Offener Brief an Greenpeace

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28. Februar 2011

Offener Brief an Greenpeace

Hallo liebe Naturfreunde,
seit langer Zeit bin ich Fördermitglied und Bewunderer von Greenpeace.
Am 18. Februar stand wieder die offizielle Meinung von Greenpeace im HH-Abendblatt bezĂŒglich ElektromobilitĂ€t. Ich bin traurig darĂŒber, dass Sie wiederholt diese ablehnende Meinung vertreten.
Jedoch, Sie haben Recht. Mit dem Deutschen Strommix stoßen die meisten E-Autos „jetzt“ mehr CO2 aus. Sie haben auch Recht, dass im Verbrennungsmotor noch viel Potenzial steckt. Aber leider fassen Sie die falschen SchlĂŒsse daraus. Der Verbrennungsmotor wird immer CO2 ausstoßen, auch noch in 30 Jahren, auch wenn wir bereits 100 % regenerativen Strom haben. In wenigen Jahren wird regenerativer Strom gĂŒnstiger produziert werden als konventioneller. Genau dann muss das E-Auto da sein. Das Reduktionspotential ist dann unendlich höher als bei jedem Verbrennungsmotor. Wenn Sie das E-Auto jetzt verteufeln, wird es nicht rechtzeitig zur VerfĂŒgung stehen. Behindern Sie bitte nicht die Entwicklung und Motivation, auch wenn sie erst in einigen Jahren die FrĂŒchte bringen wird. Die Wende kommt schneller als Sie denken.
Zudem ist der Wandel des Energiesektors auf jeden Fall notwendig und unumkehrbar. Bitte legen Sie vor allem Wert auf die Speicherung von Strom (durch H2, CH4, Redox-Flow, WĂ€rme, KĂ€lte, …). Denn so werden die fluktuierenden regenerativen Stromquellen berechenbar und voll nutzbar. Dabei hilft auch das E-Auto ein wenig. Das sind Synergien, die fossile Energien nie haben können. Die VerfĂŒgbarkeit der Stromspeicherung bestimmt das Ausmaß der Regenerativen. Die fluktuierenden Energien plus Speicherung sind die Lösung. Allein diese Kombination kann schnell die altgedienten Monster ersetzen.
Desertec, was Greenpeace auch befĂŒrwortet, ist eine Totgeburt, ebenso wie CCS. (In 10 Jahren wird niemand mehr so dumm sein, Kohlekraftwerke zu bauen. Auch nicht in China. Sogar der Betrieb der Schwarzen Schleudern wird unrentabel werden.) Beide Technologien kommen zu spĂ€t. Beide Technologien sollen von Konzernen umgesetzt werden. Beide Projekte werden Zentralismus zementieren. Beide Projekte werden Gewinne aus der Gesellschaft abziehen und auf wenige Konzerne konzentrieren.
Besonders Desertec wird neue AbhÀngigkeiten schaffen. Insbesondere in Afrika wird es ein neuer Kolonialismus werden (= AbhÀngigkeit).
Das alles fĂŒr lĂ€ppische 15 % Strom in der EU. Unverantwortlich!
Die Dezentralisierung der Stromerzeugung wird das verhindern. Sei es durch Solarzellen, SolarwĂ€rme, Biogas mit BHKWs, Wind, Wasser, Isolierprogramme im Wohnungsbau oder sonst etwas. Auch dies ist unausweichlich und muss daher – aus Sicht der EVU – möglichst lange verhindert werden.
Die EVU haben das schon realisiert und sind im Hintergrund sehr rege – und erfolgreich, siehe „Atomausstieg“, siehe immer schĂ€rfere Auflagen fĂŒr Wind- und Solarenergie (SDL-Bonus), Höhenbegrenzungen fĂŒr WEA, siehe ungerechtfertigte Strompreiserhöhungen und Schwarzer-Peter-zuschieben auf die Solarzellen, siehe steigende Gewinne, das letzte AufbĂ€umen bzw. AbrĂ€umen.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig deutlich machen, wohin die Zukunft gehen muss.
Mit freundlichen GrĂŒĂŸen
Michael Artmann

Quellenangabe:
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2 Kommentare

  1. GĂŒnter Siegmund

    Hallo Sven,
    wer ist denn Herr Artmann, den möchte ich gerne einmal kennenlernen. ER ist bestimmt auf der Hannover Messe. Seinen Brief finde ich nicht nur weitsichtig, sondern auch großartig formuliert. Vielleicht kannst Du uns einmal bekannt machen…
    Beste GrĂŒĂŸe
    GĂŒnter Siegmund

    Antworten
  2. JĂŒrgen HĂŒpohl

    In diesem Fall verstehe ich Greenpeace auch nicht. Wie stellen die sich denn die MobilitĂ€t der Zukunft vor? Sich auf irgendwelche Studien zu berufen, die davon ausgehen, dass fĂŒr 2020 eMobilitĂ€t irrelevant ist, scheint mir zu einfach. NatĂŒrlich sollten die OEM der Fahrzeugbauindustrie auch bei den herkömmlichen Fahrzeugen anfangen, aber hĂ€tten sie es nicht lĂ€ngst machen mĂŒssen/können? Passiert doch kaum etwas, weil von oben auch nicht gewollt. Schönen Gruß an alle Lobbyisten. Wer aber gleichzeitig eMobilitĂ€t nahezu komplett verteufelt, u.a. weil der Einsatz fossiler EnergietrĂ€ger zur Stromgewinnung kontraproduktiv ist, der blockiert aus meiner Sicht unnötig. UmweltschĂŒtzer tĂ€ten gut daran, wenn sie ihre ablehnende Haltung ĂŒberdenken wĂŒrden. NatĂŒrlich sind Elektroautos nur sinnig, wenn Strom aus Erneuerbaren kommt, aber deswegen gegen einen E-Smart zu demonstrieren, ist wie ein Eigentor beim Fußball: der Schuss geht nach hinten los und der Gegner lacht sich ins FĂ€ustchen.
    JĂŒrgen HĂŒpohl

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