Hanseaten fahren fortan mit dem ‚SauberBus’

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17. November 2011

Hanseaten fahren fortan mit dem ‚SauberBus’

Die Clean Energy Partnership (CEP) hat in den vergangenen Monaten weiter an GrĂ¶ĂŸe gewonnen: Am 17. August 2011 erhielt die Hamburger Hochbahn AG insgesamt vier Brennstoffzellenhybridbusse der neusten Generation. Am 5. September ĂŒbergab Mercedes-Benz 20 Elektroautos an Unternehmen sowie Behörden in der Hansestadt, und nur drei Tage spĂ€ter trat Hessen als weitere Versuchsregion der Initiative bei. Zuvor hatte Shell bereits eine neue Wasserstofftankstelle in der Bundeshauptstadt in Betrieb genommen.
Was zunĂ€chst als rein auf Berlin beschrĂ€nktes Testvorhaben begonnen hatte, erstreckt sich mittlerweile bis weit in den Westen der Bundesrepublik. Hamburg ist schon lange als Wasserstoffhauptstadt H2-Hauptstadt Europas gut etabliert, und neben Nordrhein-Westfalen sowie Baden-WĂŒrttemberg werden zukĂŒnftig auch in und um Wiesbaden vermehrt Brennstoffzellenautos umherfahren.
In Bezug auf praktische Erfahrungen im Umgang mit H2-Fahrzeugen ist Hamburg europaweit fĂŒhrend. Nirgends fahren mehr BZ-Modelle durch die Straßen. Nachdem bereits ĂŒber mehrere Jahre hinweg bis zu neun brennstoffzellenbetriebene Busse an Elbe und Alster im Einsatz waren, wurden diese jetzt im Rahmen des mit zehn Millionen Euro geförderten Projektes NaBuZ demo (Nachhaltiges Bussystem der Zukunft) durch neu konzipierte Modelle ersetzt. Insgesamt vier Citaro FuelCELL-Hybridbusse hĂ€ndigte Mercedes-Benz an die Hamburger Verkehrsbetriebe aus. Drei weitere Exemplare sollen im kommenden Jahr folgen. Olaf Scholz, Erster BĂŒrgermeister der freien Handels- und Hansestadt, sagte anlĂ€sslich der FahrzeugĂŒbergabe auf dem Fischmarkt: „Zukunftssichere Antriebssysteme, die ohne fossile Brennstoffe auskommen, sind keine Zukunftsmusik, sondern RealitĂ€t.“
Die so genannten SauberBusse sind mit zwei Radnabenmotoren (je 60 kW) ausgestattet, die ĂŒber einen Hybridantrieb mit Energie versorgt werden. Zur Stromerzeugung und Speicherung stehen zwei 70-kW-Brennstoffzellenmodule zur VerfĂŒgung, die fĂŒr eine Lebensdauer von mindestens sechs Jahren oder 12.000 Betriebsstunden ausgelegt sind. DarĂŒber hinaus sind wassergekĂŒhlte Lithium-Ionen-Batterien (250 kW) installiert, die ĂŒber ein Rekuperationssystem Bremsenergie zurĂŒckgewinnen können. Auf diese Weise soll der Verbrauch gegenĂŒber den VorgĂ€ngermodellen auf die HĂ€lfte (10 bis 14 kg H2 pro 100 km, 7 GH2-Tanks mit insg. 35 kg auf dem Dach) gesenkt werden. Heinrich Klingenberg, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der projektbegleitend aktiven hySolutions GmbH, erklĂ€rte gegenĂŒber HZwei: „Vorher hatten wir konventionelle Busse, in die ein Brennstoffzellensystem eingebaut worden war. Diese neue Generation ist speziell auf die Vorteile der Brennstoffzelle ausgelegt.“
Der Hauptvorstand der Hamburger Hochbahn, GĂŒnter Elste, sagte: „Es ist das Ziel der Hochbahn, ab dem kommenden Jahrzehnt nur noch emissionsfreie Busse mit elektrischem Antrieb anzuschaffen. Die Inbetriebnahme dieser neuen Busgeneration ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg in die ElektromobilitĂ€t.“ Seine Vision ist, dass „die Brennstoffzelle dann mittelfristig den Dieselmotor in den Bussen ersetzen könnte. Wenn dann noch der Wasserstoff aus Windenergie in Schwachlastzeiten produziert wird, haben wir die emissionsfreie MobilitĂ€t der Zukunft erreicht.“
