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Beitrag von Sven Geitmann

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30. Juni 2015

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Energy Watch Group bezeichnet World Energy Outlook als Weltsuizidprogramm

6. November 2008 – Die Energy Watch Group hat am 5. November 2008 die Veröffentlichung zwei umfangreicher Studien angekündigt, in denen die Ausbaugeschwindigkeit erneuerbarer Energien dargelegt wird. Demnach wachse die Windenergiebranche deutlich schneller als selbst von optimistischen Analysten erwartet. Die beiden neuen Berichte, in denen die Vorgehensweise der Internationalen Energieagentur (IEA) scharf kritisiert wird, sollen im Januar 2009 in London im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt werden.
Die IEA plant das Erscheinen ihres neusten Ausblicks (World Energy Outlook 2008) für den 12. November 2008. Diesen jährlich erscheinenden Bericht über die mögliche Entwicklung im Energiesektor kritisierte die Energy Watch Group als nicht unabhängig. Insbesondere die Energieversorger verfügten über erheblichen Einfluss, wodurch „diese Welt nicht immer objektiv über Energiefragen informiert ist.“ Der Bundestagsabgeordnete und Gründer der Energy Watch Group Hans-Josef Fell bemängelte: „Fossile und nukleare Energien werden überschätzt, erneuerbare Energien unterschätzt.“

Rückblickend könnte man nach Darstellung Fells erkennen, dass es sich bei den World Energy Outlooks (WEO) um „permanente Fehlprognosen der IEA“ handelt. Der Wissenschaftler und Publizist Dr. Rudolf Rechsteiner, der seit 1995 Mitglied des schweizerischen Nationalrates ist, kritisierte im Rahmen eines Hintergrundgesprächs ebenfalls scharf die Vorgehensweise der Internationalen Energieagentur. Er bezeichnete den World Energy Outlook, der nach wie vor auf fossile Energieträger und Kernenergie setzt, als „Weltsuizidprogramm.“

Rechsteiner bemängelte unter anderem, dass die IEA in ihren Prognosen nur von einer Stagnation beziehungsweise von einem geringen linearen Anstieg bei der Entwicklung der Windkraftindustrie ausgeht. Nach Ansicht der Energy Watch Group weise der momentane Trend jedoch steil nach oben. Fell verwies darauf, dass mit einem exponentiellen Anstieg zu rechnen sei, „wie es in der Industrie üblich ist.“ Bereits heute liegt die jährlich neu installierte Leistung im Windsektor bei 25 Gigawatt. Demgegenüber lässt die IEA in keinem ihrer Szenarien einen Anstieg über die bisherige Zubaurate von 20 GW erkennen. Rechsteiner zitierte dazu den Chef des Windkraftkonzerns Vestas Detlev Engel mit den Worten: „Wir werden in drei bis vier Jahren 80 Gigawatt Zubau pro Jahr haben.“

Der Schweizer geht sogar noch einen Schritt weiter und erklärt: „Ab 2019 wird jede zweite Kilowattstunde aus neuen Windkraftanlagen kommen.“ Die Gründe für diese aus seiner Sicht positive Entwicklung sieht er in der Wirtschaftlichkeit der Anlagen: „Wenn die Windkraftanlagen nach einigen Jahren abgeschrieben sind, treten nur noch Betriebskosten in Höhe von ein bis zwei Cent pro Kilowattstunde auf. Das sind dann wahre Goldgruben.“

Die Probleme der fluktuierenden Windstromproduktion lässt Rechsteiner nicht gelten. Es sei zwar richtig, dass an einzelnen Standorten eine starke Volatilität auftrete, dass also eine kontinuierliche Stromversorgung aufgrund der Schwankungen der Windintensität schwierig sein könnte. Er sieht die Lösung aber in einer großflächigeren Betrachtung: „Eine europaweite Vernetzung verringert die Volatilität.“ Als geeignete Stromspeicher verweist er auf Pumpspeicherkraftwerke, die – wie derzeit in Spanien – neu gebaut werden können. Fell fügte hinzu, dass beim konsequenten Ausstieg aus der Kernenergie zudem Pumpspeicherressourcen frei würden, die derzeit noch genutzt werden, um die Kernenergie auch mit zur Mittel- und Spitzenlastabdeckung verwenden zu können.

Dass Windenergie durchaus konkurrenzfähig ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen. So sollen beispielsweise in Texas/USA rund 40 Mrd. US-$ in die Windbranche investiert werden. Große Hoffnungen setzt die Energy Watch Group in den zukünftigen US-Präsidenten Barack Obama. Der Demokrat hatte sich bereits im Wahlkampf klar zu erneuerbaren Energien bekannt. An seiner Seite wird wohl auch in Zukunft der Ex-Präsidentschaftskandidat und Klimaschützer Al Gore stehen. Dieser hat bereits im Juli 2008 als Ziel ausgegeben, die Stromversorgung der USA innerhalb von zehn Jahren zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umzustellen. Vor diesem Hintergrund setzt Fell große Hoffnungen in den neuen Präsidenten und erwartet einen grundlegenden Wandel in der dortigen Energiepolitik, was sich auch auf Deutschland auswirken würde.

Die Energy Watch Group wird von der Ludwig-Bölkow-Stiftung getragen und hat bereits im Mai 2008 mit ihrer Erdölstudie für Aufsehen gesorgt. Darin hatte sie festgestellt, dass aus ihrer Sicht der Punkt der größten Erdölförderung bereits überschritten ist. Das international und überparteilich agierende Netzwerk von Wissenschaftlern und Parlamentariern will unabhängig von wirtschaftlichen Einzelinteressen über aktuelle Energiefragen informieren.

www.algore2008.de/100_prozent_erneuerbare_energie.php

www.energywatchgroup.org

Kategorien: 2015-2017 | News
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