Aufwind fĂŒr Wind-Wasserstoff-Systeme

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22. November 2011

Aufwind fĂŒr Wind-Wasserstoff-Systeme

Die Aufregung rund um Wind-Wasserstoff und Methanisierung geht weiter. So sprach sich auch Dr. Klaus Töpfer, ehemaliger Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) und Bundesumweltminister a.D., fĂŒr die Umsetzung dieser Technologien aus und nannte sie „extrem bedeutsam“, um die geplante Energiewende umsetzen zu können. Wie Töpfer outen sich immer mehr Unternehmen als AnhĂ€nger dieser Idee, ÜberkapazitĂ€ten der Windkraft zur Wasserstofferzeugung zu nutzen. Nachdem es bereits seit einigen Wochen Mutmaßungen ĂŒber ein Engagement von E.ON in Nord-Deutschland gegeben hatte, verkĂŒndete der Energiekonzern Mitte November 2011 offiziell: E.ON will ab 2013 Windstrom zur Wasserstofferzeugung nord-westlich von Berlin am Autobahndreieck Wittstock einsetzen.
Die neue Pilotanlage des Energieversorgers soll ab FrĂŒhjahr 2012 in der Prignitz entstehen. Konkret geht es dabei um die Errichtung einer Forschungsstation in Falkenhagen. Die Voraussetzungen dafĂŒr sind in dem brandenburgischen StĂ€dtchen optimal: ZunĂ€chst einmal gibt es in der Region jede Menge Windkraftanlagen. Außerdem lĂ€uft ganz in der NĂ€he eine Ferngasleitung entlang. ZusĂ€tzlich betreibt edis, ein Tochterunternehmen von E.ON, in Falkenhagen ein 110-/20-kV-Umspannwerk. Dort will das Essener Unternehmen den Strom fĂŒr die Elektrolyse abzweigen. Mit zwei Megawatt elektrischer Energie sollen stĂŒndlich rund 360 Kubikmeter Wasserstoff erzeugt werden, die dann direkt in das Gasnetz eingespeist werden. Ziel ist zunĂ€chst einmal, grundsĂ€tzlich zu prĂŒfen, ob diese Technik auch fĂŒr die Wasserstofferzeugung in grĂ¶ĂŸerem Maßstab geeignet ist. Dabei steht ein wirtschaftlicher Betrieb ganz oben auf der PrioritĂ€tenliste. Bei positiven Ergebnissen, könnte ein zweiter Bauabschnitt fĂŒr die Umwandlung von Wasserstoff in Methan folgen.
Die Basis eines solchen Verfahrens ist der Sabatier-Prozess, bei dem Wasserstoff gemeinsam mit Kohlendioxid in Methan und Wasser umgewandelt wird. Der Wasserstoff wird dem Elektrolyseur entnommen, das Kohlendioxid kann beispielsweise aus Biogasanlagen kommen. Somit ĂŒberrascht es nicht, dass auch der Biogasspezialist MT-Energie Interesse an diesem Verfahren gefunden und sich mit fĂŒnf Prozent an der SolarFuel GmbH beteiligt hat. Karsten WĂŒnsche, der am 1. Juli 2011 zum GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Zevener Firma bestellt worden ist, erklĂ€rte gleich am ersten Tag in seiner neuen Funktion: „Zwischen den beiden Unternehmen existieren zahlreiche Synergiepotenziale fĂŒr die Zukunft.“ Konkret arbeitet MT-Energie bereits im Rahmen des E-Gas-projects von Audi (s. HZwei-Heft Juli 2011) mit dem Stuttgarter Unternehmen SolarFuel zusammen.
Ein weiterer Mitbewerber in diesem Zusammenhang ist die SunFire GmbH. Das Bremer Unternehmen baut auf Ă€hnliche Verfahrensschritte, beabsichtigt in seinem Prozess aber synthetische Kraftstoffe (Benzin, Diesel, Kerosin) anstelle von synthetischem Erdgas herzustellen. Hier gab es allerdings Komplikationen, weil die Choren Industrie GmbH im Juli 2011 Insolvenz anmelden musste. Choren war aus der im Jahr 1990 von Dr. Bodo Wolf gegrĂŒndeten UET Umwelt- und Energietechnik Freiberg GmbH hervorgegangen. Wolf wirkte entscheidend an der Entwicklung des so genannten CarboVÂź-Verfahrens mit und ist auch bei SunFire der Know-how-TrĂ€ger und Initiator. Wegen dieser personellen VerknĂŒpfungen und des damit verbundenen medialen Interesses sah sich SunFire im September 2011 zu einer Stellungnahme genötigt und erklĂ€rte: „Es besteht keine gesellschaftsrechtliche oder operative Verbindung zwischen Choren Industries GmbH und SunFire GmbH bzw. staxera GmbH.“ SunFire hatte erst im FrĂŒhjahr 2011 den Brennstoffzellenhersteller staxera ĂŒbernommen (s. HZwei-Heft Juli 2011) und befindet sich momentan auf der Suche nach einem passenden Standort, wo ab 2013 eine Testanlage entstehen soll, damit diese dann bis 2016 ihren Betrieb aufnehmen kann.
Ein Pionier im Bereich der Wind-Wasserstoff-Systeme ist die Enertrag AG. Das Brandenburgische Unternehmen startete mit dieser Technik bereits vor mehreren Jahren, somit war es am 25. Oktober 2011 schon dort, wo andere noch hinwollen. Und zwar nahm das Prenzlauer Unternehmen zu diesem Termin sein lange geplantes Wasserstoff-Hybridkraftwerk in der Uckermark nördlich von Berlin in Betrieb. Das Ziel dieses 21-Mio.-Euro-Vorhabens ist, die „Machbarkeit einer sicheren und nachhaltigen Energieversorgung und Energiespeicherung mit einem Mix aus rein erneuerbaren Energiequellen im Praxistest nachzuweisen.“ DafĂŒr wurden in den vergangenen Jahren zunĂ€chst drei Windkraftanlagen sowie eine Biogasanlage vor Ort installiert. Zu der Biogasanlage gehört ein Wasserstoff-Biogas-Blockheizkraftwerk, in dem Gemische aus Wasserstoff und Biogas verbrannt werden und somit Strom sowie WĂ€rme erzeugen. DarĂŒber hinaus wurde in den vergangenen Monaten ein zusĂ€tzliches GebĂ€ude fĂŒr den Elektrolyseur gebaut. Der dort erzeugte Wasserstoff wird an H2-Stationen in Berlin und Hamburg vertankt. Der Brandenburgische MinisterprĂ€sident Matthias Platzeck erklĂ€rte bei der Inbetriebnahme: „Der heutige Tag gibt richtig Aufwind. Mit dieser weltweit ersten Anlage gelingt es, die schwankende Windenergie in eine verlĂ€ssliche GrĂ¶ĂŸe umzuwandeln, damit sie langfristig als planbare Energie fĂŒr Strom, WĂ€rme und MobilitĂ€t eingesetzt werden kann.“

