Fahrbericht ĂŒber den Renault Twizy

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9. Oktober 2013

Fahrbericht ĂŒber den Renault Twizy

"Der ist ja ulkig!" - Der Renault Twizy

“Der ist ja ulkig!” – Der Renault Twizy


Die Ausrufe von Passanten und Neugierigen Ă€hneln sich stets. Meist erhĂ€lt der Twizy Attribute wie „lustig“, „komisch“ oder „ulkig“. LĂ€dt man einzelne Personen dann zu einer Probefahrt ein, sind allerdings mitunter auch andere Kommentare zu hören, so wie „Es ist mir peinlich, wenn alle gucken“ oder „Der sieht ja aus wie ein Spielzeug“. Fakt ist: Der Twizy polarisiert allein schon durch sein Aussehen. Um herauszubekommen, wie er sich im Alltag bewĂ€hrt, hat ihn die HZwei-Redaktion 14 Tage lang Probe gefahren.
Der Renault Twizy wird als Quad eingestuft, zugelassen ist das Fahrzeug allerdings als Leichtkraftrad. Laut Renault ist er „eine Kreuzung aus Motorroller und Stadtauto“. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit betrĂ€gt 80 Stundenkilometer. TatsĂ€chlich fĂ€hrt er maximal 84 km/h. Auch bergab ist nicht mehr drin, da er elektronisch abgeregelt wird. Das Mini-Auto ist gerade mal 2,33 m lang und 1,22 m breit. Mit einer Höhe von 1,45 m ist es also eher hoch als breit.
Der Twizy ist fĂŒr schönes Wetter gemacht. Durch die fehlenden Seitenfenster (können nachgerĂŒstet werden) fĂŒhlt man sich frei, hört allerdings auch deutlich die AbrollgerĂ€usche der Reifen sowie das Summen des Elektromotors. Nass wird man nicht, auch nicht bei Starkregen. Lediglich Spritzwasser dringt ins Innere, zumindest wenn die hochschwenkbaren TĂŒren installiert sind. Ein Lappen sollte aber trotzdem mitgefĂŒhrt werden, um die Kunststoffsitze nach einem Schauer abwischen zu können. Auf jeden Fall ist warme Kleidung anzuraten, auch bei moderaten Temperaturen im Sommer, schließlich ist das Fahren im Twizy eher mit einer Fahrt in einem ĂŒberdachten Motorrad vergleichbar als mit einer Tour in einem beheizbaren Automobil. Auch die harte Federung erinnert eher an ein motorisiertes Zweirad oder eben an ein Quad. Wegen des kurzen Radstandes werden Fahrer und Beifahrer zum Teil merklich umhergeschĂŒttelt, insbesondere auf Schlaglochpisten.
Die langsam nach oben aufschwingenden TĂŒren verleihen dem ohnehin schon futuristisch aussehenden Zweisitzer einen besonderen Reiz. FĂŒr den Beifahrer ist es aber trotzdem nicht einfach, hinten Platz zu nehmen, obwohl der Vordersitz vorschiebbar ist. Renault schreibt zwar, der Twizy „bietet zwei vollwertige SitzplĂ€tze plus GepĂ€ckraum“, tatsĂ€chlich ist der Sozius aber vorrangig fĂŒr Kinder akzeptabel. FĂŒr Erwachsene ĂŒber 1,80 m wird es eng, weil der Kopf ans Dach stĂ¶ĂŸt.
ErhĂ€ltlich ist der Kleinwagen seit April 2012 in drei AusfĂŒhrungsformen: als 45 Urban (max. 45 km/h, 4 kW, fĂŒr 6.990 €), als Technic (8.490 €) sowie als Sport Edition (9.250 €) jeweils mit mindestens 50 € monatlicher Akku-Miete ĂŒber drei Jahre. In der BasisausfĂŒhrung sind die halbhohen FlĂŒgeltĂŒren (590 €) allerdings nicht enthalten. Will man zusĂ€tzlich noch Außenscheiben, fallen nochmals 299 € an.
Das Leergewicht betrĂ€gt 487 kg, die Leistung 13 kWmax (57 Nm). Geladen wird das kugelige Mobil ganz einfach an der Steckdose. DafĂŒr befindet sich vorne ein kleines Fach fĂŒr das Spiralkabel. Die BefĂŒllung des im Unterboden mittig verbauten Antriebsakkus (Lithium-Ionen, KapazitĂ€t: 6,1 kWh) dauert etwa 3,5 Stunden. Ungewohnt sind die dabei auftretenden Summ-GerĂ€usche der Akku-KĂŒhlung, die auf dem eigenen GrundstĂŒck kein Problem darstellen, bei einer Aufladung am Straßenrand aber sicherlich die Passanten irritieren dĂŒrften. Die Reichweite wird mit 100 km angegeben, aber selbst nach vollstĂ€ndiger Aufladung erschienen im Test lediglich 60 km in der Anzeige. Zum GlĂŒck liegt aber die tatsĂ€chlich zurĂŒckzulegende Distanz bei energiesparender Fahrweise höher, als dieser errechnete Wert vermuten lĂ€sst.
Ein interessantes Einsatzgebiet fĂŒr dieses Fahrzeug hat die schweizerische Gemeinde BĂŒlach gefunden. Dort fĂ€hrt die Stadtpolizei seit April 2013 mit dem elektrischen Citymobil umher. Unter dem Oberbegriff „Quartierpolizei“ soll dort mehr BĂŒrgernĂ€he praktiziert werden, um mehr Vertrauen bei der Bevölkerung zu erzielen. Neben der PrĂ€senz der Polizei vor Ort soll auch eine Vorbildfunktion in punkto Umweltbewusstsein wahrgenommen werden.
Auf Interesse stĂ¶ĂŸt der Twizy auf jeden Fall, das belegen erste Verkaufszahlen (2012: 2.359, 2013 bis Apr.: 249) zahlreiche GesprĂ€che mit neugierigen Passanten, mit denen man wĂ€hrend der Testfahrten in Kontakt kommt. Dann heißt es beispielsweise: „Wenn der Preis stimmt, wird das mein Zweitauto nĂ€chstes Jahr.“ Von der Jugend sind aber auch ganz andere Kommentare zu hören: „Ist das da dein Vater, der dich in diesem peinlichen Auto abholt?“ Auf der anderen Seite ergeben sich allerdings auch folgende Dialoge: Mathilde (6 J.) sieht das ElektrogefĂ€hrt und sagt: „Der ist ja cool.“ Gegenfrage des Fahrers: „Was ist denn daran so cool?“ Antwort: „Alles!“

Quellenangabe:
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