Hzwei Blogbeitrag

Beitrag von Sven Jösting

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4. April 2024

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Titelbild: Handschlag von Seifi Ghasemi, CEO von Air Products, und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck im November 2022

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Bildquelle: Air Products
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Gasehersteller sind die Gewinner des H2-Hochlaufs

Die großen internationalen Gasekonzerne wie Linde, Air Liquide und Air Products sind seit jeher im Bereich Wasserstoff aktiv, bisher allerdings mit dem industriell nachgefragten „grauen“ Wasserstoff auf Erdgasbasis. Darüber hinaus ist das Wasserstoffmolekül für viele Derivate und chemische Verbindungen essentiell. Nun geht es zunehmend in Richtung grünen, also regenerativ erzeugten Wasserstoff. Und auch und gerade hier positionieren sich die drei genannten Unternehmen, indem sie weltweit sehr große Elektrolyse-Produktionskapazitäten aufbauen und strategische Allianzen in solchen Ländern eingehen, die dafür geradezu ideal sind, weil dort die Rahmenbedingungen (hohe Sonneneinstrahlung, Wind- und Wasserkraft und Wasser, vor allem Meerwasser) perfekter nicht sein könnten.

Dort wird vor allem auch auf den blauen Wasserstoff gesetzt, der über Erdgasreformierung kostengünstig hergestellt werden kann und der durch Speicherung (CCS & CCUS), aber auch durch industrielle Nutzung des Kohlenstoffs einen geringeren CO2-Fußabdruck hat. Hinzu kommt das sehr gewichtige Argument, dass man zusätzlich von diversen Förderprogrammen profitiert, sei es in der EU oder auch in den USA mit dem Inflation Reduction Act.

An der Börse sind diese glänzenden Aussichten zum Teil schon in die Kursentwicklung und Bewertung eingeflossen, aber es gibt doch Unterschiede, die es zu nutzen gilt, denn Air Products & Chemicals hat den Run im Gegensatz zu Air Liquide und Linde noch nicht richtig mitgemacht. Daher die Empfehlung, auf den Nachzügler zu setzen:

Unternehmen         Börsenbewertung                      Umsatz                 KGV 24        Dividendenrendite
Linde                         185 Mrd. US-$                         36 Mrd. US-$            37                    0,9 Prozent
Air Liquide                  99 Mrd. US-$                         33 Mrd. US-$            33                   1,8 Prozent
Air Products               52 Mrd. US-$                         12,7 Mrd. US-$         24                   3,0 Prozent

Air Products & Chemicals

Das Unternehmen setzt stark auf Wasserstoff und Ammoniak, um mit Letzterem den Langstreckenverkehr zu bedienen. In Hamburg hat man sich mit dem weltweit aktiven Mineralöl- und Chemiehandelsunternehmen Mabanaft (Tochter der Marquardt & Bahls-Gruppe, die weltweit Lagerhaltung für Mineralölprodukte aller Art, darunter Kerosin für Flugzeuge, und ein eigenes Tankstellennetz betreibt) zusammengetan und plant mit einer Investition von über einer Milliarde Euro eine Ammoniakverarbeitungsanlage (Cracking) im Hamburger Hafen. Doch zunächst geht es um den blauen Wasserstoff, der seinen Weg nach Europa finden soll, und zwar aus Ländern wie Saudi-Arabien, wo man gemeinsam am Projekt Neom Green Hydrogen arbeitet und wo Air Products & Chemicals ein Auftragsvolumen von 6,7 Mrd. US-$ an Land ziehen konnte.

Ein Blick auf die Charts zeigt, dass Air Products & Chemicals nicht weit von den Tiefstständen des letzten Jahres entfernt ist, während Linde und Air Liquide neue Höchststände erreicht haben. Als Gruppe werden diese Aktien ihren Weg fortsetzen, aber als Nachzügler erscheint die Aktie von Air Products & Chemicals am günstigsten bewertet. Zuletzt wurde die Quartalsdividende auf 1,77 US-$/Aktie erhöht. Erstes Kursziel: 300 US-$.

Risikohinweis

Jeder Anleger sollte sich bei der Investition in Aktien immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bewusst sein und auch an eine sinnvolle Risikostreuung denken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien stammen aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, das heißt, es handelt sich nicht um Standardwerte, und auch die Volatilität ist deutlich höher. Diese Analyse stellt keine Kaufempfehlung dar. Alle Informationen basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen hinsichtlich der Bewertung ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, wobei der Fokus auf einer mittel- bis langfristigen Bewertung und nicht auf kurzfristigen Gewinnen liegt. Die hier vorgestellten Aktien können im Besitz des Autors sein. Es handelt sich nicht um eine Anlage- oder Kaufempfehlung, sondern lediglich um eine unverbindliche persönliche Einschätzung – ohne Obligo.

Autor: Sven Jösting, verfasst am 15. März 2024

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