenige Wochen vor der weltweit grĂ¶ĂŸten Industriemesse in Hannover wurde bekannt, dass Plug Power und Axane, ein Tochterunternehmen von Air Liquide, das gemeinsame Unternehmen Hypulsion JV gegrĂŒndet. Das neue Joint Venture soll sich um die Entwicklung und den europaweiten Vertrieb von wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellensystemen fĂŒr Niederflurfahrzeuge kĂŒmmern.
Warren Brower, der Vertriebsleiter von HyPulsion, erklĂ€rte gegenĂŒber HZwei, dass BZ-Niederflurfahrzeuge auch in Europa eine Chance hĂ€tten. So bestĂ€tigte er, dass in den USA zunĂ€chst eine Förderung notwendig war, „um Skaleneffekte zu erreichen“. Inzwischen sei die Technik aber „konkurrenzfĂ€hig“, so dass im Vergleich zu anderen Antriebstechniken nur „ein Bruchteil der Kosten“ anfĂ€llt. FĂŒr die mit Ballard-Stacks ausgestatteten GenDrive-Systeme von Plug Power bietet der Markt in Europa mehr Potential als der US-Markt. Um dies zu belegen, ist nach Meinung von Brower „Deutschland der perfekte Fall“. Als erstes rĂŒstet HyPulsion zunĂ€chst allerdings ein IKEA-Warenlager in Frankreich auf BZ-Betrieb um.
Momentan befindet sich Deutschland allerdings noch im Demonstrationsstadium. Potentielle Kunden mĂŒssen erst noch ĂŒber die Vorteile dieser Technologie informiert werden. Wie Dr. Joachim Wolf, Vorstandsvorsitzender der Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Initiative Hessen, erlĂ€uterte, mĂŒssten zunĂ€chst „die Barrieren fĂŒr einen bevorstehenden Markteintritt gesenkt werden“. Aus diesem Grund initiierte Wolf im MĂ€rz 2013 eine Informationskampagne, bei der hessische Firmen die umweltfreundlichen Flurförderzeuge fĂŒr einige Wochen testen können. Die dafĂŒr benötigten Fahrzeuge werden von der Firma Still bereitgestellt, die nach eigenen Angaben „in der europĂ€ischen Intralogistik verstĂ€rkt auf nachhaltige Antriebstechnologien wie zum Beispiel Lithium-Ionen-Batterien, Hybridtechnologie und neue Brennstoffzellenprojekte setzt“. Die fĂŒr die Erprobung erforderliche Betankungstechnik kommt in Form einer mobilen Tankstelle von GHR. Das BZ-System kam ursprĂŒnglich mal von Proton Motor, mittlerweile ist es von H2Logic.
Erste Einsatzgebiete fĂŒr dieses vom hessischen Umweltministerium unterstĂŒtzte Projekt waren beim Frankfurter Flughafen sowie bei den Viessmann Werken.
Ziel dieses Testlaufs ist, den Firmen deutlich zu machen, dass Brennstoffzellenstapler besonders energiesparend und klimafreundlich sind und dass die bei Elektrostaplern anfallenden langen Ladezeiten oder das erforderliche Wechseln der Akkus entfallen. Die hessische Umweltministerin Lucia Puttrich erklĂ€rte beim Projektstart: „Wasserstoff- und Brennstoffzellenanwendungen sind insbesondere beim Warenumschlag mit Staplern eine saubere und langfristig eine kostengĂŒnstige Alternative zu konventionellen Antriebstechnologien und fossilen Treibstoffen. Zahlreiche große Logistikunternehmen haben ihr Interesse angemeldet.“
Weitere Einsatzgebiete hierzulande lassen sich allerdings an einer Hand abzĂ€hlen. So wurden bisher einige Flurförderzeuge am MĂŒnchener und Hamburger Flughafen sowie im Hamburger Hafen und bei dem Chemiekonzern BASF erprobt. Weitere europĂ€ische Tests laufen seit September 2012 mit zwei Fahrzeugen beim belgischen Einzelhandelsunternehmen Colruyt und seit Oktober mit vier Staplern bei der dĂ€nischen Baumarktkette Stark. Am Frankfurter Flughafen befindet sich seit Anfang MĂ€rz ein BZ-Modell in der insgesamt 74 Elektrostapler umfassenden Flotte von LUG aircargo handling. Patrik Tschirch, operativer GeschĂ€ftsfĂŒhrer bei LUG, bestĂ€tigte: „Im Gegensatz zu Europa werden in Nordamerika Brennstoffzellenstapler bereits umfangreich eingesetzt. In Deutschland waren sie bisher zu teuer, um sich am Markt durchzusetzen, da wegen geringer Nachfrage nur kleine StĂŒckzahlen produziert werden. Doch dieser Prototyp ist attraktiv und entspricht unseren hohen Betriebsanforderungen.“
Am 7. Juni 2013 gingen zudem zehn Logistikfahrzeuge mit Brennstoffzellen-Hybridantrieb in Hörsching, Österreich, in Betrieb. Dort startete ein Firmenkonsortium, unter anderem bestehend aus Linde Material Handling, Fronius, DB Schenker, OMV, HyCentA Research und Johanneum Research Forschungsgesellschaft, den Feldtest zu ihrem Forschungsprojekt E-LOG-Biofleet. Gleichzeitig startete dort Doris Bures, die österreichische Bundesministerin fĂŒr Verkehr, Innovation und Technologie, den Einsatz der ersten H2-Indoor-Betankungsanlage in Europa.
Einer der wesentlichen GrĂŒnde fĂŒr die grĂ¶ĂŸere Nachfrage in den USA ist die höhere Auslastung der Stapler. Bedingt durch die kleineren Lager in Europa sowie die kĂŒrzeren Arbeitszeiten machen sich kĂŒrzere Betankungszeiten und ein reduzierter Platzbedarf stĂ€rker bemerkbar. Da in Amerika zum Teil 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche gearbeitet wird, armortiseren sich BZ-Stapler dort schneller. Hinzu kommt, dass in den USA durchschnittlich mehr Batterien in Elektrostaplern verbaut sind als in Europa, so dass sich bereits geringe Einsparungen bei den StĂŒckkosten insgesamt betrachtet wesentlich stĂ€rker finanziell bemerkbar machen.

