65. IAA in Frankfurt am Main – Kein Fest der ElektromobilitĂ€t

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18. September 2013

65. IAA in Frankfurt am Main – Kein Fest der ElektromobilitĂ€t

Der e-Golf, der e-up! (r.) und der eco up! (l.) auf dem VW-Messestand

Der e-Golf, der e-up! (r.) und der eco up! (l.) auf dem VW-Messestand


Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung 2013 sollte das Thema ElektromobilitĂ€t wieder neu aufgegriffen werden – aber das war dann doch zuviel versprochen. Auf rund 230.000 Quadratmetern zeigten die insgesamt 1.098 Aussteller den etwa 1 Mio. Besuchern zwar zahlreiche automobile Neuheiten, aber um das Thema E-Mobility ging es dabei nur am Rande. Lediglich BMW und Volkswagen prĂ€sentierten neue, kommerziell erhĂ€ltliche Elektroflitzer.
Richtige „Hingucker“ im Bereich Null-Emissionen-Fahrzeuge gab es auf der diesjĂ€hrigen IAA nur wenige. Trotzdem wurde mit dem geworben, was da war. So wiesen die deutschen Automobilkonzerne und Zulieferunternehmen beim Eröffnungsrundgang von Bundeskanzlerin Angela Merkel insbesondere auf ihre emissionsarmen Hybridfahrzeuge hin: Daimler zeigte den S 500 Plug-in-Hybrid, Porsche den Panamera S E-Hybrid und Audi den Sport Quattro Concept, ebenfalls ein Plug-in-Hybrid, und Schaeffler prĂ€sentierte ein neues 48-Volt-Batteriesystem fĂŒr Elektro- und Hybridfahrzeuge. Dementsprechend erklĂ€rte die Bundeskanzlerin: „Wir alle sind ĂŒberzeugt, dass die ElektromobilitĂ€t eine immer grĂ¶ĂŸere Rolle spielen wird.“ Dass reine Batterie- oder gar Brennstoffzellenautos auf den StĂ€nden meist nur eine Nebenrolle spielten, ging indes unter.
Dies traf allerdings nicht auf Volkswagen zu. In Halle 3 drehte sich auf dem insgesamt 9.000 Quadratmeter großen VW-Stand Ă€ußerst viel um elektrische Antriebe. Im Mittelpunkt stand dabei der e-up!, den die Wolfsburger bereits 2009 erstmalig vorstellten und der ab sofort fĂŒr 26.900 Euro inklusive Lithium-Ionen-Akku (KapazitĂ€t: 18,7 kWh) bestellt werden kann. Dieser elektrifizierte Kleinwagen bringt eine Leistung von 60 kW bei einem Drehmoment von 210 Nm auf die Straße (Reichweite: 160 km, Verbrauch: 11,7 kWh auf 100 km). Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 130 km/h. Vorgestellt wurde auch eine zweite Version als Stadtlieferwagen, der e-load up!.
Der Markteintritt seines erstmals live vorgestellten großen Bruders, der e-Golf, wurde fĂŒr Mitte 2014 angekĂŒndigt. Dieser verfĂŒgt ĂŒber eine Leistung von 85 kW (270 Nm; KapazitĂ€t: 24,2 kWh, Reichweite: 190 km), wodurch er 10 km/h schneller ist als der e-up!, so dass der Verbrauch mit 12,7 kWh auf 100 km geringfĂŒgig höher liegt. Trotzdem bleibt der Ausflug mit Strom immer noch sehr viel gĂŒnstiger als mit Benzin oder Diesel (3,27 Euro fĂŒr 100 km beim aktuellen Stromtarif). Der Kaufpreis fĂŒr den e-Golf könnte bei 35.000 Euro liegen.
Hyundai produziert seinen ix35 Fuel Cell seit Januar 2013 in Kleinserie und eines dieser Modelle war dann auch in Halle 6 zu sehen. Etliche weitere fuhren draußen im Shuttle-Service hin und her. Die ersten beiden Exemplare fĂŒr den Einsatz auf deutschen Straßen wurden im Juli 2013 an die Clean Energy Partnership ĂŒbergeben. Markus Schrick, GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Hyundai Deutschland, kĂŒndigte darĂŒber hinaus an: „20 StĂŒck werden im kommenden Jahr auch in Deutschland zur VerfĂŒgung stehen. Wir sind nicht auf einem Elektrotrip, sondern sehen die Brennstoffzelle als Lösung.“ Die SĂŒdkoreaner haben als Hauptabsatzmarkt Europa definiert, weil hier durch eine strikte Umweltpolitik sowie den geplanten Aufbau eines H2-Tankstellennetzes gute Grundlagen fĂŒr einen Vertrieb gegeben sind.
