Merkel: Super-Credits erlangen Super-Bedeutung

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7. Juni 2013

Merkel: Super-Credits erlangen Super-Bedeutung

Merkel umringt von Auto-Managern (v.l.): Neumann, Zetsche, Verkehrsminister Ramsauer, Hackenberg, Wissmann, Kagermann

Merkel umringt von Auto-Managern (v.l.): Neumann, Zetsche, Verkehrsminister Ramsauer, Hackenberg, Wissmann, Kagermann


Mit rund 900 Teilnehmern war die Internationale Konferenz ElektromobilitĂ€t bewegt weltweit, die am 27. und 28. Mai 2013 in der Bundeshauptstadt abgehalten wurde, ein medienwirksamer Event. Direkt am Alexanderplatz im Berliner Congress Center bcc erschien die gesamte deutsche Automobilprominenz inklusive zahlreicher hochrangiger Politiker, um auf Einladung der Bundesregierung hin ĂŒber Potentiale und Herausforderungen der ElektromobilitĂ€t zu diskutieren. Auch Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel ließ es sich nicht nehmen, einen Rundgang ĂŒber die begleitende Ausstellung zu machen und ein politisches Statement abzugeben, indem sie sich verbal demonstrativ hinter die ElektromobilitĂ€t und auch die deutsche Automobilindustrie stellte.
Insgesamt gesehen war dieser von der GeschĂ€ftsstelle ElektromobilitĂ€t der Bundesregierung (GGEMO) organisierte Kongress eine gelungene Werbeveranstaltung fĂŒr das Thema ElektromobilitĂ€t: Alle Redner sicherten den Elektroautos ihre volle UnterstĂŒtzung zu. Sie unterstrichen teils mit eindrucksvollen Worten die immense Bedeutung dieser Antriebstechnologie fĂŒr eine zukĂŒnftige MobilitĂ€t. Gleichzeitig kamen allerdings auch kritische Punkte zur Sprache. So wurde offen ĂŒber die VorwĂŒrfe von Greenpeace, die vor dem bcc gegen die Autokonzerne sowie die Politik der Bundesregierung demonstrierten, diskutiert.
Der Höhepunkt der Veranstaltung war der Besuch der Kanzlerin. In ihrer Rede stellte sie zunĂ€chst klar: „Die Bundesregierung steht zu ihrem Wort in Sachen ElektromobilitĂ€t.“ Gleichzeitig sprach sie sich deutlich gegen die GewĂ€hung finanzieller ZuschĂŒsse aus: „Wir haben viel darĂŒber diskutiert und uns dafĂŒr entschieden, dass dies nicht der richtige Weg ist.“ Damit dĂŒrfte dieses Thema bei dieser Regierung endgĂŒltig vom Tisch sein. Merkel favorisiert stattdessen andere Wege der UnterstĂŒtzung und benannte dafĂŒr beispielsweise die Förderung der Schaufenster-Vorhaben, die VerlĂ€ngerung der Steuerbefreiung von E-Autos sowie die Neuregelung der Dienstwagenbesteuerung. Sie ließ dabei keinen Zweifel aufkommen, dass sie die deutsche Automobilindustrie auch bei den EU-Entscheidungen in BrĂŒssel voll unterstĂŒtzen werde, denn „hiervon hĂ€ngt der Wohlstand unseres Landes in erheblichem Maße ab“.
Die Autohersteller nutzten ihrerseits das Forum, um klar und deutliche ihre Forderungen zu formulieren. Dr. Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender von Daimler, sprach gleich an dritter Stelle in der Rednerliste fĂŒr die deutsche Automobilindustrie – und nicht etwa der ebenfalls anwesende Matthias Wissmann, PrĂ€sident des Verbands der Automobilindustrie (VDA) – und forderte in seiner Rede als Erstes eine „konsequente Förderpolitik“. Zetsche brachte zwei konkrete Maßnahmen zur Sprache: Erstens einen Nachteilsausgleich bei der Dienstwagenbesteuerung und zweitens die EinfĂŒhrung von so genannten „Super-Credits“. Er bedauerte zwar, dass die Dienstwagenbesteuerung derzeit noch im Vermittlungsausschuss feststeckt, zeigte sich aber zuversichtlich, dass dies noch geregelt werde.
