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Beitrag von Sven Geitmann

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30. Januar 2023

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Schnellerer Ausbau der erneuerbaren Energien

Wasserstoff ist kein Selbstzweck, sondern ein wichtiger Baustein für die klimafreundliche Transformation. Absolute Voraussetzung für eine solche ist der zusätzliche Ausbau der erneuerbaren Energien. Dieser steht für Europa mit der darüber getroffenen Entscheidung des europäischen Parlaments zurzeit auf der Kippe.

Für die klimafreundliche Transformation ist grüner Wasserstoff ein wesentlicher Faktor. Er ermöglicht es, einige Industrieanwendungen und Teile des Verkehrssektors zu defossilisieren bzw. zu dekarbonisieren. Aber: Um grünen Wasserstoff herstellen zu können, ist ein zusätzlicher und schnellerer Ausbau der erneuerbaren Energien zwingend erforderlich. Einen entsprechenden, von der EU-Kommission im Mai 2022 vorgelegten Vorschlag wies das EU-Parlament allerdings zurück. Ob es die so dringend für die Wasserstoffproduktion nötigen zusätzlichen erneuerbaren Energien also geben wird, ist damit vorerst fraglich.

Sollten keine zusätzlichen erneuerbaren Energien geschaffen werden, müssten die bereits existierenden dem Stromsektor entzogen werden. Dadurch würde einerseits die Gesamtenergieeffizienz geringer, da die Umwandlung von Strom in Wasserstoff mit Wirkungsgradverlusten verbunden ist. Andererseits müssten die für die Wasserstoffproduktion verwendeten Strommengen im Stromsektor teilweise durch fossile Energien ersetzt werden, was wiederum einer CO2-Reduktion und somit den gesetzlich festgelegten Klimazielen zuwiderliefe.

In der aktuellen Lage und vor dem Hintergrund der fossilen Energiekrise infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine ist es geboten, keine fossilen Strukturen zu fördern, die nicht zwingend zur Versorgungssicherheit benötigt werden.

Auch die Wasserstoffwirtschaft muss vor dem Hintergrund des energiepolitischen Dreiklangs von Wohlstand, Energiesicherheit und Klimaschutz betrachtet werden. Diesen Dreiklang gilt es intelligent zu gestalten. Die Wasserstoffwirtschaft bietet hierfür durchaus Potenzial als teils einzige Dekarbonisierungs- und Defossilisierungsoption für einige wichtige Anwendungen im Industrie- und Verkehrsbereich. So bietet sie etwa immense Möglichkeiten als Speicher- und Flexibilisierungsoption für den Stromsektor und als Ersatz des CO2-intensiven Hochofenprozesses in der Stahlindustrie. Darüber hinaus können eine Vielzahl an Arbeitsplätzen und Exportmöglichkeiten für saubere Technologien entstehen.

Um Planungs- und Investitionssicherheit gewährleisten zu können, sind Produzenten von Wasserstoff und seinen Derivaten auf einen festen Fahrplan angewiesen, um Fehlinvestitionen zu vermeiden. Ein flexibler Einsatz der Elektrolyseure kann sicherstellen, dass Wasserstoff mit geringen Emissionen und zu geringen Kosten hergestellt wird. Bestandsschutzregelungen – mit Ausnahmefristen für kurzfristig gebaute Anlagen sowie sinnvollen Einstiegspfaden in die Regelungen für zusätzliche erneuerbare Energien – könnten hierbei einen schnellen Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft mit einer langfristigen Planbarkeit kombinieren.

Sollte das EU-Parlament indes eine Lockerung der Regeln zur Wasserstoffproduktion beschließen, könnte das die Strompreise und damit auch die Produktionskosten von Wasserstoff weiter in die Höhe treiben. Denn: Die entstehende Stromlücke müsste dann durch teure Gaskraftwerke gedeckt werden, womit sich auch die Kosten von erneuerbar hergestelltem Wasserstoff erhöhen würden.

Über die Kriterien zum Strombezug hinaus müssen auch weitere Nachhaltigkeitskriterien aufgestellt werden – und zwar global. Wir haben jetzt die Chance, eine globale Wasserstoffwirtschaft zu gestalten und zu etablieren, die lokal und international zur Erreichung der Klimaziele und der nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals; SDGs) beiträgt, Wertschöpfung in allen Partnerländern schafft und internationale Beziehungen stärkt. Dabei kommt es darauf an, dass die EU mit allen relevanten Akteuren in den Partnerländern zusammenarbeitet, um die jeweiligen Interessen bestmöglich miteinander zu vereinen.

Wir brauchen Klimaschutz, um langfristig unsere Wirtschaft zu sichern. Oder plakativ gesagt: Auf einem Rhein ohne Wasser werden wir Güter nicht effizient transportieren können. Wir dürfen eines nicht vergessen: Klimaschutz heute ist immer günstiger als Klimaschutz morgen. Daher sollten wir jetzt so schnell wie möglich ernsthafte Klimaschutzmaßnahmen umsetzen. Wir brauchen ein schnelles Hochfahren der Wasserstoffwirtschaft zur Erreichung der Klimaziele – dafür sollten wir insbesondere den Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigen und erweitern.

Autorin: Ulrike Hinz
WWF Deutschland, Berlin
ulrike.hinz@wwf.de

Kategorien: 2023 | Allgemein
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