USA: Die Weichen sind gestellt

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22. Dezember 2022

USA: Die Weichen sind gestellt

Es geht nun los in den USA: Der Inflation Reduction Act mit seinen Fördermilliarden (369 Mrd. US-$), u. a. fĂŒr den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft, sorgt fĂŒr Aufbruchstimmung. Dies konnte ich live via Videostream beim 2nd Hydrogen Americas Summit miterleben. In Washington haben sich viele VorstĂ€nde namhafter Unternehmen in Sachen Wasserstoff positioniert und ĂŒber ihre PlĂ€ne berichtet. Wasserstoff sei immer schon ein Thema gewesen, aber nun sei der Zeitpunkt da, das Farbspektrum ĂŒber Umwelt- und Klimathemen massiv auszubauen und Wasserstoff als Gamechanger fĂŒr die Welt anzusehen.

Auch die Energiesicherheit wurde besonders betont. Die kommenden zehn Jahre werden in Sachen Wasserstoff die Welt verĂ€ndern, wobei die USA planen, vorerst 10 Mio. Tonnen im Jahr zu produzieren. Es ist heute fundamental anders als in den Jahrzehnten zuvor. Der Mix an Maßnahmen fĂŒr den Hochlauf lĂ€sst sich wie folgt auflisten:

–           Incentives (Anreize, FörderbeitrĂ€ge, ZuschĂŒsse)

–           Policy Framework (Regulatorik, Standards)

–           Demand-Conditions (Nachfragesituation, MĂ€rkte)

–           Climate-Influence (Klimafragen)

–           Energy-Security (Energiesicherheit/LieferfĂ€higkeit)

–           Inflation Reduction Act als InitialzĂŒndung

Es gilt H2-ready zu werden. Dies beinhaltet, bestehende Infrastruktur (u. a. Gaspipelines) auf Wasserstoff umzurĂŒsten. Beim Ammoniak gibt es diese Infrastruktur bereits, so dass grĂŒner Wasserstoff hier einen ersten großen Markt sehen wird, wenn Ammoniak neben der DĂŒngemittelproduktion als Medium fĂŒr den Transport von Wasserstoff eingesetzt wird.

Das Thema mĂŒsse gleichzeitig lokal wie auch global gedacht werden, hieß es. DafĂŒr seien Kooperationen zwischen alten Industrien und neuen Playern notwendig, gar eine Voraussetzung und Bedingung fĂŒr den erfolgreichen Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft. Man mĂŒsse indes aber auch die andere Seite berĂŒcksichtigen, die auf Konkurrenzneid, Marktverhinderung und Besitzstandswahrung aufbaut, denn nicht jeder Player finde die Entwicklung gut.

Aber auch ein gesunder Wettbewerb ist notwendig. Hier brachten sich Ministeriumsvertreter Kanadas und der USA ein, gemĂ€ĂŸ deren Aussagen man sich in der Umsetzung einer Wasserstoffstrategie sportlich betrachtet im gesunden Wettbewerb sieht. Es muss Nachfrage fĂŒr Wasserstoff geschaffen werden. Einer der ersten MĂ€rkte wird die MobilitĂ€t (hier: Nutzfahrzeuge, Schiffe und Schiene) als „driving force & source“ sein.

Am besten beschreibt es ein Statement von Christian Bruch, dem Vorstandschef von Siemens Energy, bezogen auf den Inflation Reduction Act: „Das wird Investitionen von vielen Firmen in den USA nach sich ziehen. Man kann sich sicher darĂŒber unterhalten, ob Amerika zu viel fördere und einen Subventionswettbewerb befeuere, aber dafĂŒr ist der Bedarf an erneuerbaren Energien ĂŒberall viel zu groß. Was Amerika anders macht als Europa: Die USA sind technologieoffen. Es wird nicht ĂŒber grĂŒnen oder blauen Wasserstoff gesprochen, sondern ĂŒber Wasserstoff. Die Förderbedingungen sind einfach, jeder kann sie verstehen. Da kommt eine Welle, die die Chance hat, die USA wieder zu industrialisieren.“

Es gibt 18 Sektoren, in denen Wasserstoff benötigt wird. Es wird zuerst mit „early mover markets“ losgehen, wozu der Schwerlastverkehr, „heavy duty trucking“, zĂ€hlt. Aber auch andere MĂ€rkte werden entstehen und wachsen, wie z. B. Kommunikationstower (ĂŒber 600.000 in Indien, die mit Dieselmotoren betrieben werden, bzw. 10.000 Funkmasten der Polizei in den USA), die perspektivisch via Brennstoffzelle mit Wasserstoff betrieben werden. Bei Gabelstaplern sehen wir bereits, dass immer mehr mit Wasserstoff fahren statt mit Diesel oder Batterie.

Viele Marktteilnehmer sehen auf einmal zur selben Zeit in diesem Markt ihre Zukunft. Dabei fallen Vergleiche mit dem Anfang des Internets, des WWW, welches als disruptives neues System die ganze Welt verĂ€ndert hat. Ob es sich um Finanziers handelt (Banken, VCs) oder Technologielieferanten, Beratungsunternehmen, Kunden oder Regierungen – sie alle wollen nun rein in das Wasserstoffzeitalter.

Da hört man auch den Vergleich mit den AnfĂ€ngen der Solarindustrie, wo vor 30 Jahren eine kWh 2,50 $ kostete und heute nur noch 0,025 Cent. Bei Batterien hat es 15 Jahre gebraucht, bis Energiedichte und Preis einen neuen Markt initiiert haben. Das Gleiche wird mit dem grĂŒnen Wasserstoff geschehen, fĂŒr den die Mehrheit der Analysen einen Preis von 1 US-$/kg fĂŒr das Jahr 2040 prognostiziert und 1 bis 2 US-$ bereits bis zum Jahr 2030 erwartet.

Wasserstoff wird dabei aus vielen Quellen gewonnen, die u. a. auch im Biogas und in der Abfallverwertung liegen. Dabei geht es auch darum, „grid-friendly“ zu sein, d. h., in der bestehenden Infrastruktur transportierbar und einsetzbar zu werden (u. a. Blending in Erdgasnetzen). Der Optimierung aller Komponenten wie auch deren Integration wird eine besondere Bedeutung zukommen.

Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen RisikoeinschĂ€tzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre VolatilitĂ€t ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugĂ€nglichen Quellen und stellen, was die EinschĂ€tzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: verfasst von Sven Jösting am 16.12.2022

Quellenangabe:

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1 Kommentar

  1. Dirk

    Die Amis werden es richten genauso wie die Ost-Asiaten. Nur wir sind so blöd und eiern auf den Batterien umher. Von Chikago nach LA mit Batterie Trucks…Die Roadtrains in Australien…..Der Kraftstoff heißt H2 und warum nicht fĂŒr alles was da sich bewegt ? WĂ€re doch eine bessere Zukunft.

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