Die Super-Credits kristallisierten sich wĂ€hrend der Veranstaltung als zentraler Punkt zur Förderung der ElektromobilitĂ€t heraus. Auch Merkel stellte dazu fest: „Dem Wort ‚Super-Credits’ kommt eine Super-Bedeutung zu.“ Inhaltlich schlug sich die Kanzlerin bei diesem Thema ganz auf die Seite der deutschen Automobilindustrie. Diese machte unmissverstĂ€ndlich deutlich, dass eine stĂ€rkere Anrechnung der Super-Credits fĂŒr die Zeit von 2015 bis 2020 einen merklichen Anreiz fĂŒr die Weiterentwicklung von Elektromobilen bilden wĂŒrde.
Außerdem formulierte Zetsche drei konkrete Forderungen: Der Multiplikator, mit dem die Anzahl emissionsarmer Fahrzeuge auf den Flottenverbrauch angerechnet wird, mĂŒsse ĂŒber den Faktor 1,5 hinaus angehoben werden auf einen Wert wie in den USA (Faktor 2) oder China (5). Als zweiten Punkt listete er das so genannte „Banking“ auf, das eine Anrechnung beziehungsweise Sicherung frĂŒhzeitig erzielter Kredite fĂŒr die Zeitperiode 2020-2023 ermögliche. Als Drittes sprach Zetsche die Umstellung der 50-g-Regelung auf eine 50-%-Regelung an. Bisher wurde darĂŒber diskutiert, dass nur die Fahrzeuge als emissionsarm gelten, die weniger als 50 g CO2 pro Kilometer emittieren. Die deutsche Automobilindustrie favorisiert nun aber eine Marke von 50 % verglichen mit konventioneller Antriebstechnologie, damit die Hersteller großer Autos nicht benachteiligt werden.
Erst nach dieser Rede von Zetsche trat der Organisator der Veranstaltung, der NPE-Vorsitzende Prof. Dr. Henning Kagermann, ans Mikrophon. Auch er thematisierte die Super-Credits und betonte: „Es ist wichtig, die Super-Credits bis 2020 weiterzuschreiben, denn dann ist der Marathoneinlauf, nicht 2015.“ Das Konzept der Nationalen Plattform ElektromobilitĂ€t fĂŒr die MarkteinfĂŒhrung von E-Autos umschrieb er folgendermaßen: „Unsere Strategie ist ganz einfach: Erst forschen und entwickeln, dann produzieren und dann in den Markt bringen.“ Im Hinblick auf die andauernde Kritik ĂŒber die derzeit noch wenigen Anmeldungen von E-Autos sagte er: „Momentan interessieren die StĂŒckzahlen noch nicht.“ Er verwies aber darauf, dass insgesamt 16 E-Autos in Deutschland bis 2014 erhĂ€ltlich sein sollen.
Verkehrsminister Dr. Peter Ramsauer sprach sich in der Eröffnungsrede fĂŒr mehr Begeisterung und weniger Skepsis aus und sagte: „Innovative Produkte mĂŒssen aus sich selbst heraus begeistern.“ Auch sein Kollege, Bundeswirtschaftsminister Dr. Philipp Rösler, setzt auf die Akzeptanz sowie die BegeisterungsfĂ€higkeit der Bevölkerung und beteuerte, „ElektromobilitĂ€t steht ganz weit oben und gehört zur Hightec-Strategie der Bundesregierung“, auch wenn nicht so viel Geld vom Energie- und Klimafonds (EKF) zur VerfĂŒgung stĂŒnde, wie ursprĂŒnglich erwartet.
