15 Milliarden Euro fĂŒr die Uckermark

Bildtitel: PCK Raffinerie in Schwedt
Autor: Sven Geitmann
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14. Juli 2023

15 Milliarden Euro fĂŒr die Uckermark

PCK und Enertrag starten HyPE+-Projekt

Es gibt erste konkrete PlĂ€ne fĂŒr die Zukunft der PCK in Schwedt. Am 8. Mai 2023 haben Enertrag und die PCK Raffinerie GmbH eine Machbarkeitsstudie vorgestellt, die eine Vorstellung davon erlaubt, was an dem ostdeutschen Raffineriestandort bis 2045 passieren soll. Demnach könnte dort eine umfangreiche Wasserstoffinfrastruktur aufgebaut werden, was Investitionen in Höhe von 15 Mrd. Euro nach sich ziehen wĂŒrde.

Sowohl die GeschĂ€ftsfĂŒhrer beider Unternehmen als auch der brandenburgische Wirtschaftsminister Prof. Jörg Steinbach waren extra in die Retortenstadt, die rein optisch immer noch stark an sozialistische Zeiten erinnert, gekommen. Gemeinsam stellten sie ihr HyPE+ genanntes Projekt vor, das zum Ziel hat, den Standort parallel zum weiterlaufenden Öl- und Gasbetrieb fit fĂŒr die Zukunft zu machen. DafĂŒr hatte sich zuvor ein 15-köpfiges Projektteam acht Monate intensiv mit sechs verschiedenen Arbeitspaketen auseinandergesetzt.

PCK-Vorstandsvorsitzender Ralf Schairer erlĂ€uterte, wie „Wertschöpfung regional geschaffen“ werden könne. Demnach soll die Raffinerie Schwedt spĂ€ter mal Wasserstoff per Pipeline aus der Region beziehen. Zudem soll aber auch vor Ort Wasserstoff in nennenswerter GrĂ¶ĂŸenordnung selbst produziert und vertrieben beziehungsweise in synthetische Kraftstoffe oder hochwertige chemische Produkte weiterverarbeitet werden. Perspektivisch könnten bis Ende 2027 mehr als 30.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr hergestellt werden.

„Wir sehen hier ein Zentrum fĂŒr eine grĂŒne Transformation.“

Dr. Gunar Hering, Enertrag-Vorstandsvorsitzender

DafĂŒr sind zunĂ€chst 32 MW Elektrolyseleistung von Siemens Energy eingeplant (s. HZwei-Heft Apr. 2023), die bis 2027 auf 300 bis 400 MW erweitert werden sollen. Bis 2030 könnte die H2-Produktionsmenge dann bis auf 160.000 t pro Jahr anwachsen, was circa 20 Prozent (ca. 1 GW) der in der nationalen Wasserstoffstrategie vorgesehenen Elektrolyseleistung entsprĂ€che. Auf diese Weise könnten jĂ€hrlich 2 Mio. t Flugkraftstoff, Methanol und High-Value-Chemicals, 1 Mio. t Biokraftstoffe sowie grĂŒne WĂ€rme fĂŒr die Stadt Schwedt bereitgestellt werden. Das Investitionsvolumen dafĂŒr könnte sich in der Region auf rund 15 Mrd. Euro belaufen.

Ein Knackpunkt sei allerdings, so Schairer, dass sich voraussichtlich die Gesamtmenge der umgesetzten flĂŒssigen Kraftstoffe von 11 Mio. t auf 3 Mio. t pro Jahr reduzieren werde. Dies habe ihn zunĂ€chst sehr nachdenklich gestimmt. Er erlĂ€uterte jedoch: „Von den 11 Mio. t erfolgen nur 20 Prozent der Wertschöpfung in Schwedt. Bei den 3 Mio. t findet hier 100 Prozent der Wertschöpfung statt. Die Euros bleiben also in der Region.“

An die rund 1.200 PCK-Mitarbeitenden gerichtet sagte Ralf Schairer beruhigend: „Wir werden noch viele Jahre Rohöl verarbeiten. Wir reden ĂŒber eine Umstellung ĂŒber zwei Dekaden.“

PCK-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Harry Gnorski ergĂ€nzte: „Wir sind regional der grĂ¶ĂŸte Produzent von Wasserstoff, noch ist der allerdings grau.“ Damit dieser grĂŒn werde, hoffe er auf die Ansiedlung von Industrieunternehmen in der Region. Wie groß das Wachstumspotential im Nordosten der Bundesrepublik ist, verdeutlicht die Entwicklung von Enertrag, das derzeit 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschĂ€ftigt, bis 2028 aber schon mit 2.000 rechnet. Dementsprechend stellte der per Video zugeschaltete parlamentarische StaatssekretĂ€r beim Bundesminister fĂŒr Wirtschaft und Klimaschutz Michael Kellner fest: „PCK und Enertrag sind die beiden wichtigsten Unternehmen in der Uckermark.“

Weniger Wasser vonnöten

Hinsichtlich des Wasserbedarfs in der Region erklĂ€rte Projektkoordinator Dr. Tobias Bischof-Niemz auf HZwei-Nachfrage: „Dieser wird sich deutlich reduzieren.“ Bislang verfĂŒge die PCK ĂŒber Wasserrechte fĂŒr 20 Mio. t jĂ€hrlich. Pro Gigawatt installierter Elektrolyseleistung wĂŒrden etwa 1 Mio. t Wasser jĂ€hrlich benötigt. WĂŒrden perspektivisch 5 GW in der Region installiert, lĂ€ge der Wasserbedarf mit 5 Mio. t bei einem Viertel des bisherigen Bedarfs.

ECK statt PCK

Im Anschluss an die gemeinsame Pressekonferenz diskutierten die Herrschaften mit der BĂŒrgermeisterin von Schwedt Annekathrin Hoppe sowie den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern ĂŒber die Machbarkeitsstudie im Rahmen des Formats „Zukunft jetzt!“. Steinbach rief dort mit einem Augenzwinkern dazu auf, eine Kampagne zur Umbenennung der PCK in ECK zu starten, um damit zu symbolisieren, dass es in Schwedt nicht lĂ€nger vorrangig um Petrochemie gehe, sondern dort ein Erneuerbare-Energien-Chemie-Kraftstoff-Verbund aufgebaut wird, wo e-Fuels und e-Chemikalien produziert wĂŒrden.

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