Das ist die Heilung, nicht die Therapie

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Von Hydrogeit

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2. Juni 2021

Das ist die Heilung, nicht die Therapie

Hydrogen House Project, Toyota Mirai

Mike Strizki baut energieautarke H2-HĂ€user in den USA

Mike Strizki ist mehr als begeistert vom Wasserstoff. Er hat sich diesem verschrieben und sagt, dass er sich zeitlebens fĂŒr das am hĂ€ufigsten im Universum vorkommende Element einsetze, das entscheidend sei, um CO2-neutral zu werden. Und dass er seinen acht Enkeln ein besseres und saubereres Leben bieten möchte.

Schon bevor Wasserstoff als cool galt, begann Strizki mit Autos zu experimentieren, die Wasserstoff als Kraftstoff verbrennen. 2006 beschloss er, sein ohnehin schon exzentrisches Leben noch komplizierter zu machen: Er baute ein H2-Haus in New Jersey. Und danach baute er ein zweites. Und mittlerweile baut er sie fĂŒr Prominente, zum Beispiel fĂŒr Johnny Depp. Bevor er das Wasserstoffhausprojekt startete, arbeitete er viele Jahre als Ingenieur fĂŒr die Regierung und entwickelte Technologien fĂŒr erneuerbare Energien.

„Ich kenne mich mit der gesamten Wasserstoffindustrie aus“, so Strizki gegenĂŒber HZwei. Und das umfasse alles „von politischer Lobbyarbeit bis zum Bau von Prototypsystemen und Tankstellen“. Beim Wasserstoffhaus produzierten er und seine Mitstreiter „mit der Sonne in drei Monaten – April, Mai und Juni – sĂ€mtliche Energie, die wir benötigen“. Das Gas wird anschließend in DruckbehĂ€ltern zwischengespeichert, bevor es einer Brennstoffzelle zugefĂŒhrt wird.

„Der Zweck des Wasserstoffhauses ist es, die Öffentlichkeit darĂŒber aufzuklĂ€ren, dass es noch mehr Möglichkeiten gibt“, fĂŒgt er hinzu. „Wenn Menschen etwas nicht kennen, können sie es nicht bestellen. Diese Technologie ist real. Die weltweit grĂ¶ĂŸten Unternehmen setzen sie ein: Amazon-Verteilzentren haben 300 Gabelstapler, die mit Wasserstoff betrieben werden. Und Walmart hat sie auch.“

Zu sagen, dass Strizki leidenschaftlich ist, wĂ€re untertrieben. Er verfolgt vielmehr das ehrgeizige Ziel, die Welt zu einem besseren Ort fĂŒr seine Enkel zu machen. Und seiner Meinung nach wird Wasserstoff bis 2030 sein Potenzial betrĂ€chtlich ausbauen. Die Bausteine dafĂŒr sind vorhanden. Toyota ist bereits dabei. Selbst ExxonMobil hat sich schon „committed“. Und laut den Öl- und Gasunternehmen ist deren Leitungsinfrastruktur in der Lage, Wasserstoff – neben den anderen Gasen – zu befördern.

Brennstoffzellen werden gĂŒnstiger sein als ein Motor fĂŒr einen Toyota Corolla, erklĂ€rt Strizki, weil sie nicht lĂ€nger Platin benötigen. Und das macht auch den Elektrolyseur billiger – das wichtigste Element, das den elektrischen Strom erzeugt, um Wasser in seine Grundkomponenten Wasserstoff und Sauerstoff zu zerlegen. WĂ€hrend Strizki zuversichtlich ist, dass die Kosten sinken werden, behaupten andere, dass das noch etwas dauern werde und dass die Kosten fĂŒr einen Elektrolyseur von 840 US-Dollar pro Kilowatt auf 420 US-Dollar pro Kilowatt sinken mĂŒssten. Das könnte bis 2040 erfolgen, voraussichtlich aber noch nicht bis 2030.

Doch wie steht es um die Effizienz?

Selbst die leidenschaftlichsten Verfechter von Wasserstoff erkennen an, dass bei der Produktion sowie der Beförderung von Wasserstoff viel Energie verloren geht, nĂ€mlich ganze 70 Prozent. Doch Strizki sagt, all dies sei irrelevant, wenn der Preis fĂŒr Wasserstoff gĂŒnstiger als eine Gallone (ca. 3,8 Liter) Benzin sei und Wasserstoff aus erneuerbaren Energien hergestellt werde, die quasi kostenlos seien.

„Wen interessiert es bei so viel erneuerbarer Energie, ob die Wasserstoffproduktion ineffizient ist?“, erklĂ€rt er. „Kostenlos ist immer noch kostenlos. Wir können Energie angemessen speichern und den Wasserstoff in die vorhandenen Leitungen pumpen – und zwar bis zu 20 Prozent. Das ist die Heilung, nicht die Behandlung. Sobald die Infrastruktur einsatzbereit ist, können wir es uns nicht mehr leisten, weiter Kohlenstoff zu verbrennen.“

Wenn alle Teile vorhanden sind, worauf warten wir dann noch? Strizki macht das starke Eigeninteresse der Wirtschaft verantwortlich fĂŒr den Widerstand. Und er sagt weiter, dass ein Energieversorger heutzutage kein Ölunternehmen mehr sein möchte: Die Entwicklung sei gerade vergleichbar mit der von Festnetztelefonen, Videoverleih oder Kodak-Film. „Möchten Sie in der heutigen Wirtschaft lieber ein Mobilfunkanbieter, Netflix oder ein digitaler Film sein?“, fragt er provozierend.


 Lesen Sie mehr in der aktuellen Ausgabe des HZwei

Autor: Ken Silverstein

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