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Beitrag von Sven Geitmann

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27. Januar 2023

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Hamburg etabliert sich als Drehscheibe fĂŒr Wasserstoff

Wind-Wasserstoff – dieser Begriff kursiert schon seit Jahren in der Energiebranche, aber in der Vergangenheit stand er mehr für eine Vision als für die Realität. Lediglich vereinzelt wurde in Demonstrationsprojekten die grundsätzliche Praktikabilität der Erzeugung von Wasserstoff mithilfe von Windenergie erprobt. 2022 ist das Jahr, das für den Beginn eines Wind-Wasserstoff-Zeitalters stehen könnte. Realität geworden ist zwar auch bis heute noch nicht viel, aber die Investitions- und Bauvorhaben sind inzwischen so vielfältig und so konkret, dass klar sein dürfte: Wind-Wasserstoff kommt. Exemplarisch haben dies die WindEnergy und die H2Expo, die gemeinsam vom 27. bis zu 30. September in Hamburg stattgefunden haben, gezeigt.

Nach vier Jahren Pause fand die WindEnergy wieder live auf dem Messegelände der Hansestadt statt. 2020 hatte es pandemiebedingt lediglich eine digitale Version gegeben. Rückblickend sagte Bernd Aufderheide, Präsident der Hamburg Messe und Congress, angesichts der seitdem deutlich veränderten politischen Lage: „Wir leben mittlerweile wirklich in einer anderen Welt.“

Insgesamt kamen rund 30.000 Besucher:innen nach Hamburg. Die Hallen waren mit etwa 1.400 Ausstellern gut gefüllt, die Stimmung war ausgezeichnet, insbesondere bei den abendlichen Standpartys. Entsprechend zuversichtlich kündigte Aufderheide an, dass die H2Expo and Conference ab 2023 eine Stand-alone-Messe sein wird, es also die Verbund-Variante mit der WindEnergy nur noch alle zwei Jahre geben wird.

„Wir brauchen Impulse und Perspektiven für den schnellstmöglichen Ausbau der Wind- und Wasserstoffwirtschaft. […] It’s time to put climate first.“

Bernd Aufderheide, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Messe und Congress

Habeck eröffnet WindEnergy

Als Stargast war Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck zur Eröffnung der Messe eingeladen worden. Dass er angesichts der brisanten aktuellen politischen Situation mit dem Koalitionsstreit um die Gaspauschale auch tatsächlich persönlich erschien, kann als deutliches Signal gewertet werden, wie wichtig ihm diese Branche ist.

Dementsprechend betonte er in seiner Keynote-Rede ausdrücklich die zentrale Bedeutung sowohl von Windkraft als Stromlieferant als auch von Wasserstoff als Energiespeicher. Er verstehe nicht, warum sich einige Bundesländer nach wie vor hinter einer 10H-Regelung versteckten und den geforderten Ausbauzielen nicht nachkämen. Habeck sagte: „Es ist nicht die Zeit für business as usual. Wenn die Arbeit an der Basis nicht gemacht wird, werden wir versagen.“

Gleichzeitig kündigte er an, dass die Nationale Wasserstoffstrategie (NWS) noch vor dem Jahresende überarbeitet werde. Und er wies mit Blick auf die genehmigten IPCEI-Projekte darauf hin, dass der Ramp-up bereits stattfinde. „Der Markthochlauf wird sehr viel schneller erfolgen als erwartet“, so der Bundeswirtschaftsminister.

Regionale und internationale Bedeutung der H2Expo

Die H2Expo & Conference, die in dieser Form und nach den Worten von Aufderheide zum ersten Mal stattfand, belegte mit ihren 60 Ausstellern alleine die Halle A2. In deren Zentrum wurden im Rahmen der H2-Conference über die vier Tage verteilt verschiedenste Vorträge und Podiumsdiskussionen abgehalten – kostenlos und für alle Teilnehmenden frei zugänglich, wodurch sich die vergleichsweise hohen Messe-Eintrittsgebühren dann doch für viele Besucher:innen rechneten.

