Hype-Hopping – Grund sind ĂŒbersteigerte Erwartungen

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14. Januar 2013

Hype-Hopping – Grund sind ĂŒbersteigerte Erwartungen

Wer hĂ€tte das gedacht, dass nach dem ElektromobilitĂ€ts-Hype so bald gleich der nĂ€chste Hype durch die Energiewirtschaft pflĂŒgt. Wir waren doch gerade noch dabei, ĂŒber das Wohl und Wehe der Elektrofahrzeuge zu sinnieren, da geht es quasi schon wieder los. Dieses Mal unter dem Schlagwort „Energiespeicherung“.
Ein untrĂŒgliches Zeichen fĂŒr das Aufflammen einer neuen Euphoriewelle ist stets die Anzahl der Veranstaltungen, die zu einem speziellen Thema abgehalten werden. Zur Jahrtausendwende boomte es hier ganz krĂ€ftig bei allem, was mit Brennstoffzellen zu tun hatte, um 2008/2009 waren es die E-Autos mit der Batterietechnik, jetzt ist es die Speicherung von elektrischer Energie – speziell von „grĂŒnem“ Strom.
Ein schönes Indiz fĂŒr neue Trends sind auch Umbenennungen, so hat sich beispielsweise die NiedersĂ€chsische Landesinitiative Brennstoffzelle und ElektromobilitĂ€t (LiBZEI), die ursprĂŒnglich mal Landesinitiative Brennstoffzelle Niedersachsen hieß, im Sommer 2012 zur Landesinitiative Energiespeicher und -systeme Niedersachsen entwickelt.
Passend zu dieser Entwicklung wurde jĂŒngst in der Schweiz eine Studie ĂŒber Hypes veröffentlicht. Naheliegenderweise haben die Autoren das Thema Technologie-Hype am Beispiel des Brennstoffzellen-Booms von vor zehn Jahren analysiert. Sie stellten fest, dass Hypes stets mit â€žĂŒbersteigerten Erwartungen an die LeistungsfĂ€higkeit einer Technologie“ einhergehen (s. HZwei Januar-Heft 2013, S. 5) – und diese gab es damals zur GenĂŒge.
Brennstoffzellen wurden unter anderem als super-effiziente Heilsbringer verabgöttert. Wasserstoff galt als der Zaubertrank, der aus der dreckigen fossilen Öl- und Kohlewirtschaft eine saubere, schöne H2-Welt machen sollte. Dies allein war es aber noch nicht, denn wie die Autoren der Studie herausfanden, mĂŒssen fĂŒr einen echten Hype zusĂ€tzlich noch Erwartungshaltungen auf verschiedenen Ebenen erzeugt werden. So wie damals die Hoffnung, dass sich dank der H2- und BZ-Technik sowohl die Ressourcenverknappung als auch die Klimaproblematik in nichts als Wasserdampf auslösen wĂŒrden.
Ähnlich war es erst kĂŒrzlich bei den Elektrofahrzeugen, die nicht nur eine saubere und leise MobilitĂ€t ermöglichen sollten. Nein, sie sollten außerdem auch den gesamten Ökostrom zwischenspeichern und somit quasi ĂŒber Nacht die abgeschalteten Atomreaktoren ersetzen. Außerdem sollten sie sportlich und mit ordentlich Drehmoment ausgestattet sein und zudem noch möglichst bald ĂŒber 600 Kilometer am StĂŒck fahren können.
Und nun geht es in gleicher Manier weiter: Das Oberthema ist derzeit Energiespeicherung. Dies umfasst konventionelle Techniken wie Pumpspeicherkraftwerke und Druckluftspeicher, aber eben auch wieder Wasserstoff, der per Elektrolyse erzeugt wird und somit als Speicher fĂŒr Solar- und Windenergie dienen kann. Hinzu kommt noch das interessante Feld der Methanisierung, damit dann der grĂŒne Wasserstoff deutschlandweit ĂŒber das Gasnetz verteilt werden kann. Dies schĂŒrt dann gleich wieder tolle Phantasien, in denen Hochspannungsmasten zukĂŒnftig gĂ€nzlich ĂŒberflĂŒssig werden und jeder Haushalt sein eigenes autarkes Kraftwerk besitzt. Wieder einmal kann mit deutscher Technik ein neuer Leitmarkt erschlossen werden, so scheint es jedenfalls.
Zum GlĂŒck wissen wir es heute besser: Auch dieser Hype wird noch etwas anschwellen und dann wieder gehen. Einige Teile dieser Phantasien werden Wirklichkeit, andere verschwinden klammheimlich. Ein Leitmarkt wird daraus nur, wenn nach den ganzen Workshops und Seminaren tatsĂ€chlich Produkte entstehen, die nicht von Wissenschaftlern, sondern von Marketing-Profis verkauft werden.
Bis dahin werden wir aber wahrscheinlich schon zum nÀchsten Hype gesprungen sein, in dessen Schatten sich dann heimlich die alten Hypethemen in Richtung Kommerzialisierung heranpirschen können.
Mal schauen, wo uns der nÀchste Hype hintrÀgt.
Bis es allerdings so weit ist, kĂŒmmern wir uns in der HZwei erst einmal um die aktuellen Geschehnisse im Bereich der Energiespeicherung (s. Titelstory). Sie finden dazu in diesem ersten Heft des neuen Jahres zahlreiche interessante BeitrĂ€ge ĂŒber politische Fördervorhaben (S. 14-15), aktuelle Demonstrationsprojekte (S. 16-21), neue Maßnahmen zum Infrastrukturaufbau (S. 22-23) sowie H2-Speicher unter der Erde (S. 24-25), damit Sie bestens beim momentanen Hype mitreden können.