Toyota stellte erneut in Aussicht, dass im Jahr 2015 das erste Serienfahrzeug in Japan, in den USA und auch in Europa eingefĂŒhrt wird. Obwohl die Entwicklungsarbeiten an der BZ-Technik seit neustem gemeinsam mit BMW (s. BMW kooperiert mit Toyota) erfolgen, soll ein komplett eigenes Auto herauskommen. Nach aktueller Lage wird dies eine viertĂŒrige Stufenhecklimousine sein, die eine Reichweite von gut 500 Kilometern erlaubt. Derzeit geht die FĂŒhrung der Toyota Motor Company (TMC) davon aus, dass ein Preis von weniger als 80.000 Euro erzielbar ist. Die Japaner erklĂ€rten dazu: „TMC bemĂŒht sich, die Kosten weiter zu reduzieren, um das Fahrzeug zu einem erschwinglicheren Preis auf den Markt zu bringen.“ Toyota erwartet weiterhin, dass „in den 2020er Jahren volle Massenmarkt-Kommerzialisierung erzielt wird, und visiert die Produktion von jĂ€hrlich zehntausend Fahrzeugen an“.
Bei Daimler waren reine Batteriefahrzeuge kaum ein Thema. Bei der Presseveranstaltung wurde zwar eine tolle Show mit Live-Band und BalletttĂ€nzerinnen gemacht, aber prĂ€sentiert wurden ausschließlich S-Klasse-Limousinen und GelĂ€ndewagen. Es fiel kein Wort ĂŒber Brennstoffzellenfahrzeuge. Immerhin wurde auf dem Messestand die neue Generation der B-Klasse Electric Drive (Reichweite: 200 km), die ĂŒber Antriebstechnik von Tesla verfĂŒgt und in 2014 zuerst in den USA auf den Markt kommen soll, vorgestellt.
Tesla war zwar ebenfalls auf dem MessegelĂ€nde vertreten, hatte aber zum Auftakt der europĂ€ischen VertriebsaktivitĂ€ten, die in diesem August anliefen, lediglich einen kleinen eigenen Stand hinten rechts in Halle 5 gebucht. Dort standen ganz schlicht zwei Tesla-S-Modelle (Kaufpreis: 71.000 Euro), und auf Nachfrage hieß es ganz knapp, dass erst dann mehr Marketing betrieben wĂŒrde, wenn der Bedarf hinter die Produktionszahlen zurĂŒckfĂ€llt.
Geradezu ernĂŒchternd war wĂ€hrend des ersten Pressetags ein Besuch der Halle 3.1, die offiziell als ElektromobilitĂ€tsareal fungierte. Die Halle war noch nicht einmal halb gefĂŒllt und auch in den GĂ€ngen herrschte Leere, so dass an einem Stand in aller Ruhe im Fernsehen Fußball geschaut wurde. WĂ€hrend der Besuchertage gab es zwar etwas mehr Treiben, aber dennoch war hier deutlich zu sehen, dass Theorie und Praxis nicht zueinander passten: Auf der einen Seite erklĂ€rte Matthias Wissmann, PrĂ€sident des Verbands der Automobilindustrie e. V. (VDA), vollmundig: „Die ElektromobilitĂ€t ist keine Vision mehr, die E-Autos kommen jetzt auf die Straße – als rein batterieelektrisches Auto, als Plug-in-Hybrid, als Range-Extender. Brennstoffzellenfahrzeuge kommen hinzu.“ In der RealitĂ€t sah das dann aber so aus, dass elektromobil interessierte Besucher sehr genau hinsehen und nachfragen mussten, was denn tatsĂ€chlich in diesem Bereich lĂ€uft. Auf dem MessegelĂ€nde fuhren zwar mehrere i3-Autos im Shuttle-Verkehr (Details ĂŒber i3 & i8 folgen etwas spĂ€ter), aber die große angekĂŒndigte E-Offensive war dies noch nicht.
PS: Opel gab zum Anfang der IAA bekannt, dass der Preis fĂŒr den mit einer ReichweitenverlĂ€ngerung versehenen Ampera ab sofort um 7.600 Euro auf 38.300 Euro gesenkt wird. GerĂŒchteweise wird dadurch auch der Preis fĂŒr den Audi A3 e-tron noch etwas gĂŒnstiger (ca. 35.000 Euro).

Quellenangabe:

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1 Kommentar

  1. VW

    Spanender Artikel. Dass lediglich BMW und VW neue, kommerziell erhÀltliche Elektroflitzer prÀsentierten verwundert mich nicht. Ich bin vor allem Fan von VW Wagen.

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