Revolution der Wasserstoff-Wirtschaft startet in Ostdeutschland

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14. August 2013

Revolution der Wasserstoff-Wirtschaft startet in Ostdeutschland

Prof. Dr. Ralf Wehrspohn (Quelle: Fraunhofer IWM)

Prof. Dr. Ralf Wehrspohn (Quelle: Fraunhofer IWM)

„Von Ostdeutschland soll eine Revolution in der Wasserstoffwirtschaft ausgehen.“ Diese These hört sich gewagt, wenn nicht sogar etwas provokativ an. Bei nĂ€herer Betrachtung der neuen HYPOS-Initiative, die sich erst jĂŒngst in Mitteldeutschland rund um die bereits bestehende H2-Pipeline versammelt hat, ist es aber gar nicht unwahrscheinlich, dass diese Zielvorgabe durchaus realistisch und vielleicht sogar eher noch untertrieben ist. ZunĂ€chst hört es sich zwar an wie eines von diesen vielen Projekten mit der Vorsilbe hy, in denen es mal wieder um die Demonstration einer Wasserstoffanwendung geht. Bei nĂ€herem Hinschauen stellt man aber schnell fest: Bei HYPOS geht es um mehr. Nach Aussage der Initiatoren geht es konkret um „eine Revolution der Wasserstoffwirtschaft“, und wenn man sich die Liste der beteiligten Partner anschaut, ist schnell klar, dass hier tatsĂ€chlich etwas Großes im Entstehen ist.
Scheinbar aus dem Nichts heraus haben sich bis Anfang Mai 2013 rund 100 Institutionen zusammengefunden, die alle verbindlich ihre Mitarbeit im Konsortium HYPOS erklĂ€rt haben. HYPOS steht fĂŒr „Hydrogen Power Storage & Solutions East Germany” (Wasserstoff-Stromspeicher und -lösungen Ostdeutschland). Die AnfĂ€nge dazu fanden Ende 2012 mit 25 Konsortialvertretern in Dresden statt. Beim dritten Treffen Ende MĂ€rz 2013 in Halle waren es bereits 60. Zusammen wollen sie Überschuss verwalten. Gemeint ist damit der ĂŒberschĂŒssige Strom aus erneuerbaren Energien. Durch eine intelligente VerknĂŒpfung von Stromnetz, H2-Erzeugung und -Pipeline sowie Gasnetz, Gasspeicher sowie der chemischen Industrie soll in Mitteldeutschland eine wirtschaftliche Nutzung und Langzeitspeicherung dieses Stroms erreicht werden.
DafĂŒr reichten die Initiatoren am 3. April 2013 das Initialkonzept „HYPOS – Von Ostdeutschland soll eine Revolution in der Wasserstoffwirtschaft ausgehen“ beim Bundesministerium fĂŒr Forschung und Bildung ein und beantragten die Teilnahme am Programm „Zwanzig20 – Partnerschaft fĂŒr Innovation“. Dieses Förderprogramm zielt insbesondere auf die VerknĂŒpfung von spezifischem Know-how ausgewĂ€hlter Partner aus Ost- und Westdeutschland, um die jeweiligen wissenschaftlichen, technologischen und unternehmerischen Kompetenzen zusammenzufĂŒhren und so zu erweitern. Im Falle einer positiven RĂŒckmeldung seitens der Jury wird zunĂ€chst eine Potentialstudie mit dem Fokus „Pipelineinfrastruktur und Speichermöglichkeiten“ anvisiert, um dann als weiteres Projektziel die Umsetzung konkreter H2-Industrieprojekte im großtechnischen Maßstab in der mitteldeutschen Wirtschaftsregion in Angriff zu nehmen.
Was die Region rund ums mitteldeutsche Chemiedreieck zu bieten hat, sind reichlich Ökostrom und die zweitlĂ€ngste H2-Pipeline Deutschlands. Außerdem, so erklĂ€rte Prof. Dr. Ralf B. Wehrspohn, der Leiter des Fraunhofer Instituts fĂŒr Werkstoffmechanik (IWM), gegenĂŒber dem MDR, „haben wir hier Salzkavernen, zum Beispiel in Bad LauchstĂ€dt, die man aktuell nutzt als Erdgasspeicher – die man aber innovativ in diesem Projekt umrĂŒsten will in Richtung Wasserstoffspeicher“ (mehr dazu im Wehrspohn-Interview im HZwei Juli-Heft). Das erste Gas könnte ab 2017 in die Pipelines strömen.
Zu den Initiatoren zĂ€hlt die Wirtschaftsinitiative fĂŒr Mitteldeutschland GmbH, in der sich Unternehmen und Gemeinden aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und ThĂŒringen mit dem gemeinsamen Ziel einer nachhaltigen Entwicklung zusammengeschlossen haben. Zudem wirken das Fraunhofer-Institut fĂŒr Werkstoffmechanik aus Halle sowie das im Jahr 2003 von der Wirtschaft ins Leben gerufene Cluster Chemie/Kunststoffe Mitteldeutschland federfĂŒhrend mit.

