Kommentar zur leidigen Wasserstoff-Farbenlehre

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Von Hydrogeit

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3. August 2021

Kommentar zur leidigen Wasserstoff-Farbenlehre

Vielleicht tĂ€uscht mein Eindruck, aber ich habe das GefĂŒhl, dass immer mehr Akteure der Wasserstoff-Community die Diskussion ĂŒber die verschiedenen Farben des Wasserstoffs leid sind. Schon seit Monaten wird nun ĂŒberall ĂŒber grĂŒnes, blaues und tĂŒrkisfarbenes Gas debattiert. Erst hier in Deutschland, jetzt auch in BrĂŒssel.

Um die anderen Farben ist es deutlich ruhiger. Kein Wunder, denn bei atomar erzeugtem Wasserstoff ist noch nicht einmal klar, ob er nun pink oder rot ist. Biogener Wasserstoff ist orange, der aus Erdgas reformierte grau. Dem natĂŒrlichen Wasserstoff, der einfach so aus dem Erdinneren entweicht, wurde das Adjektiv „weiß“ zugeordnet. Der grĂ¶ĂŸte Zankapfel ist aber momentan der blaue Wasserstoff.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, wenn ich sage, die Farbendiskussion nervt: All diese verschiedenen Herstellungspfade sind wichtig und sollen ausgiebig diskutiert werden. Meiner Meinung nach könnte sogar viel mehr ĂŒber biogenen Wasserstoff gesprochen werden.

Was mich aber nervt, ist die fast schon ideologisch anmutende Debatte ĂŒber blauen Wasserstoff. Insbesondere von den Vertretern der Erdgasbranche werden aktuell auf zahlreichen Online-Events alle möglichen sogenannten Experten zu diesem Thema befragt. Fachleute aus der Industrie werden ebenso bemĂŒht wie der norwegische Botschafter, um die VorzĂŒge dieses H2-Herstellungspfades und die angeblich unbedenkliche CCS-Technologie (Carbon-Capture-&-Storge) anzupreisen.

Angesichts der Erfahrungen, die wir in den vergangenen Jahrzehnten mit großen InteressenverbĂ€nden sammeln durften bzw. mussten, wirken all diese sogenannten Informationsveranstaltungen und Studien aber scheinheilig. Mittlerweile wissen wir doch, dass nicht nur die Tabak- und Automobilindustrie sowie die Atomkraft- und Kohlelobby, sondern auch die Öl- und Stromkonzerne versucht haben, sich mit teilweise gefĂ€lschten Informationen und teuren PR-Kampagnen ein Saubermann-Image zu verpassen, und lange erfolgreich gegen gesellschaftliche VerĂ€nderungen angekĂ€mpft haben.

Vielleicht ist es unfair, wenn jetzt die Gasbranche aufgrund dieser schlechten Erfahrungen in Sippenhaft genommen wird, aber so wirklich aufrichtig und glaubhaft erscheint mir die derzeitige Debatte nicht. Denn eigentlich ist es doch ganz einfach:

Die Bundesregierung sagt ganz klar, dass sie grĂŒnen Wasserstoff will – der wird auch gefördert; eventuell auch der orangefarbene. Wenn die Industrie blauen oder tĂŒrkisfarbenen einsetzen möchte, kann sie dies gerne tun, nur eben ohne staatliche Förderung. Klare Ansage.

Trotzdem starten GasverbĂ€nde regelrechte Informationskampagnen, bei denen wochenlang ĂŒber blauen Wasserstoff philosophiert wird. Sind denn die Gasunternehmen tatsĂ€chlich so knapp bei Kasse, dass sie auf das Geld von Otto NormalbĂŒrger angewiesen sind? Sollen wirklich die Steuergelder deutscher HandwerkerInnen und RentnerInnen in skandinavischen Erdgaskavernen versenkt werden?

NatĂŒrlich ist es richtig, dass es noch Jahre dauern wird, bis wir ausreichende Mengen an grĂŒnem Wasserstoff haben werden. Deswegen sollten wir uns beeilen, sagt auch die Wirtschaftsweise Prof. Veronika Grimm.


 Lesen Sie mehr in der aktuellen Ausgabe des HZwei

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