Better Place eröffnet Wechselstationen in DÀnemark und Israel

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3. November 2011

Better Place eröffnet Wechselstationen in DÀnemark und Israel

Better Place scheint jetzt wirklich ernst zu machen. WĂ€hrend etliche Kritiker aus Deutschland das Konzept der Batteriewechselstationen nach wie vor fĂŒr unrealistisch halten, hat das kalifornische Start-up-Unternehmen jetzt seinen AnkĂŒndigungen Taten folgen lassen: Am 28. Juni 2011 weihte Better Place seine erste Akku-Wechselstation in Europa ein. Nachdem die vorherigen Versuche einer Testanlage in Tokio erfolgreich verlaufen waren, befindet sich nun auch bei Kopenhagen eine Wechselstation, an der innerhalb von fĂŒnf Minuten ein leerer Akku gegen einen vollen ausgetauscht werden kann. 19 weitere Standorte in DĂ€nemark sollen bis zum FrĂŒhjahr 2012 folgen.
Shai Agassi, der GrĂŒnder und GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Better Place, hatte bereits bei der ersten Vorstellung seines Batteriewechselkonzepts grundlegende VerĂ€nderungen im MobilitĂ€tssektor angekĂŒndigt. Seitdem teilt sich seine Zuhörerschaft in zwei Lager: in die AnhĂ€nger, die er mit seinen visionĂ€ren PlĂ€nen in seinen Bann ziehen konnte, und die Skeptiker, die seine Ideen als nicht umzusetzende Spinnereien abtun. Das Faszinierende dabei ist aber, und das mĂŒssen selbst seine Kritiker eingestehen, dass es ihm bisher stets gelungen ist, seine Vorhaben im angekĂŒndigten Zeitrahmen in die Tat umzusetzen. Allein die Tatsache, dass dieser Umstand in der MobilitĂ€tsbranche besonders hervorgehoben werden muss, spricht BĂ€nde.
Die Einweihung der ersten europĂ€ischen Wechselstation in Gladsaxe am Stadtrand von DĂ€nemarks Hauptstadt stellt einen weiteren Meilenstein in der bisherigen Erfolgsgeschichte des stetig wachsenden Unternehmens dar. Zuvor hatte das Unternehmen aus Palo Alto ab April 2010 einen mehrmonatigen Pilotversuch mit bis zu drei Elektrofahrzeugen in Tokio durchgefĂŒhrt und dort gemeinsam mit Nihon Kotsu, Tokios grĂ¶ĂŸtem Taxiunternehmen, demonstriert, dass 87 % der FahrgĂ€ste ein elektrisches Taxi gegenĂŒber einem konventionellen bevorzugen. Außerdem wurde dort die erste Batterie-Wechselstation im Alltag erprobt. Die durchschnittliche Dauer fĂŒr einen Akkuwechsel betrug weniger als eine Minute. Normalerweise dauert dies rund fĂŒnf Minuten.
Dann im MĂ€rz dieses Jahres weihte das Unternehmen, das sich mehr als MobilitĂ€tsdienstleister denn als reine ElektromobilitĂ€tsfirma sieht, sein Better Place Center in Hellerup, DĂ€nemark, ein. Renault verkĂŒndete zudem, in dem skandinavischen Land seinen Fluence Z.E. in der Prime-Time-AusfĂŒhrung fĂŒr 27.496 Euro (inkl. Steuern) ab Herbst 2011 anbieten zu wollen. Shai Agassi erklĂ€rte dazu: „Dies ist heute ein wichtiger Schritt vorwĂ€rts fĂŒr Better Place zur Vorbereitung des Markteintritts unseres Gesamtpakets in DĂ€nemark Ende des Jahres.“ Philippe Klein von Renault fĂŒgte hinzu: „Renault will mit seinen vier Elektrofahrzeugen, die ab Herbst 2011 verkauft werden, die europĂ€ische Automobilindustrie anfĂŒhren auf dem Weg zu einer Null-Emissionen-MobilitĂ€t. Der Fluence Z.E. wird das erste Elektrofahrzeug mit praktisch keiner Reichweitenlimitierung sein.“ Zur Rolle von Deutschlands nördlichem Nachbarn sagte er: „DĂ€nemark ist mit seinem starken Umweltbewusstsein und seiner positiven öffentlichen Haltung gegenĂŒber sauberen Fahrzeugen ein sehr wichtiger Markt fĂŒr Renault.“
Johnny Hansen, der erst im MĂ€rz 2011 zum GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Better Place DĂ€nemark ernannt worden war, erklĂ€rte: „Ich bin davon ĂŒberzeugt, dass wir mit unserem Batteriewechselmodell die letzten Barrieren fĂŒr den kommerziellen Durchbruch des Elektroautos ĂŒberwunden haben: Die Reichweite. Bei dem Interesse, das wir bisher erzielt haben, gehe ich davon aus, dass dies in nur wenigen Jahren das am besten verkaufte Auto in DĂ€nemark sein wird.“
In Israel ist ebenfalls im MĂ€rz 2011 eine erste Batteriewechselstation eröffnet worden. In Kiryat Ekron, nahe Tel Aviv, steht die erste von zunĂ€chst neun Stationen, die in diesem Jahr errichtet werden sollen. Insgesamt sollen es in Israel 40 StĂŒck werden. Die ersten 200 Ladestationen in ParkhĂ€usern wurden ebenfalls bereits installiert, und 10.000 Personen haben sich schon auf die Interessentenliste fĂŒr E-Fahrzeuge in Israel setzen lassen. Agassi sagte bei der Einweihung: „Diese Vision war vor drei Jahren nichts als eine Vision. Jetzt ist sie real.“
Auch Australien zĂ€hlt – mit Kalifornien und Hawaii – zu den ersten Testregionen. Better Place vereinbarte erst diesen Sommer gemeinsam mit Renault eine strategische Allianz fĂŒr den sĂŒdlichen Kontinent. Noch Ende des Jahres wird das kalifornische Unternehmen dort mit dem Aufbau der benötigten Infrastruktur beginnen. Im Sommer 2012 sollen dann die ersten Fahrzeuge fĂŒr Kunden in Canberra vor Ort sein, und ab 2013 soll in der australischen Hauptstadt das weltweit grĂ¶ĂŸte Netzwerk zur Aufladung von Elektrofahrzeugen entstehen.
In Europa setzen neben DĂ€nemark, wo der erste konkrete Schritt bereits getan wurde, auch die Verkehrsminister von fĂŒnf weiteren LĂ€ndern auf diese neue Technik. Belgien, Luxemburg, Österreich, Spanien und die Niederlande wollen ebenfalls Wechselstationen aufbauen. Im Rahmen eines von der EuropĂ€ischen Kommission geförderten E-Fahrzeug-Projektes (Greening European Transportation Infrastructure for Electric Vehicles) haben sich insgesamt acht europĂ€ische Institutionen zusammengetan, um ein intelligentes Transportsystem mit Wechselstationen und Ladepunkten zu analysieren, zu testen und zu installieren. Die Wechselstation in Kopenhagen war erst der Auftakt fĂŒr dieses Projekt. Eine weitere Anlage soll noch in Amsterdam entstehen, bevor dann ein Netz mit weiteren Standorten ĂŒber West-Europa ausgebreitet wird. Der Strom fĂŒr dieses mit 4,95 Mio. Euro geförderte Vorhaben, das zweieinhalb Jahre laufen wird, soll aus erneuerbaren Energien kommen.
Deutschland beschrĂ€nkt sich bei diesem Thema indessen auf eine Außenseiterrolle. Abgesehen von Forschungsarbeiten am Projekt Grid-Surfer von Next Energy, dem EWE-Forschungszentrum fĂŒr Energietechnologie e. V. (nĂ€heres dazu folgt im HZwei Januar-Heft 2012), haben deutsche Firmen Shai Agassi bisher abblitzen lassen. Als kleinen Bonbon erhielt Agassi in Mannheim am 24. Juli 2011 lediglich den ersten jemals verliehenen Bertha-und-Carl-Benz-Award. Dieser Preis wurde ihm fĂŒr seine Dienste, die er bereits der ElektromobilitĂ€tsbranche geleistet hat, ĂŒberreicht. Dr. Peter Kurz, der OberbĂŒrgermeister der Stadt Mannheim, sagte: „Shai Agassi kombiniert Visionen und Innovation mit technischem Können sowie unternehmerischer Erfahrung. DarĂŒber hinaus treibt ihn eine starke Verantwortung, die Herausforderungen beim Klimaschutz zu meistern.“ Dass sich dies auch beim heutigen Ölpreis schon lohnt, rechnete Amit Yudan, Leiter des EuropageschĂ€fts, wĂ€hrend der Clean Tech Insights in Berlin vor: In DĂ€nemark liegt der Preisvorteil eines Renault Fluence gegenĂŒber einem Dieselfahrzeug bei 10 bis 20 %.

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