Quellenangabe:

4 Kommentare

  1. Joe Schmidt

    Mehr als fĂŒnf Jahre spĂ€ter gibt es den nĂ€chsten Artikel hier “Brennstoffzellen-Antrieb fĂŒr Sachsen /14. Januar 2019 von Hydrogeit” ohne dass auch nur ansatzweise die beschworenen Fortschritte fĂŒr Wasserstoff sichtbar wĂŒrden.
    Wie denn auch, wenn man immer noch glaubt, mit Wasserstoff als dem Gas mit dem niedrigesten Energiegehalt je Volumeneinheit mobil sein zu wollen. Nicht einmal das Argument der Tankdauer sticht mehr angesichts der neuen Schnelllader und der Tatsache, dass an den H2-Tankstellen nur der erste Tankvorgang 3-5Minuten dauert. Danach bekommt man den Tank entweder nur zu ca. 90% gefĂŒllt, oder muss 15-20min warten, bis die 700bar Tankdruck im Zwischenspeicher wieder aufgebaut sind.
    Nein, das ist kein technisches Problem (man könnte ja mehr /grĂ¶ĂŸere Pumpen /Speicher installieren. Es ist ein wirtschaftliches Problem und damit das Aus fĂŒr mobilen Wasserstoff.

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  2. Karl Albrecht MĂŒsers (Dipl.-Ing. Verfahrenstechniken)

    Lieber Herr Achim Behrenwaldt,
    Bedenken sind leicht zu Ă€ußern und zu formulieren. Sie haben auch ihr Publikum. Ich bin eher dafĂŒr, den Initiatoren auch das Rechnen zuzutrauen. Sie können das auch, allerdings mit bloßer Arithmetik kommt keiner zum Ziel. Die Schwierigkeit liegt ja darin, die Matrie tief zu kennen, deshalb ja viele Leute und nicht nur ein paar.
    Die Situaton bewegt sich weg von allem, was wir bisher zur Energiewirtschaft kannten. Die Petrowirtschaft und die Nuklearwirtschaft (besser Plutoniumwirtschaft) haben das Potential, die Welt in kĂŒrzester Zeit zu zerstören. Manche Leute, gute Leute, halten diesen Stress nicht aus und möchten ihn auch ihren Kindern nicht aufbĂŒrden. Den unhaltbaren Zustand zu Ă€ndern (gerade weil es eine gute Lösung gibt) muten sie sich zu, nehmen auch die damit zunĂ€chst verbundene BĂŒrde auf sich. Auch sind damit ganz bestimmt persönliche WĂŒnsche und Hoffnungen verknĂŒpft. Das sind unverzichtbare Elemente einer Motivation. Seien wir froh und dankbar, dass sich gerade dort so etwas ergibt. NRW ist prĂ€destiniert dafĂŒr, hĂ€ngt aber rĂŒckwĂ€rtsgerichtet wiedermal an der Kohle, Kohle. Es gibt umfangreiche, schon beinahe historische, genaue und akribische, internationale Kalkulationen zur Wasserstoffwirtschaft Contra Petrowirtschaft. Die Ergebnisse sind positiv und werden Jaht fĂŒr Jahr positiver fĂŒr die Wasserstoffwirtschaft.
    (Z. B. “Bockris/Justi – Wasserstoff, Energie fĂŒr alle Zeiten). Um diese Rechnung brauchen Sie sich wirklich keine Sorgen mehr zu machen. Auch ist das nicht das Problem, das den Initiatoren Sorgen bereiten muss. Vielmehr sind es die Menschen von heute, die in der Regel nicht wissen, was H2 bzw. Hydrogenium ist. Der Begriff schreckt sie eher ab. Sie sind und bleiben es noch lange, archetypische Pyromanen. Sie glauben, wenn es nichts mehr zu brennen gibt, geht die Welt unter, dabei ist eher das Gegenteil der Fall! Eine Wasserstoffbombe, weil sie Ein Schreckenspotetial hat, sagt Ihnen mehr als eine Elektrolyse geschweige denn als eine Brennstoffzellenanlage. Wir ĂŒberschĂ€tzen den allgemeinen Wissensstand der Leute. Hier gilt mein Rat den ehrenwerten Initiatoren, AufklĂ€rung zu betreiben, auch unter den zustĂ€ndigen Politikern. Den Interessenvertretern aus der Energiewirtschaft könnte AufklĂ€rung ebenfalls gut tun. Denn könnte ein Mensch, wissend um die Möglichkeiten und die Notwendigkeit der Wasserstoffwirtschaft, seiner Kohlewirtschaft z.B, noch eine noch so kurze Zukunft geben. Er mĂŒsste ja sich selbst und seinen Leuten die Wahrheit vorenthalten. Also: seit 1970 etwa ist die EinfĂŒhrung der Wasswestoffwirtschaft ĂŒberfĂ€llig. HĂ€tten nicht so viele Egoismen und auch Dummheit sie verhindert, wĂ€ren uns Kriege erspart geblieben, deren Folgen fĂŒr viele Menschen und Generationen auf diesem Planeten das Leben erschweren werden. Damit das nicht so weitergeht, und die Gefahr ist real, muss der Streit um die letzten Recourcen enden. Das tut er von selbst in einer internationalen H2-Wirtschaft. Die Technik ist reif, die Menschen mit Mut klarem KalkĂŒl sind da. Mit herzlichem GlĂŒckwunsch und natĂŒrlich dem Wunsch auf Erfolg und Geduld und einem bisschen GlĂŒck, Karl Albrecht MĂŒsers.

