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Beitrag von Sven Geitmann

30. Juni 2015

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Weltmeister im Robotersegeln

5. August 2008 – Was bei Autos längst üblich ist, soll nun auch auf See zum Einsatz kommen: die Hybridtechnik. Die österreichische Gesellschaft für innovative Computerwissenschaft InnoC.at verfügt über ein Segelschiff, dass zwar durch Windkraft angetrieben wird, aber den Strom für die Bordenergieversorgung über eine Solaranlage sowie eine Brennstoffzelle bezieht. Die Techniker gehen sogar noch einen Schritt weiter: Sie verzichten gänzlich auf die Besatzung.
Die ASV roboat (Autonomous Sailing Vessel) funktioniert vollautomatisch. Ohne menschliches Zutun kann das Segelschiff jedes beliebige Ziel ansteuern. Es müssen lediglich die Zielkoordinaten eingegeben werden. Das autonome Boot findet dann selbst anhand der aktuellen Wetterdaten die optimale Route heraus. Sogar die Segel werden mit Hilfe von Elektromotoren selbst getrimmt. Die Energie bekommt das roboat direkt von der Sonne. Dafür ist eine 1,5 m2 große Photovoltaikanlage (285 Wpeak) auf dem Deck installiert, die normalerweise angesichts des geringen durchschnittlichen Energieverbrauchs von 50 W ausreicht. Zusätzlich wurde mittlerweile eine Brennstoffzelle installiert, die die Blei-Gel-Batterien (2 x 230 Ah) der ASV roboat auflädt, falls mal keine Sonne scheint. Es handelt sich dabei um eine Direkt-Methanol-Brennstoffzelle (efoy 1600), die von Smart Fuel Cell kostenlos zur Verfügung gestellt wurde.

Mitte August dieses Jahres liefen Probefahrten auf dem Mittelmeer in Kroatien, wo das Schiff auf Hochseetauglichkeit überprüft wurde. Während dieser Testwoche konnten wertvolle Daten für den Einsatz auf hoher See gesammelt werden. ?Im Meer können wir all das testen, was wir auf der Donau oder am Neusiedlersee nicht überprüfen können“, erklärte Projektleiter Roland Stelzer. ?Das hybride System aus Photovoltaik und Direkt-Methanol-Brennstoffzelle hat hervorragend funktioniert.? Im nächsten Jahr soll es dann fit für die Atlantiküberquerung sein, die im Rahmen der Microtransat 2009 geplant ist.

Die Microtransat 2006 hatte die Vorläuferversion, ein 1,4 m langes Modellbauboot, bereits gewonnen. Ab 2007 ging dann ein mehr als doppelt so langes Nachfolgemodell an den Start. Beide Veranstaltungen waren Vorbereitungswettbewerbe für die anvisierte große Fahrt von Europa in die Karibik. Zum ersten Testlauf im Juni 2006 waren insgesamt drei Teams nach Toulouse, Frankreich, gekommen, um dort auf einem See zunächst unter nicht so harten Bedingungen erste Versuche durchführen zu können. Im September 2007 waren es dann schon vier Mannschaften, die auf der Irischen See das Segeln auf dem offenen Meer testeten. Im Mai 2008 trat das mit einigen Neuerungen versehene Modell der zweiten Generation (zusätzliches Vorsegel, Solaranlage, Brennstoffzelle) auf dem Neusiedlersee in Österreich zum dritten Testlauf an, der im Rahmen der Roboter-Segel-Weltmeisterschaft von InnoC organisiert und auch gewonnen wurde.

Die Arbeiten an diesem Projekt begannen Ende 2005. Stelzer erklärt: ?Die Idee zu einem vollautonomen Segelboot ist bereits seit einigen Jahren in meinem Kopf herumgegeistert, ehe ich dann bei InnoC das passende Umfeld und ein hoch motiviertes Team gefunden habe um das Ganze in die Tat umzusetzen.?

?Die Stärke unseres Bootes ist das Segeln. Wir haben als Informatiker das Segeln sehr gut am Computer abbilden können und somit eine hohe Systemintelligenz bei ASV roboat erreicht. Hier sind wir der Konkurrenz sicherlich um einiges voraus“, meint Stelzer. Im Falle eines weiteren positiven Projektverlaufs könnte die ASV roboat zukünftig bei unbemannten und CO2-neutralen Frachtbeförderungen, als Versorgungsschiff oder als Bojenersatz zur Meeresdatensammlung eingesetzt werden.

Kategorien: 2015-2017 | News
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