Modellregionen ElektromobilitÀt werden zu Schaufenstern

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1. Dezember 2011

Modellregionen ElektromobilitÀt werden zu Schaufenstern

Von den acht Modellregionen ElektromobilitĂ€t geht es fast nahtlos ĂŒber zu fĂŒnf Schaufenstern ElektromobilitĂ€t in Deutschland. Um diesen Übergang von einem Förderprogramm zum nĂ€chsten zu erleichtern, wurde die Veranstaltung am 29. und 30. November 2011, die zum Ende des zweijĂ€hrigen Projekts Modellregionen ElektromobilitĂ€t in Berlin stattfand, kurzerhand von „Abschlusskonferenz“ in „Ergebniskonferenz“ umbenannt. Es soll also weitergehen mit dem Thema ElektromobilitĂ€t, auch wenn einige Verantwortliche noch nicht zugeben wollen, dass der bisherige E-Hype bereits an Schwung verliert.
SchĂ€tzungsweise 200 Teilnehmer aus den verschiedenen Modellregionen darunter etliche Vertreter der Landespolitik waren in die Bundeshauptstadt gekommen, um dort entweder ĂŒber Ergebnisse zu berichten oder von diesen zu erfahren. Dabei standen wieder einmal wie schon bei der NOW-Vollversammlung Rainer Bomba und Dr. Klaus Bonhoff im Mittelpunkt des Geschehens und berichteten aus Sicht des Bundesministeriums fĂŒr Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) beziehungsweise aus Sicht der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) ĂŒber das Erreichte.
Allein von den Zahlen her sind die Ergebnisse dieses Förderprojekts beachtlich: 8 Modellregionen mit 220 Einzelprojekten, in die 130 Mio. Euro investiert wurde. Heraus kamen 881 Pkw, 243 Nfz, 59 Busse, ĂŒber 1.200 ZweirĂ€der, fast 1.100 installierte LadesĂ€ulen und mehr als 2,2 Mio. Fahrkilometer. Insbesondere unter der BerĂŒcksichtigung, dass dieses Programm erst 2010 startete, sind in relativ kurzer Zeit bemerkenswert viele Elektrofahrzeuge und eine bedarfsgerechte Infrastruktur auf die Straße gebracht worden. Entsprechend selbstzufrieden zeigten sich die Verantwortlichen in Berlin. Bonhoff konstatierte zwar einerseits: „Wir haben auch erkannt, dass Batterien nicht die Welt retten.“ Gleichzeitig lautete das Fazit des NOW-GeschĂ€ftsfĂŒhrers jedoch: „Ziel erreicht.“
Zu den Zielen gehörte beispielsweise, in verschiedenen Regionen durchaus Ă€hnliche Technologien zu testen, weil mit den vermeintlich gleichen AnsĂ€tzen bei verschiedenenlokalen Voraussetzungen ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht wurden. Neu war die Erkenntnis, dass die Resonanz in lĂ€ndlichen Regionen unerwartet hoch ist. Elektrofahrzeuge sind somit nicht nur als Stadtflitzer gefragt, sondern auch als Pendlerfahrzeug. Ein weiteres Ergebnis war, dass insbesondere die gewerbliche Nutzung schon heute interessant ist. Der Betrieb in Flotten sowie beim Carsharing soll daher forciert werden. Als konkretes Beispiel fĂŒr die Gewerbenutzung erzĂ€hlte Michael Boddenberg, Hessischer Minister fĂŒr Bundesangelegenheiten: „Uns berichtete UPS, dass die Fahrer ihre Routen nicht schaffen, weil sie so oft angesprochen werden. Es ist also eine ungeheure Neugier in der Bevölkerung vorhanden.“
Klaus Bonhoff stellte hinsichtlich der aktuellen Lage fest: „Batterieelektrische MobilitĂ€t ist heute so nicht im Markt vorhanden.“ Um hier Abhilfe zu schaffen, soll 2012 der Markthochlauf in Angriff genommen. Die Bundesregierung stellt dafĂŒr neuerlich 180 Mio. Euro ĂŒber drei Jahre bereit. StaatssekretĂ€r Rainer Bomba ergĂ€nzte: „Wir wollen mit qualitativ guten Produkten auf den Markt kommen, wir wollen aber keine SchnellschĂŒsse.“ Als BegrĂŒndung, warum sich die Regierung jetzt nochmals mit einem Millionenbetrag in diesem Technologiefeld engagiere, sagte er: „ElektromobilitĂ€t wird kommen. Das Thema ist kein kurzfristiger Trend. Wir sind aber noch ziemlich am Anfang und mĂŒssen noch viel tun.“
Deswegen ist die Etablierung von drei bis fĂŒnf Schaufenstern ElektromobilitĂ€t (Bomba: „Eher fĂŒnf.“) geplant. Der Startschuss mit der Bekanntgabe der Förderrichtlinien fiel bereits am 12. Oktober 2011. Bis zum 16. Januar 2012 lĂ€uft die Bewerbungsfrist. Bomba erklĂ€rte: „Wir erwarten mindestens 30 Bewerbungen fĂŒr die Schaufenster, olympiareife Bewerbungen.“ Bereits im Vorfeld brachten sich dafĂŒr die in Frage kommenden Regionen in Stellung. So verkĂŒndete Harry K. Voigtsberger, Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen: „NRW will sich mit 250.000 Fahrzeugen an den 1 Mio. Elektrofahrzeugen bis 2020 beteiligen.“ Auch StaatssekretĂ€r Hartmut Fiedler vom sĂ€chsischen Wirtschaftsministerium beteuerte: „Wir sind fest entschlossen, als Freistaat Sachsen auf dem Zukunftsmarkt der neuen MobilitĂ€t in Deutschland eine fĂŒhrende Stellung einzunehmen.“ Bomba rĂ€umte zwar ein, dass es auch eine Rolle spiele, was die LĂ€nder mit einbringen, wie also die Mitgift ist, noch wichtiger sei aber die Story: „Jetzt muss etwas Besonderes kommen, das Hand und Fuß hat.“
Aber auch die Regionen, die im MĂ€rz 2012 nicht als Schaufenster ausgewĂ€hlt werden, sollen die angeschafften Fahrzeuge inklusive der Infrastruktur weiterhin nutzten können. „Insgesamt“, so hieß es vom BMVBS, „soll die Forschung und Entwicklung fĂŒr ElektromobilitĂ€t nach Auslaufen des Konjunkturpakets II mit einer weiteren Milliarde Euro bis Ende 2013 gefördert werden.“
Auf die Nachfrage von der HZwei-Redaktion, ob die Regierung auf ein abnehmendes Interesse am Thema ElektromobilitĂ€t vorbereitet sei, sagte der BMVBS-StaatssekretĂ€r: „Wir erwarten den RĂŒckgang dieses Hypes nicht. Wenn er am Horizont zu sehen wĂ€re, wĂŒrden wir uns mit aller Kraft dagegen stellen.“ [
] „Wir werden keinen Millimeter weichen.“ Auch Voigtsberger zeigte sich trotz erster Meldungen ĂŒber das Ende des E-MobilitĂ€ts-Hypes optimistisch: „Wir werden in KĂŒrze erste Fahrzeuge haben und dann wird es hier richtig losgehen.“
Weitere Details folgen in der Print-Ausgabe der HZwei im Januar 2012.

Quellenangabe:
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