Wasserstoff-Wettbewerb zwischen den USA und Deutschland

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16. November 2022

Wasserstoff-Wettbewerb zwischen den USA und Deutschland

Wo etabliert sich zuerst eine Wasserstoffwirtschaft? Diese Frage treibt derzeit nicht nur die deutsche Energiebranche um. Nachdem in den USA eine neue Gesetzgebung, der Inflation Reduction Act, sehr attraktive Rahmenbedingungen fĂŒr den Aufbau einer H2-Industrie geschaffen hat, lĂ€uft Deutschland wieder mal Gefahr, auf der Strecke zu bleiben. Die hiesige Wirtschaft spricht sich deswegen gemeinsam mit VerbĂ€nden fĂŒr ein schnelles politisches Handeln aus.

Die Herausforderung ist gewaltig, denn sowohl auf deutscher als auch auf europĂ€ischer Ebene wurden die Zielvorgaben fĂŒr den Aufbau zukĂŒnftiger ElektrolyseurkapazitĂ€ten erhöht: UrsprĂŒnglich hieß es, in Europa sollen bis 2030 40 GW aufgebaut werden. Seit Mai 2022 lautet das Ziel, die ProduktionskapazitĂ€ten fĂŒr Elektrolyseure bis 2025 zu verzehnfachen. In Deutschland sollen nun 10 GW statt nur 5 GW bis 2030 installiert werden. Um allerdings diese Werte auch nur annĂ€hernd erreichen zu können (derzeit sind in der EU 3 GW installiert), fehlen konkrete Maßnahmen, wie die erforderliche Hochskalierung gefördert und Anreize fĂŒr die Investition in eine Wasserstoffwirtschaft geschaffen werden können.

Eine Forderung des Deutsche Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verbands e. V., die der Vorstandsvorsitzende Werner Diwald derzeit auf jeder Veranstaltung wiederholt, ist die zeitnahe Umsetzung der 37. BImSchV (37. Verordnung zur DurchfĂŒhrung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes). Der DWV weist seit Monaten darauf hin, dass Industrien global agieren und vornehmlich dort investieren, wo die besten Rahmenbedingungen sind. Solange aber hierzulande weiterhin Unklarheit herrsche (s. RED II, 37. BImSchV), fehle der Wirtschaft die erforderliche Planungssicherheit, um Investitionsentscheidungen tĂ€tigen zu können, so Diwald.

Sehr viel mehr Planungssicherheit gibt es mittlerweile in den USA, seit die Biden-Regierung den Inflation Reduction Act ausgerufen hat. Seitdem denken immer mehr europĂ€ische Elektrolyseurhersteller laut darĂŒber nach, dort ihre ProduktionskapazitĂ€ten aufzubauen, also nicht in Deutschland zu investieren. Diwald warnt vor diesem Hintergrund davor, dass bereits in wenigen Wochen Fakten geschaffen werden könnten, so dass dann in Europa KapazitĂ€ten fĂŒr den Aufbau einer H2-Wirtschaft fehlen wĂŒrden, weil die AuftragsbĂŒcher der Hersteller bereits mit US-amerikanischen Bestellungen gefĂŒllt sein könnten.

Der US-amerikanische Inflation Reduction Act basiere nach Worten des DWV-Chefs auf dem deutschen EEG. GemĂ€ĂŸ seinen AusfĂŒhrungen hĂ€tten sich die US-amerikanischen Verantwortlichen genauestens das Erneuerbare-Energien-Gesetz angeguckt und dessen Prinzip fĂŒr Wasserstoff angepasst. Wie eine deutsche Antwort darauf aussehen könnte, ist derzeit noch offen. Dr. Ingrid Nestle, Leiterin der AG Klimaschutz und Energie in der GrĂŒnen-Bundestagsfraktion, erklĂ€rte, es dĂŒrfe jetzt kein Überbietungswettbewerb angefacht werden.

Die Wirtschaft hofft indessen auf die Überarbeitung der Nationalen Wasserstoffstrategie (NWS). Wiederholt hieß es aus verschiedenen Bundesministerien, an einer Neuauflage werde gearbeitet. UrsprĂŒngliches Ziel war, diese zweite Version noch vor der Weihnachtspause prĂ€sentieren zu können, allerdings erscheint dies aus heutiger Sicht unwahrscheinlich, da insbesondere das Bundeswirtschaftsministerium derzeit an mehreren Fronten zu kĂ€mpfen hat.

Zur Betonung der Dringlichkeit der aktuellen Situation schickten 30 Unternehmen und VerbĂ€nde der Energiewirtschaft am 10. November 2022 einen offenen Brief an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck. In diesem Schreiben, das der HZwei-Redaktion vorliegt, fordert der DWV im Namen aller Unterzeichner nicht nur einen zeitnahen Beschluss der 37. BImSchV, sondern generell mehr Planungssicherheit. Konkret erklĂ€rte Diwald: „Deutschland braucht eine sofortige Antwort auf den Inflation Reduction Act der USA, der den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft mit einer investitionssicheren Betriebsmittelförderung von ĂŒber 50 Mrd. USD unterstĂŒtzt. Ohne ein sofortiges aktives Handeln der Bundesregierung droht [
] die Verlagerung der Wasserstoffindustrie in die USA.“

Quellenangabe:

2 Kommentare

  1. Dirk

    Das Haus brennt bereits lichterloh und unsere Bundesregierung lamentiert welcher Wasserschlauch wohl der richtige wĂ€re…..

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  2. Dirk Bethge

    Die Dummheit ist nicht mehr zu ĂŒberbieten……

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