Quellenangabe:

5 Kommentare

  1. Joe Schmidt

    “Sie alle kommen in den Genuss spezieller Fördermaßnahmen, die einen wirtschaftlichen Betrieb ermöglichen.”
    Im Klartext:
    Ohne Subventionen unwirtschaftlich.
    Logisch, dass nach Auslaufen der Förderprogramme die Fahrzeuge dann nicht weiter betrieben werden.

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  2. Klaus Zimmermann

    Vielen Dank fĂŒr diesen Beitrag, wieder etwas ĂŒber Gabelstapler gelernt!

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  3. Maria Erdmann

    Hallo und vielen Dank fĂŒr den interessanten Artikel. Mein Mann arbeitet in seinem Beruf auch mit Staplern, ich wusste gar nicht, dass es mehrere Varianten gibt. Lg

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  4. Oktat K

    Ich kann Arno dabei nur zustimmen. Es ist logisch das „normale“ Dieselstapler nicht mehr ganz up-to-date sind und gerade innovative Unternehmen nach Alternativen suchen. Da ist aber eine Ressource wie Wasserstoff fĂŒr Gabelstapler, Seitenstapler und Co nicht das optimale. *Wenn es dafĂŒr nur eine Lösung gĂ€be, also eine Ressource die ĂŒberall von Natur aus vorhanden ist* Ach ja, wie wĂ€re es mit dem Licht. Elektrostapler gibt es auch schon…

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  5. Arno A. Evers

    heheh auch hier gilt:
    Man/frau hört und liest IMMER nur die Jubelmeldungen
    Zu Beginn derartiger “Erprobungsphasen” …
    . Was nicht erwÀhnt wird ist, wenn diese abgeschlossen sind
    und das Ganze sang- und klanglos zu den Akten gelegt wird.
    Leider werden die wirklich mageren Zahlen dann auch nicht gelöscht,
    sondern weiter mit durchgezogen, obwohl die Gabelstapler mit HÂČ-Antrieb
    lÀngst verschrottet sind. das findet man auch NUR heraus,
    wenn man wirklich vor Ort ist und sich das Elend dort selbst ansehen kann ….
    Es ist erschĂŒtternd und hat so gar NICHTS mit den im Internet
    dargestellten Behauptungen zu tun!!!
    Das wĂ€re ja noch nicht mal “das Schlimmste”…
    Noch schlimmer ist es, das niemand die Herkunft des Wasserstoff hinterfragt.
    Oft wir dieser ĂŒber tausende von Kilometern von den beiden fossilen und monopolistischen HÂČ -Herstellern innerhalb der USA per Diesel-Truck herangekarrt.
    Was bitte soll das Alles?

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