Inhaltlich ging es unter anderem um Produktion, Transport und Nutzung von Wasserstoff an Land und auf See, um die globalen Wertschöpfungsketten sowie um den flächendeckenden Ausbau der lokalen Infrastruktur und Richtlinien zur Harmonisierung internationaler Normen. Neben regionalen Projekten wurden auch internationale Vorhaben in den Fokus genommen.

So hatte im Vorfeld Aivars Starikovs, der Vorstandsvorsitzende der Lettischen Wasserstoffvereinigung, erklärt: „Perspektivisch können alle drei baltischen Staaten zu Schlüssellieferanten von grünem Wasserstoff für die EU-Industrie werden. Zusammen können Estland, Lettland und Litauen 831 TWh erneuerbaren Stroms für die Produktion von grünem Wasserstoff liefern – das entspricht mindestens 16 Mio. t pro Jahr.“ Diese Leistung sei jedoch nur durch eine enge Zusammenarbeit auf politischer und industrieller Ebene zu erreichen. Starikovs betonte dabei explizit die Bedeutung der Hansestadt für die Wasserstoffwirtschaft: „Die H2Expo & Conference kann die wichtige Aufgabe erfüllen, Brücken zwischen Nord- und Osteuropa zu bauen, um so den wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen gemeinsam und gestärkt zu begegnen.“

Nationale und internationale Erklärungen

Die Windbranche nutzte die WindEnergy als Plattform, um gezielte Forderungen an die Politik zu richten. In der „Hamburger Erklärung“ bezogen führende Verbände der Windindustrie (Global Wind Energy Councils, WindEurope, WindEnergie, VDMA Power Systems, Renewable Hydrogen Coalition) Stellung zur aktuellen Energie- und Klimakrise und formulierten ihre Wünsche dahingehend, welche energiepolitischen Entscheidungen aus ihrer Sicht dringend gefällt werden müssten.

Zudem unterzeichnete das Norddeutsche Wasserstoffnetzwerk einen Vertrag zur überregionalen Zusammenarbeit, um den Markthochlauf der Wasserstoffwirtschaft sowie die Umsetzung der Norddeutschen Wasserstoffstrategie zu unterstützen. Neben der Erneuerbare Energien Hamburg Clusteragentur (EEHH) sowie der Netzwerkagentur Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein EE.SH (EE.SH) und dem Wasserstoffenergiecluster Mecklenburg-Vorpommern (WECMV) beteiligen sich daran auch das WindEnergy Network (WEN), die WAB sowie die Agentur für Wirtschaftsförderung von Cuxhaven (AfW).

Darüber hinaus unterzeichneten Hamburg und die kanadische Provinz Neufundland sowie Labrador eine Erklärung, um auf internationaler Ebene zusammenzuarbeiten. Beide Seiten bekundeten darin ihren Willen, „ihre Erfahrungen und gewonnenen Erkenntnisse auszutauschen und ihr Fachwissen und ihre Stärken in geplanter und koordinierter Weise zu kanalisieren, um eine globale, sich selbst tragende Wasserstoffwirtschaft aufzubauen und zu entwickeln.“ Gegenüber HZwei zeigte sich Tom Rose, Bürgermeister von Stephenville, Neufundland, hocherfreut und „sehr stolz“, nach nur sieben Monaten Vorlaufzeit diese Vereinbarung in der Hansestadt unterzeichnen zu können.

H2Expo

Die allererste H2Expo fand bereits 2001 (s. Abb. 2) unter der Leitung von Ines Freesen in Hamburg statt und füllte ebenfalls eine komplette Messehalle. Da sich allerdings damals der erhoffte Markteintritt etwaiger Produkte immer wieder verzögerte, wechselte die Veranstaltung zunächst ins Kongresszentrum und verschwand dann zwischenzeitlich ganz von der Bildfläche. Zukünftig soll die H2Expo & Conference wieder in jährlichem Rhythmus stattfinden, alle zwei Jahre gemeinsam mit der WindEnergy.

Autor: Sven Geitmann

Kategorien: 2023 | Aktien
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