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    • Achim Behrenwaldt

      Lieber Herr MĂŒsers,
      Ihre Wunschvorstellung in allen Ehren, aber damit stehen Sie leider ziemlich allein, wie man an den Zulassungszahlen fĂŒr E-Autos sieht. Daran wird sich auch bei den H2-Autos, die demnĂ€chst auf den Markt kommen, nicht viel Ă€ndern, denn die Autos und der Wasserstoff werden auf absehbare Zeit noch deutlich teurer sein als vergleichbare Benziner und Benzin gleichen Energiegehalts ! Außerdem fehlen noch jede Menge Tankstellen – und die sind teuer ! Wer soll die bauen ? Rentabel sind die noch lange nicht, solange nicht wenigstens 1 Mio. H2-Autos (=2% der Gesamtzahl) auf den Straßen ist.
      Zum GlĂŒck gibt es ein paar Enthusiasten wie Sie, aber die reichen bei weitem nicht, um dem Wasserstoff und dem H2-Auto zum Durchbruch zu verhelfen. Leider sind nicht mal die GrĂŒnen dazu bereit, wie man an den Zulassungszahlen unschwer ablesen kann. Erst wenn H2-Autos nicht mehr teurer als Benziner sind und H2 pro KWh nicht mehr kostet als Benzin, hat diese Technologie eine Chance. Ein “Huhn-oder-Ei-Problem”, das man wahrscheinlich nur mit staatlicher Förderung ĂŒberwinden kann.

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  3. Achim Behrenwaldt

    Bisher ist nicht mal ansatzweise erkennbar, dass man Wasserstoff aus ĂŒberschĂŒssigem Strom zu wettbewerbsfĂ€higen Preisen herstellen kann, denn niemand produziert große Mengen ĂŒberschĂŒssigen Strom, um ihn dann zu verschenken. Außerdem fĂ€llt ĂŒberschĂŒssiger Strom nur temporĂ€r an, so dass die Elektrolyse-Anlage bestenfalls zu einem Viertel ausgelastet werden kann, was entsprechend grĂ¶ĂŸere Anlagen und höhere Abschreibungen erfordert. Allein diese Kosten und Verluste dĂŒrften schon höher sein als der Preis von H2 in der Pipeline ! Wer wĂ€re bereit, den höheren Preis (in der Pipeline) zu bezahlen ?
    Eine Einspeisung ins Gasnetz ist derzeit nur bis 5 % möglich und wird auch nicht mehr bringen als den Erdgaspreis. Sinn macht das erst, wenn 100 % H2 eingespeist werden könnten, um dann auch Brennstoffzellen damit fĂŒttern zu können. Aber davon sind wir angesichts der ungeklĂ€rten Fragen (Was passiert mit den Turbinen, BHKW`s und Heizungsanlagen ?) noch lange nicht zu rechnen, zumal das auch die Erdgas-VerkĂ€ufer mit aller Macht hintertreiben werden.
    Eine Chance besteht m.E. nur in der Produktion von H2 fĂŒr den Verkehr (BZ-Autos). Ob dann H2 aus Strom gegen H2 aus Rapsstroh wettbewerbsfĂ€hig ist, sollte man prĂŒfen, bevor man da ein großes Strohfeuer abbrennt !

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  1. electrive.net » MZE, KIT, EV ARC, Flyer, HYPOS. - […] Die Wende beginnt im Osten: Eine Initiative namens HYPOS (Hydrogen Power Storage & Solutions East Germany) will die Wasserstoff-Wirtschaft…

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