Nikola Motors – CEO Lohscheller verlĂ€sst das Unternehmen

Bildtitel: Nicola Motors Logo
Autor: Sven Jösting
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7. August 2023

Nikola Motors – CEO Lohscheller verlĂ€sst das Unternehmen

Die Wachstumsstory Nikola Motors steht gerade erst am Anfang!
Die Meldung schlug am vergangenen Freitag ein wie eine Bombe: Vorstandchef Michael Lohscheller geht aus persönlichen GrĂŒnden – ein Krankheitsfall in der Familie lĂ€sst ihn nach Europa zurĂŒckkehren – und auf den Posten des CEO folgt Chairman und AR-Chef Steven Girsky. Welche Auswirkungen hat dies auf Nikola Motors? Meine Antwort: keine.

Lohscheller hat sehr viel fĂŒr Nikola getan, dem Start-Up ein neues, positives Image gegeben nach all den Querelen mit dem UnternehmensgrĂŒnder Trevor Milton. In den vergangenen Wochen wurde Nikola neu aufgestellt. Um die LiquiditĂ€tsposition zu stĂ€rken, wurden nicht erforderliche Assets wie das FirmengrundstĂŒck in Coolidge via Verkauf und Sale-Leaseback abgegeben, die geplante Wasserstoffproduktion in Buckeye an die australische Fortescue Future verĂ€ußert (Nikola bezieht von dort aber den Wasserstoff via Offtaker) u.v.a. Die Beendigung des Joint-Ventures in Europa mit Iveco fand sein Ende. Beide konzentrieren sich jetzt auf ihre eigenen MĂ€rkte. Die Batterieentwicklung des ĂŒbernommenen Herstellers Romeo Power wurde liquidiert und 20 Prozent der Belegschaft abgebaut, da sich dies so angeboten hat. Die dort produzierten batterieelektrischen Lkw mĂŒssen erst einmal abverkauft werden, bevor neue (2024) gebaut werden, so dass die ehemals fĂŒr das Iveco-JV eingestellten KrĂ€fte im Unternehmen keine BeschĂ€ftigung mehr hatten.

Kurzum: Da wurde massives Cost-Cutting durchgefĂŒhrt, um die LiquiditĂ€t zu schonen und das Unternehmen richtig zu positionieren. Hierzu Zahlen: Lag der Cash-Burn (LiquiditĂ€tsbedarf) 2022 noch bei 240 Mio. US-$ im Quartal, so liegt dieser nun bei 150 Mio. US-$ und soll Ende dieses Jahres bei 100 Mio. US-$/Quartal liegen – wie auch 2024. Die LiquiditĂ€t betrug Ende des zweiten Quartals noch circa 295 Mio. US-$ plus circa 20 Mio. US-$ aus dem Verkauf der H2-ProduktionsstĂ€tte (Buckeye) an Fortescue. Insgesamt steht Nikola damit ein Kapital in Höhe von ĂŒber 743 Mio. US-$ zur VerfĂŒgung. Darin enthaltene sind ungenutzte Kreditlinien (Nutzung via Aktienausgabe) von geschĂ€tzt noch ĂŒber 200 Mio. US-$ des VCs Tummin.
Der neue CEO ist seit Anfang an dabei. Er war in Vorstandsposition bei General Motors (GM) und hat den Autokonzern, den es ohne BĂŒrgschaften der US-Regierung Obama nicht mehr gĂ€be, damals aus der Krise gefĂŒhrt.