Quellenangabe:

6 Kommentare

  1. Björn Budde

    Interessante weiterfĂŒhrende Diskussion unserer Studie.
    Kleine Anmerkung, die Studie wurde vom AIT – Austrian Institute of Technology gemeinsam mit einem Schweizer Forschungsinstitut (EAWAG) durchgefĂŒhrt.
    Oute mich als einer der Autoren der Studie. 😉
    FĂŒr nĂ€here Infos zum Thema Hypes und Disappointments stehe ich gerne zur VerfĂŒgung.

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  2. Maximilian Fichtner

    Ob H2 im Straßenverkehr eingesetzt werden wird, hĂ€ngt vor allem von der VerfĂŒgbarkeit und dem Preis von Öl/Gas ab und der SpeicherkapazitĂ€t der bisher einzigen Alternative zum Wasserstoff – der Batterie.
    Batterien enthalten ca. 70% Inertmaterialien, so dass sich Verbesserungen bei den Aktivmaterialien nur sehr gedÀmpft widerspiegeln (Beispiel: eine Erhöhung der spezifischen KapazitÀt eines Kathodenmaterials um das Doppelte macht in der Gesamtbatterie nur 8% aus).
    Aus heutiger Sicht gibt es fĂŒr Mittel- und Oberklassefahrzeuge oder gar LKW mit Reichweiten von mehreren 100 km nur die Option H2 – auch wenn das zugegebenermaßen schwierig ist.
    Immerhin gibt es Fortschritte bei der Brennstoffzelle. GM plant fĂŒr 2015 die Kommerzialisierung eines Antriebsstrangs, der nur noch 15 TEUR kosten soll, mit einer BZ, die eine Lebensdauer von 200.000 km hat. Falls das gelingt, werden reine BEVs mit Li-Ionenbatterien bei den hohen Kosten, den Risiken und geringen Lebensdauern dieser Systeme Probleme bekommen.

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  3. Martin Kleimaier

    Hallo Herr Behrenwaldt,
    wenn man bedenkt, dass der grĂ¶ĂŸte Teil des mit viel Aufwand und hohen Verlusten erzeugten kĂŒnstlichen Erdgases wieder nur im WĂ€rmemarkt eingesetzt wird, dann ist es besser, lieber gleich den ĂŒberschĂŒssigen Strom direkt im WĂ€rmemarkt unterzubringen. Dies ist billiger, effizienter und zudem noch sehr dynamisch regelbar. Wenn man auf diese Weise den Bedarf fĂŒr Erdgas im WĂ€rmemarkt reduzieren kann, so steht dieses eingesparte Ergas fĂŒr andere Einsatzmöglichkeiten bzw. als Langzeitspeicher zur VerfĂŒgung – man spricht daher auch von “virtueller Methanisierung”.
    Gruß, Martin Kleimaier

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  4. Hydrogeit

    Hallo Herr Plagmann,
    Ihr Grundgedanke ist völlig korrekt, aber leider noch nicht realistisch, weil derzeit die Elektrolyseure noch zu teuer sind. Momentan wird an GerĂ€ten fĂŒr industrielle Zwecke gearbeitet. Dass es auch welche fĂŒr den Hausgebrauch geben wird, das dĂŒrfte noch etwas dauern. Das Problem wĂ€re ohnehin, dass Sie den Wasserstoff zunĂ€chst komprimieren mĂŒssten, bevor Sie ihn in Gasflaschen speichern und transportieren können. Und da es bisher nur sehr wenige Besitzer von Brennstoffzellen gibt, wĂŒrden Sie zur Zeit noch keine Abnehmer finden.
    Also noch ein bißchen Geduld. Wir halten Sie hier auf dem Laufenden.
    Gruß, Geitmann

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    • Achim Behrenwaldt

      Ich glaube nicht, dass sich Wasserstoff im Straßenverkehr durchsetzen wird, denn dafĂŒr braucht man nicht nur andere Autos, sondern auch eine andere Infrastruktur (Tankstellen, Tankwagen etc.). Zurzeit sehe ich niemanden, der bereit ist, das aufzubauen bevor es nicht wenigstens 1 MIo.H2-Autos gibt. Aber die gibt es nicht, solange es nicht genĂŒgend Tankstellen gibt – ein typisches “Huhn-oder-Ei-Problem”.
      Sinnvoller errscheint die Einspeisung ins Gasnetz – mit schrittweise steigendem Anteil. Allerdings wĂ€re der Einsatz von Brennstoffzellen erst möglich, wenn 100% H2 aus der Röhre kommt. Das wird sich vorlĂ€fig nur in kleinen, abgschlossenen Netzen realisieren lassen. Das wird wohl erst kommen, wenn Erdgas unbezahlbar wird.
      Gruß, Achim Behrenwaldt

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  5. andreas plagmann

    wenn ich jetzt fĂŒr 0,12 cent GrĂŒnen Strom produziere, was wird dann der Wasserstoff kosten
    und wie wird Wasserstoff gehandelt wenn ich Ihn als Kraftstoff verkaufe.
    Durch die Elektrolyse erzeuge ich Wasserstoff ,den fĂŒlle ich in mobile Tanks und
    verkaufe Ihn an Besitzer von Brennstoffzellen.
    Können Sie mir dies beantworten .
    Mit freundlichen GrĂŒssen
    Andreas Plagmann

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