Mit höheren Energiepreisen steigt auch der Preis fĂŒr Wasserstoff

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30. Juni 2022

Mit höheren Energiepreisen steigt auch der Preis fĂŒr Wasserstoff

H2-Tankstelle

Die Diskussion um die steigenden Energiepreise nimmt immer grĂ¶ĂŸere Dimensionen an. Jetzt will Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck dem Bundeskartellamt neue Rechte einrĂ€umen. Gegen diese angebliche „WillkĂŒr“ lĂ€uft prompt nicht nur der Handelsverband Deutschland Sturm.

Die Hitzigkeit, mit der diese Debatte gefĂŒhrt wird, zeigt, worum es dabei wirklich geht: Macht. Angestammte Machtkonstellationen werden gerade infolge des unsĂ€glichen Angriffskrieges Putins gegen die Ukraine durcheinandergewĂŒrfelt. Die steigende Inflationsrate stellt bisherige Wirtschaftsweisen grundsĂ€tzlich infrage.

Die Bundesregierung versucht Ruhe in die Lage zu bringen, aber die Vertreter von Industrie und Wirtschaft spĂŒren, dass sich derzeit mehr verĂ€ndert als nur der europĂ€ische Leitzins.
Immer mehr Akteuren wird gerade klar, dass Energie bisher viel zu billig war. In Zeiten des Öl- und GasĂŒberflusses gab es fĂŒr viele keinen wirklichen Anreiz, sparsam mit den fossilen EnergietrĂ€gern umzugehen, schließlich wurden bislang UmweltschĂ€den und Schadstoffemissionen kaum in Rechnung gestellt.

Das Àndert sich gerade vehement: Europa will unabhÀngig werden von russischen Energieimporten. Parallel dazu soll die Transition der Energieversorgung vorangetrieben werden. Das bedeutet, dass gleichzeitig der MobilitÀtssektor weitestgehend elektrifiziert wird und zudem die Industrie auf erneuerbare Energien umsteigt.
Klar, dass vor diesem Hintergrund Energie nie mehr so billig sein wird wie frĂŒher.

Das gilt auch fĂŒr Wasserstoff: H2-Kraftstoff wurde bislang in Deutschland zu einem festgelegten Preis abgegeben. Diesen H2-Kilogrammpreis legte vor vielen Jahren die Clean Energy Partnership fest – zunĂ€chst auf 8 Euro, dann auf 9,50 Euro. Auf HZwei-Nachfrage erklĂ€rte Kurt-Christoph von Knobelsdorff, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) GmbH, dazu beim Auftakt der Hannover Messe: „Es kann durchaus sein, dass dieser politische Preis erst einmal steigen muss, weil sich der auch im Geleitzug der ganzen anderen Kraftstoffpreise bewegt.“

Und so kam es dann auch: Nur einen Tag spĂ€ter erhöhte H2 Mobility erstmals seit GrĂŒndung des Unternehmens den H2-Preis. Seit dem 7. Juni kostet ein Kilogramm Wasserstoff an allen von diesem Industriekonsortium betreuten Tankstellen einheitlich 12,85 Euro. Nach Unternehmensangaben liegen die Kosten fĂŒr die Fahrt mit einem H2-Pkw pro 100 km dennoch „weiterhin unter denen fĂŒr vergleichbare Fahrten mit konventionellen Kraftstoffen oder mit einem batterieelektrischen Pkw, der eine öffentlich zugĂ€ngliche SchnelladesĂ€ule nutzt“.

FĂŒr e-Fuels wurden in Hannover sogar Kraftstoffpreise von 5 Euro pro Liter diskutiert. Diese wĂŒrden dann allerdings auch nur diejenigen betreffen, die ĂŒberhaupt e-Fuels nutzen möchten, im Zweifelsfall also die 911er-Fahrer, fĂŒr die Porsche derzeit in Chile eine Power-to-Gas-Anlage aufbaut.

FĂŒr reinen grĂŒnen Wasserstoff rechnet Ulrich Vögtle, Vice President von MAN Energy Solutions, langfristig eher mit einem Produktionspreis von 1,50 US-$ pro Kilogramm bis 2030. Die Hoffnung ist, durch einen raschen Ausbau von Solar- und Windkraftanlagen ausreichend Ökostrom zu erzeugen, um genĂŒgend grĂŒnen Wasserstoff fĂŒr alle Sektoren bereitstellen zu können, so dass die Preise sinken.

