Wasserstoff steht wieder mehr im öffentlichen Interesse

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18. Januar 2012

Wasserstoff steht wieder mehr im öffentlichen Interesse

„Wasserstoff und Brennstoffzellen sind – Gott sei Dank – doch wieder mehr ins öffentliche Interesse gerĂŒckt.“ Mit diesem Ausruf der Erleichterung beschrieb Rainer Bomba, StaatssekretĂ€r im Bundesverkehrsministerium, wĂ€hrend der Vollversammlung des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP, s. S. 8 im Januar-Heft 2012 der HZwei) ganz passend die aktuelle Situation. Reine Batteriefahrzeuge scheinen demgegenĂŒber in technischer Hinsicht momentan doch eher auf der Stelle zu treten. Dr. Christian Mohrdieck, Leiter Antriebsentwicklung fĂŒr Elektrofahrzeuge bei Daimler, stellte denn auch fest: „Die Fortschritte bei der Batterie werden schwieriger.”
Wir erleben also – oh Wunder – nun doch keinen plötzlichen Siegeszug der E-Mobilisten und auch keine Schwemme zahlreicher nagelneuer Elektroflitzer, denn wie bereits prophezien wurde, gab es bei der BatteriespeicherkapazitĂ€t immer noch keinen elementaren Durchbruch. Ende 2011 belegte dies auch eine neue Studie des Centers Automotive Research (CAR) der UniversitĂ€t Duisburg-Essen: Demnach wurden in Deutschland 2011 innerhalb von elf Monaten lediglich 1.800 Elektrofahrzeuge verkauft, nur 101 davon gingen an Privatpersonen. In den Jahren 1996 (264), 1997 (262) und 1998 (209) lag diese Zahl schon mal deutlich höher – ganz ohne Hype.
Ähnlich mager sieht es in den USA und auch in Frankreich aus. In China hingegen besitzen E-Autos bereits einen hohen Stellenwert. Dort signalisierten 14 Prozent der befragten potenziellen E-Autofahrer eine „wahrscheinliche“ oder „sichere“ Kaufbereitschaft. In Deutschland waren es vier Prozent, in den USA zwei Prozent. In Frankreich, wo der Kauf jedes Elektroautos mit 5.000 Euro gefördert wird, war es nur ein Prozent.
Deutschland scheint somit im ElektromobilitĂ€tssektor noch ziemlich weit davon entfernt zu sein, Leitmarkt zu werden. Das sieht im Wasserstoff- und Brennstoffzellensektor schon ganz anders aus. Dort schaut das Ausland zum Teil „grĂŒn vor Neid“ nach Deutschland, wie ein Besuch auf der britischen Insel gezeigt hat (s. S. 16).
Im H2- und BZ-Sektor hat die Bundesrepublik innerhalb der vergangenen Jahre trotz zahlreicher RĂŒckschlĂ€ge ein umfassendes Know-how angesammelt. Mit Hilfe umfangreicher Förderprogramme ist es gelungen, verschiedene prestigetrĂ€chtige Demonstrationsprojekte aufzubauen, die weltweit ihresgleichen suchen. Im Ausland wird dies in Fachkreisen auch durchaus angemessen gewĂŒrdigt, aber im eigenen Land scheint dies kaum jemand zu sehen. Der Großteil der Forschungs- und Entwicklungsarbeit lĂ€uft nun mal immer noch im Verborgenen ab, so dass die potentiellen Kunden zu wenig von den bisherigen Errungenschaften der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnik erfahren.
Dies hat mittlerweile auch die Politik erkannt. StaatssekretĂ€r Bomba (s. auch Interview auf S. 26) forderte deswegen: „In den nĂ€chsten Monaten muss mehr Öffentlichkeitsarbeit gemacht werden, um dieses Thema zu verankern.“
Eine bessere Kommunikationspolitik allein bringt allerdings noch gar nichts. Wenn Deutschland seine Position als Leitanbieter und Leitmarkt im H2- und BZ-Sektor festigen will, muss jetzt – parallel zu einer verstĂ€rkten Öffentlichkeitsarbeit – nach der aktuell noch laufenden Marktvorbereitung auch zĂŒgig die MarkteinfĂŒhrung folgen, so wie es bei der NOW-Mitgliederversammlung angekĂŒndigt wurde (s. S. 8). GesprĂ€che ĂŒber geeignete politische Instrumente wĂŒrden bereits gefĂŒhrt, so heißt es.
Reden allein reicht aber nicht, dies weiß auch Rainer Bomba, der zum Jahresende deswegen deutliche Worte wĂ€hlte. WĂ€hrend der PrĂ€sentation der neuen Wind-Wasserstoff-Plattform performing energy (s. S. 12) rief er den Zuhörern zu: „Unsere BĂŒrger haben die Nase voll von AnkĂŒndigungen. [
] Wir mĂŒssen endlich sehen, dass das, was wir entwickeln, auch umgesetzt wird. [
] Wo es bisher gehapert hat, ist die Vermarktung.“ Erstmals drohte er sogar der Branche: „Wenn hier keine Taten folgen, ist die Politik nicht bereit, in Zukunft noch Gelder bereitzustellen.“
Na, wenn das kein Ansporn ist!

Quellenangabe:

JCB erreicht H2-Meilenstein

Der britische Land- und Baumaschinenhersteller JCB hat im MĂ€rz 2023 die Produktion seines fĂŒnfzigsten H2-Verbrennungsmotors...

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