Drei Wochen spĂ€ter wurden 20 weitere Elektrofahrzeuge von dem Stuttgarter Automobilkonzern ĂŒbergeben und zwar Pkw (B-Klasse F-CELL, A-Klasse E-CELL) sowie Transporter (Vito E-CELL, Atego BlueTec Hybrid). Zu den zukĂŒnftigen Testfahrern zĂ€hlen neben nachhaltig engagierten Hamburger Unternehmen auch Wirtschaftssenator Frank Horch sowie Handelskammer-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Prof. Hans-Jörg Schmidt-Trenz. Senator Horch erklĂ€rte: „Die Brennstoffzellen- und Wasserstofftechnologie ist ein fĂŒr den Standort Hamburg ungemein wichtiger technologischer Pfad […]. Auch wir ĂŒbernehmen heute hier ein Brennstoffzellenfahrzeug, das das mittlerweile 25. bei Senat, Behörden, Landesbetrieben oder stĂ€dtischen Unternehmen eingesetzte Elektrofahrzeug ist.“
Als neuer assoziierter Partner stieß am 8. September 2011 Hessen zur CEP dazu. AnlĂ€sslich der Beitrittsfeierlichkeiten kam die Landesumweltministerin Lucia Puttrich nach Wiesbaden, von wo aus Umwelt-StaatssekretĂ€r Mark Weinmeister einen Konvoi von Brennstoffzellenfahrzeugen nach Frankfurt fĂŒhrte. Dort wurde er von der dortigen OberbĂŒrgermeisterin Petra Roth in Empfang genommen.
Hessen plant zunĂ€chst bis zum Ende der CEP-Laufzeit im Jahr 2016 verschiedene Energietechnologieprojekte zum Ausbau der H2-Infrastruktur und zur Erprobung der BZ-Technik im Rhein-Main-Gebiet. So ist beispielsweise geplant, zunĂ€chst 20 Brennstoffzellenautos von drei verschiedenen Herstellern zu testen. Das Umweltministerium wird eines davon ĂŒber einen Zeitraum von drei Jahren nutzen. Außerdem soll zusĂ€tzlich zu der ersten öffentlichen Wasserstoffstation in Höchst bei Infraserv eine weitere Tankstelle in Frankfurt am Main errichtet werden. NOW-Chef Klaus Bonhoff fasste diese Entwicklung kurz zusammen mit den Worten: „Die CEP wĂ€chst.“
Bereits am 20. Juni 2011 hatte die Shell Deutschland Oil GmbH ihre deutschlandweit erste H2-Demonstrationsanlage am Sachsendamm in Berlin-Schöneberg eröffnet. Zur Einweihung nahmen der CEP-Vorsitzende Patrick Schnell, Dirk Inger vom Bundesverkehrsministerium, NOW-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Dr. Klaus Bonhoff sowie Dr. Peter Blauwhoff, Vorsitzender der GeschĂ€ftsfĂŒhrung von Shell Deutschland, die erste offizielle Betankung vor. FĂŒr die Bundeshauptstadt ist dies die dritte fest bei einer konventionellen Tankstelle installierte H2-BefĂŒllungsstation. Sie verfĂŒgt ĂŒber eine ausreichende KapazitĂ€t fĂŒr rund 250 mögliche Betankungen am Tag. ZunĂ€chst wird sie jedoch vorwiegend fĂŒr Demonstrations- und Forschungszwecke mit vorerst einem Dutzend BefĂŒllungen pro Tag eingesetzt. Der von Linde zur VerfĂŒgung gestellte Wasserstoff ist grĂŒn zertifiziert, ursprĂŒnglich stammt er jedoch aus der Linde-Pilotanlage in Leuna, die auf Basis von Rohglycerin arbeitet.
GegenĂŒber der Autogazette erklĂ€rte Patrick Schnell: „Das Thema Wasserstoffantrieb wird in Zukunft wieder an Fahrt aufnehmen.“ Ab 2015 rechnet er mit dem Einsatz von BZ-Serienfahrzeugen: „2016 wird der Wettbewerb einsetzen mit den ĂŒblichen Streitereien zwischen Automobilherstellern und Kraftstoffanbietern. Der Tod der CEP ist also vorprogrammiert. Aber wenn das passieren wĂŒrde, wĂ€re es ein schöner Tod.“

Quellenangabe:

JCB erreicht H2-Meilenstein

Der britische Land- und Baumaschinenhersteller JCB hat im MĂ€rz 2023 die Produktion seines fĂŒnfzigsten H2-Verbrennungsmotors...

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1 Kommentar

  1. Arno A. Evers

    ..wie schön. Ich bin gerĂŒhrt.
    Wieviele konventionelle Busse hat denn die Hamburger Hochbahn AG in ihrem Fuhrpark?

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