In den anschließenden Diskussionsrunden berichteten prominente Firmenlenker ĂŒber ihre Gedanken zum Thema. So outete sich auch der seit MĂ€rz 2013 als neuer Vorstandsvorsitzender bei der Adam Opel AG agierende Dr. Karl-Thomas Neumann als „BefĂŒrworter des E-Autos“. Er rĂ€umte allerdings ein: „Wir verdienen am Ampera nichts, wir zahlen sogar drauf.“ Der Chef des aktuellen MarktfĂŒhrers (5.300 verkaufte Autos) zeigte sich dennoch zuversichtlich („Ich glaube daran.“) und kĂŒndigte ein Nachfolgemodell an, das gĂŒnstiger als die aktuelle Version sein wird. UnterstĂŒtzung erhielt Neumann von seinem Kollegen Koei Saga, Vorstandsmitglied der Toyota Motor Corp. Der Senior Managing Officer bekannte, dass auch Toyota beim Prius I pro verkauftem Auto eines Verlust gemacht habe, und rief dem Opel-Chef zu: „Da mĂŒssen Sie durch!“
Kritik wurde indessen vor den TĂŒren des bcc laut, wo Greenpeace gegen die aktuelle Politik der Regierungskoalition demonstrierte. Die Umweltaktivisten kritisierten, dass die Bundesregierung Spritschlucker fördere, anstelle das Klima zu schĂŒtzen. Die EinfĂŒhrung von Super-Credits bezeichnete Greenpeace als Rechentrick, mit dem die neuen CO2-Grenzwerte, ĂŒber die derzeit auf EU-Ebene verhandelt wird, aufgeweicht wĂŒrden. Gemeinsam schrieben mehrere UmweltverbĂ€nde in einem offenen Brief an die Kanzlerin sowie die betroffenen Minister: „Die Mehrfachanrechnung besonders sparsamer Fahrzeuge bei der Berechnung des Flottenemissionsdurchschnitts ist aus KlimaschutzgrĂŒnden nicht hinnehmbar. Durch das von Herrn Wissmann geforderte ‚Banking’, das eine spĂ€tere Anrechnung angesparter Super-Credits ermöglicht, potenziert sich die schĂ€dliche Wirkung der Super-Credits nochmals, da dieser Mechanismus die tatsĂ€chliche Erreichung des Grenzwertes von 95 g CO2/km um vier Jahre nach hinten verschieben wĂŒrde.“
Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes betrug der durchschnittliche CO2-Ausstoß aller Pkw in Deutschland im vergangenen Jahr 142 g/km. Bis 2020 muss dieser Wert nach der aktuellen Regelung auf 95 gCO2/km reduziert werden, was nach einhelliger Meinung unter Automobilexperten ohne ElektromobilitĂ€t kaum zu schaffen sein dĂŒrfte. Greenpeace fordert jetzt eine langfristigere Festlegung neuer Grenzwerte bis 2025 auf 60 gCO2/km. Der Umweltausschuss des EU-Parlaments favorisiert demgegenĂŒber bisher einen Zielkorridor von 68 bis 78 g/km bis 2025.

Quellenangabe:

JCB erreicht H2-Meilenstein

Der britische Land- und Baumaschinenhersteller JCB hat im MĂ€rz 2023 die Produktion seines fĂŒnfzigsten H2-Verbrennungsmotors...

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3 Kommentare

  1. Hydrogeit

    Über Brennstoffzellen-Autos wurde nur mal kurz in NebensĂ€tzen geredet. Aber immerhin wurden sie von fast jedem Redner erwĂ€hnt – wenn auch nur am Rande.

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  2. Achim Behrenwaldt

    Von Wasserstoff und Brennstoffzelle sowie Ausbau der Infrastruktur (Tankstellen etc.) war keine Rede ?

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  3. Arno A. Evers

    hehehe der volle WahnSinn.
    Wenn es nicht so TIEF traurig wĂ€re, könnte man darĂŒber Lachen!
    Frau auch!

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