Der Wille dazu ist da – sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik: Zahlreiche Großkonzerne haben Milliardeninvestitionen in die Wasserstofftechnik angekĂŒndigt (Bosch, MAN, Schaeffler, Siemens – s. HZwei-Heft Juli 2022, S. 8. und 9). Damit die Investoren Planungssicherheit haben, werden die Rahmenbedingungen derzeit angepasst. Dies fĂŒhrt naturgemĂ€ĂŸ zu vehementen Reaktionen (s. o.), weil noch nicht alle gut genug auf diese viel zitierte „Zeitenwende“ vorbereitet sind.

Es „ruckelt“, wie Wirtschaftsminister Habeck es formuliert – und das darf es auch. Angesichts der derzeitigen Herausforderungen ist es mehr als verstĂ€ndlich, dass nicht alles glatt lĂ€uft. WĂ€re ja auch verwunderlich, wenn sich niemand aufregen wĂŒrde, angesichts einer drohenden Hungerkatastrophe infolge von Millionen Tonnen Weizen, die sinnlos in Lagerhallen vergammeln.

Sehr verstĂ€ndlich also, dass die Energiepreise steigen, denn Energie ist ein teures Gut – das wird endlich deutlich. Nicht verstĂ€ndlich ist es hingegen, wenn vor diesem Hintergrund parteipolitische Spielchen betrieben werden. Wenn weltweite Notzeiten ausgenutzt werden, um sich zu profilieren, kann das nur nach hinten losgehen – so wie beim Tankrabatt.

Energie ist wertvoll, deswegen sollte achtsam damit umgegangen werden. Kurzfristige Geschenke fĂŒr Pendler sind da fehl am Platz. Zudem profitieren am Ende die Falschen davon. ZielfĂŒhrender wĂ€re eine ehrliche Kommunikation und eine soziale Abpufferung.

Sinnvoller wĂ€re ein rascher Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, anstatt ĂŒbervolle RegionalzĂŒge zu provozieren, die eher abschrecken, als den Umstieg vom Auto auf die Bahn zu befördern.

Ratsamer wĂ€re es, endlich dem Otto- und Dieselmotor Lebewohl zu sagen, statt sich darĂŒber aufzuregen, dass das EU-Parlament fĂŒr ein Verbrennerverbot ab 2035 votiert hat.

Lange genug wurde gezaudert und gebremst. Jetzt, in Zeiten des Wandels, in denen ohnehin etliche VerÀnderungen auf uns zukommen, können wir aktiv mitgestalten, können Altes hinter uns lassen und Neues ausprobieren. Das Neue wird nicht sofort perfekt funktionieren. Das macht aber nichts. Es wird sich einruckeln.



Quellenangabe:

2 Kommentare

  1. Joe Schmidt

    Also irgendwie leuchtet es mir nicht ein, wie Ulrich Vögtle, Vice President von MAN Energy Solutions, langfristig eher mit einem Produktionspreis von 1,50 US-$ pro Kilogramm bis 2030 rechnen kann.
    Zumindest nicht fĂŒr “grĂŒnen Wasserstoff” der ja aus der Elektrolyse mit regenerativ gewonnenem Strom hergestellt werden soll.
    Es ist weder hier in Deutschland, noch irgendwo in der Welt abzusehen, dass dafĂŒr KapazitĂ€ten frei sind. Im Gegenteil steigen die Preise fĂŒr elektrische Energie gerade an den Börsen und wenn die H2-Produzenten nicht bald eigene EE-Stromerzeugungsanlagen in nennenswerten GrĂ¶ĂŸenordnungen errichten, mĂŒssen sie die Strompreise zahlen …

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  2. Klaus Rickert

    Guter Beitrag, alles richtig dargestellt.

    Solange so viele BĂŒrger/Unternehmen mit fossilen EnergietrĂ€gern immer reicher werden, wird sich nicht viel Ă€ndern was den Umstieg in den EnergietrĂ€ger Wasserstoff angeht. Wir haben in den vergangenen Jahren die Solarindustrie kaputtgehen lassen ebenso die Produktion von WindrĂ€dern. Und wieso? Weil die von der Mehrheit gewĂ€hlten Politiker keinen Plan von den Dingen haben und mit ihnen die Mehrheit der WahlbĂŒrger. WĂŒrde an der ersten Stelle der Zeugnisse der allgemeinbildenden Schulen nicht das Fach Religion stehen sondern die beiden FĂ€cher Physik und Chemie, dann sĂ€he die Situation vielleicht anders aus!
    Ich weß, daß diese Feststellung oder besser Vermutung bei manchen Zeitgenossen einen Shitstorm entfesseln wird. Aber auf Dauer lĂ€ĂŸt sich die Wahrheit nicht unterpflĂŒgen . . .

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