Bekenntnis zu Wasserstoff und Brennstoffzelle

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30. Juni 2015

Bekenntnis zu Wasserstoff und Brennstoffzelle

12. September 2009 – „Heute ist ein guter Tag.“ Dieser Ausspruch von Daimler-Chef Dieter Zetsche gilt genau genommen fĂŒr zwei Tage, fĂŒr den 9. und den 10. September 2009. ZunĂ€chst hatten fĂŒhrende Autohersteller am Montag schriftlich eine gemeinsame AbsichtserklĂ€rung abgegeben, die Entwicklung und MarkteinfĂŒhrung von Elektrofahrzeugen mit Brennstoffzellenantrieb voranzutreiben. Gleich am nĂ€chsten Tag trafen sich mehrere Energieversorger in Berlins Mitte und erklĂ€rten, die dafĂŒr benötigte flĂ€chendeckende Wasserstoffinfrastruktur bis zum Jahr 2015 aufbauen zu wollen.
Das Interesse war groß und die Resonanz positiv. Zahlreiche Wirtschafts- und Pressevertreter fanden sich am 10. September in Berlins Mitte ein und waren Zeugen, wie Dr. Dieter Zetsche, Vorsitzender des Vorstandes der Daimler AG, als Chauffeur fĂŒr den ehemaligen Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee fungierte und ihn im nagelneuen B-Klasse F-CELL, der seine offizielle Weltpremiere erst wĂ€hrend der IAA 2009 feierte, zur Pressekonferenz fuhr. Dort warteten bereits die Firmenchefs der beteiligten Mineralölwirtschaft (Shell Deutschland Oil, OMV Deutschland, Total Deutschland) sowie der Energie- (EnBW, Vattenfall Europe) und Gasversorger (Linde).

Drinnen begrĂŒĂŸte Dr. Klaus Bonhoff, Vorsitzender der GeschĂ€ftsfĂŒhrung der NOW GmbH, alle Anwesenden und sagte: ?Heute ist ein wichtiger Tag fĂŒr die Gestaltung einer nachhaltigen MobilitĂ€t?, wobei er ausdrĂŒcklich den Unternehmen Daimler und Linde dankte, die vor einigen Monaten die Initiative ergriffen hatten, um sowohl Automobilisten als auch Versorger mit ins Boot zu holen. Aus Sicht aller Beteiligten können die großen bevorstehenden Aufgaben nur gemeinsam gemeistert werden, so dass sich Zetsche als Automobilist im Kreise der Energieversorger in einer Art Moderatorenrolle fĂŒr diese Initiative einsetzte.

Der Bundesverkehrsminister sprach vor diesem Hintergrund von einem ?historischen Tag? und einer ?Zeitenwende im Verkehrsbereich?. Angesichts des Memorandum of Unterstandings (MoU), das an diesem Tag unterzeichnet wurde, erklĂ€rte er: ?Dies ist nur ein kleines Papier, aber es ist ein großer Schritt, den wir mit der Unterzeichnung dieses Papiers gehen.? Tiefensee zeigte sich hoch erfreut darĂŒber, dass Deutschland im Wasserstoff- und Brennstoffzellensektor den Takt angibt, und sagte: ?Wir ernten heute bereits die FrĂŒchte von dem 2006 aufgelegten Nationalen Innovationsprogramm (NIP).? Er stellte weiterhin fest: ?Wir können auf Wasserstoff als Energiespeicher nicht verzichten.? Dem stimmte auch Dr. Wolfgang Reitzle, Vorstandsvorsitzender der Linde AG, zu, indem er sagte: ?Wir haben einen Vorsprung, den sollten wir nicht verspielen.?

Beim Thema ElektromobilitĂ€t waren sich alle Anwesenden einig, dass dieser Sektor sowohl die Batterie- als auch die Brennstoffzellentechnologie beinhaltet. Hans-Peter Villis, Vorsitzender des Vorstands der EnBW AG betonte, dass sein Unternehmen beide Bereiche fördern werde, und konstatierte: ?Es geht letztlich nur um eine Frage: ?Wie lassen sich MobilitĂ€t und Nachhaltigkeit miteinander vereinbaren??? Auch Dr. Peter Blauwhoff, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Shell Deutschland Oil GmbH, stellte fest, dass es zukĂŒnftig keine allein glĂŒcklich machende Antriebsart mehr geben werde, und sagte: ?Wir werden eine erhebliche Diversifizierung der Kraftstoffe erleben.?

Die unterzeichnete AbsichtserklĂ€rung mit dem Projekttitel H2-Mobility beinhaltet den Aufbau eines engmaschigen Wasserstofftankstellennetzes bis zum Jahr 2015 und umfasst zwei Phasen: ZunĂ€chst geht es bis Ende 2011 um die Weiterentwicklung und Bewertung der Technik, wozu auch die Installation von zehn bis 25 zusĂ€tzlichen H2-Stationen zĂ€hlt, die aus Mitteln des Konjunkturpakets II der Bundesregierung sowie weiterer Landesprogramme gefördert wird. Anschließend soll ? im Fall einer positiven Konzeptentwicklung ? von den Ballungszentren ausgehend der Infrastrukturausbau erfolgen. Deutschland soll hierbei die Rolle einer Keimzelle zukommen, von der aus das Netzwerk europaweit ausgebreitet wird.

Angesprochen auf die damit verbundenen Kosten rechnete Linde-Chef Reitzle vor, dass jede H2-Tankstelle ĂŒber 1 Mio. Euro kostet. Michel Mallet, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Total Deutschland GmbH, ergĂ€nzte: ?Etwa 750.000 Euro fallen allein fĂŒr einen 700-bar-Kompressor an.? