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Beitrag von Sven Jösting

29. Dezember 2022

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Plug Power – Ziele werden der Realität angepasst

Plug Power gab schon vor Wochen bekannt, dass die diesjährigen Umsatzziele um fünf bis zehn Prozent niedriger als die ursprünglich für 2022 prognostizierten 900 bis 925 Mio. US-$ liegen werden. Das dritte Quartal führte zu einem Umsatz in Höhe von 188,6 Mio. US-$ (plus 31,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr), was aber circa 55,6 Mio. US-$ weniger war, als Analysten durchschnittlich erwartet hatten. Der Verlust mit einem Minus von 170 Mio. US-$ liegt in der Linie der Erwartungen. 2023 sollen es dann 1,4 Mrd. US-$ Umsatz werden. Noch verfügt Plug über einen gesunden Bargeldbestand, der sich aus 1,5 Mrd. an liquiden Mitteln und circa 1 Mrd. US-$ an veräußerbaren Wertpapieren zusammensetzt.

Das Unternehmen arbeitet daran, Wasserstoff selbst zu einem Preis von einem Drittel dessen produzieren zu können, was industrielle Gasehersteller berechnen. So soll bis Ende 2022 eine Kapazität von 50 Tonnen/Tag erreicht werden (vorher war von 70 Tonnen/Tag die Rede), und 200 Tonnen/Tag sollen es dann Ende 2023 werden. Erst kürzlich wurde berichtet, dass man vom Bau von Produktionsstätten in Pennsylvania und Kanada absehen werde und es in einer Anlage in New York zu Verzögerungen käme. In der wenig aussagefähigen Bilanzpressekonferenz zum dritten Quartal wurde zu unserer Überraschung die großangelegte Kooperation mit der australischen Fortescue Future Industries des Milliardärs Andrew Forrest – man baut gemeinsam große Elektrolyseurkapazitäten auf – nicht erwähnt. Jedenfalls haben wir dies nicht gelesen oder überlesen.

Kooperation mit Lidl – Projekte all over

An Projekten und Kooperationen mangelt es nicht: Jüngst konnte Plug Power den Kaufhauskonzern Lidl als Kunden gewinnen, der Wasserstoff in Transportfahrzeugen wie auch Gabelstaplern einzusetzen plant. Wir vermissen hier jedoch konkrete Zahlen (Auftragswerte), die Plug aber sicher zu gegebener Zeit liefern wird. Ein Achtungserfolg – keine Frage.

Sealhyfe-Projekt startet – erster schwimmender Elektrolyseur

Zusammen mit dem französischen Wasserstoffprojektbetreiber Lhyfe hat Plug den ersten schwimmenden Elektrolyseur in einem Windpark auf See (offshore) installiert. 400 kg Wasserstoff sollen hier täglich produziert werden, wobei man den Einsatz an zwei Standorten hintereinander über sechs und über zwölf Monate plant. Der Elektrolyseur hat eine Leistung von 1 MW. Lhyfe hat ja – wir berichteten – Plug Aufträge für Elektrolyseure mit einer Gesamtkapazität von 50 MW gegeben.

Investor Symposium

In einem online durchgeführten Investor Symposium hieß es, dass sich Plug in unterschiedlichen Wasserstoffmärkten positioniert, diverse Produktionsstätten, u. a. für Elektrolyseure (2,5 GW Jahreskapazität), aufbaut und massiv in die Produktion von Wasserstoff (flüssigem, da kostengünstiger transportierbar) investiert. Vieles klingt gewaltig. Das nordamerikanische Unternehmen sieht sich da als ein Marktführer in spe. Dem Inflation Reduction Act kommt dabei besondere Bedeutung zu, da wegen diesem grüner Wasserstoff gegenüber dem grauen (erdgasbasierten) in den USA preislich im Vorteil ist und demnach sehr große Wachstumschancen hat.

Plug wird seinen Weg gehen, wird aber bis zum Übergang in die Gewinnzone noch sehr viel Kapital benötigen, so dass man für dieses Investment Zeit mitbringen muss. Die jüngste Prognose aus dem Hause selbst, dass der für dieses Jahr anvisierte Umsatz circa fünf bis zehn Prozent niedriger als geplant ausfallen wird, lässt erst einmal keine guten Quartalszahlen erwarten bzw. hohe laufende, wenn auch logische Verluste (Invest in Produktionsstätten) unterstellen. Den guten IR (Investor Relations) geschuldet wird die Aktie wieder steigen, wenn die ganze Branche wieder Tritt an der Börse fasst.

Unsere zurückhaltende Einschätzung von Plug Power bewahrheitet sich immer mehr. Das Unternehmen hat zu viele Baustellen zur gleichen Zeit, was die Liquidität stark schrumpfen lässt. Mit den geplanten Investitionen von 1,5 Mrd. US-$ wird die Liquidität bis Jahresende 2023 auf 1 Mrd. US-$ fallen, was eventuell weitere Kapitalerhöhungen (Ausgabe von Aktien) zur Folge haben wird. Mit circa 9 Mrd. US-$ Börsenbewertung hat die Börse ihre neue Sicht der Dinge gezeigt. Plug wird seinen Weg im Bereich Wasserstoff, Brennstoffzelle und Elektrolyse gehen und hier via Skaleneffekten Wasserstoff selbst zu sehr günstigen Konditionen produzieren und damit Geld verdienen können. Wir gehen aber davon aus, dass die Bewertung von Bloom Energy irgendwann in den kommenden zwei Jahren die von Plug Power wird toppen können bzw. sich die Bewertungen angleichen. Da Plug in allen wichtigen H2-Fonds vertreten ist, wird die Aktie vom allgemeinen H2-Megatrend sicher profitieren.

Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: verfasst von Sven Jösting am 16.12.2022


 

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