Quellenangabe:

Wasserstoff ist ein Megatrend

Das Thema Wasserstoff hat es in den vergangenen Jahren aus der Nische auf die große politische BĂŒhne geschafft. Nicht nur in...

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1 Kommentar

  1. JĂŒrgen Heinrich

    Sehr geehrter H. Geitmann,
    erneut nehme ich Ihre anregenden BeitrĂ€ge fĂŒr den Einsatz erneuerbarer Energien wahr!
    Ihr Buch Erneuerbare Energien & Alternative Kraftstoffe hat mir schon 2005 viele neue Erkenntnisse fĂŒr den Einsatz dieser Techniken erschlossen. Ich hatte es gelesen, wie andere einen Krimi lesen, obwohl ich SozialpĂ€dagoge bin und insofern fachfremd.
    Da ich dann in dem folgenden Jahr Vorsitzender eines gemeinnĂŒtzigen und förderfĂ€higen Vereins mit dem Namen EnergieTisch LĂŒbeck wurde, machte ich mich ziemlich bald daran, eigene BeitrĂ€ge fĂŒr den Einsatz Erneuerbarer Energien im Dienste der dezentralen Energiebeschaffung fĂŒr unsere Stadt zu schreiben.
    Den wichtigsten Link hierzu finden Sie unter:
    http://www.energietisch-luebeck.de/diverses/erneuerbare_energien_fuer_luebeck.html
    Hier ist besonderes Augenmerk auf die PrÀsentation und die Appelle zur Windkraft zu
    legen, da es der Stadt und dem Energiedienstleister Anregungen fĂŒr den erforderlichen Umbau geben soll.
    Wir haben versucht, das unvollstĂ€ndige Konzept in der Stadt voranzubringen, leider bisher ohne großen Erfolg. Vielleicht werfen Sie einmal einen Blick auf die Überlegungen und sagen uns, ob, und wenn ja, an welcher Stelle wir vielleicht falsch liegen. Es wĂŒrde uns sehr helfen, da wir nicht vorhaben im DrĂ€ngen nach Umsetzung nachzulassen.
    In der Hoffnung auf eine konstruktiv – helfende Stimme durch Sie, verbleibe ich
    in Vertretung fĂŒr den LĂŒbecker Energietisch
    Ihr JĂŒrgen Heinrich

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