Genehmigung der Erhöhung der auszugebenden Aktien ist Game-changer
Im dritten Anlauf hat es nun geklappt: Eine einfache Mehrheit auf der Hauptversammlung hat gereicht, nachdem bei zwei AnlĂ€ufen jeweils alle ausgegebenen Aktien fĂŒr eine Mehrheitsabstimmung notwendig waren. Eine GesetzĂ€nderung war hierfĂŒr die Grundlage. Folge: Nikola kann nun weitere 800 Mio. Aktien ausgeben. Allerdings hat das Unternehmen nun Zeit und keine Eile und auch keinen Druck mehr, dies zu tun, so die Finanzchefin Stasy Pasterick. Das klingt entspannt.
Zukunft liegt im wasserstoffbetriebenen FCEV Tre-Lkw
Der H2-Truck kostet 400.000 US-$. Immerhin sind darin Materialien im Wert von 275.000 US-$ verbaut. Bei der geplanten Skalierung wird sich das positiv Ă€ndern. Die Anreize sind erheblich: 288.000 US-$ pro Truck an Förderung in Kalifornien plus 40.000 US-$ von der US-Regierung im Rahmen des IRA. 200 Lkw sind in den BĂŒchern – bis Jahresende werden wohl 100 gebaut und ausgeliefert. 10 Gamma-Lkw sind im Markt bei Kunden zum Testen. Das richtige GeschĂ€ft entsteht jedoch erst, wenn der Wasserstoff selbst produziert und verkauft wird.
60.000 bis 80.000 US-$ wird ein Lkw pro Jahr an Wasserstoff ausgedrĂŒckt in US-$ verbrauchen. Das Spannende: Die US-Regierung bezuschusst grĂŒnen Wasserstoff mit 3 US-$ pro Kilogramm und in Kalifornien kommen gleich noch mal 2 US-$/kg hinzu. Da ist Nikola First Mover, wĂ€hrend es von batterieelektrischen bereits einige Wettbewerber gibt. Von den BEVTre sind noch 139 im Bestand und ĂŒber 90 bei HĂ€ndlern. Im laufenden dritten Quartal sollen davon 60 bis 90 verkauft sein und bis zu 28 Mio. US-$ Umsatz bringen. Nikola produziert ab 2024 neue, dann aber nur auf Bestellung.

H2-und Strominfrastruktur wird aufgebaut
Nikola löst das Henne-Ei-Problem selbst: Das Unternehmen plant ĂŒber 50 H2-Tankstellen zusammen mit Volterra (Tochter EQT) plus weitere acht, die kĂŒrzlich ZuschĂŒsse verschiedener Behörden in Kalifornien in Höhe von ĂŒber 55 Mio. US-$ fĂŒr Nikola gewinnen ließen. Parallel werden mobile Stromladestationen und mobile H2-Tankstellen konzipiert. Man kann dabei an Tesla denken, denn ohne deren Supercharger hĂ€tte wohl kaum jemand ein batterieelektrisches Auto gekauft.

Auftrag von J.B. Hunt
Einen Auftrag ĂŒber zehn batterieelektrische und drei wasserstoffbetriebene Lkw hat Nikola von J.B. Hunt erhalten. Das Besondere an diesem Logistikkonzern ist, dass er u.a. Koordinierungsaufgaben fĂŒr ĂŒber 1 Million Lkw liefert. Das könnte mal was ganz Großes fĂŒr Nikola werden, so meine Vision – ohne Obligo. Nikola arbeitet zudem an diversen Sicherheitspaketen fĂŒr den Betrieb der BZ-Lkw und will hier Industriestandard setzen – sieht sich selbst in einer fĂŒhrenden Position.
Am besten brachte es Ex-CEO Lohscheller auf den Punkt: „Nikola ist das einzig Wahre. Wir glauben, dass wir das am besten positionierte Unternehmen sind, um den kommerziellen Übergang zur Emissionsfreiheit anzufĂŒhren und die Wasserstoffwirtschaft zu beschleunigen.“
Fazit: Die Shortseller werden versuchen, den Kurs zu drĂŒcken, da sie per 30.06.23 ĂŒber 129 Mio. Aktien leer verkauft haben. Es ging ja auch rasant von 0,50 US-$ bis auf 3,70 US-$ mit sehr hohem Volumen gehandelter Aktien. FĂŒr die Kursentwicklung ist es sehr wichtig, dass Nikola AuftrĂ€ge fĂŒr die wasserstoffbetriebenen Trucks erhĂ€lt. Vielleicht stehen da 1.000 oder mehr Lkw bis Jahresende in den BĂŒchern? Es gibt genug Großkonzerne wie Amazon (haben 100.000 eines batterieelektrischen Kleinlasters geordert), die allein schon gut fĂŒr ĂŒber 1.000 H2-Lkw sein können. Und die NĂ€he des neuen CEO zu GM könnte auch mal eine Spekulation auslösen, denn alle unabhĂ€ngigen US-Lkw-Hersteller wie Navistar (mittlerweile bei VW) wurden ĂŒbernommen. Vielleicht beteiligt sich auch einer der Großen an Nikola, so wie es Toyota und Daimler in den AnfĂ€ngen bei Tesla getan haben? Die Nikola-Story beginnt gerade erst. 5 bis 10 US-$ 2024?
Autor: verfasst von Sven Jösting am 6. August 2023

Quellenangabe: keine Angabe

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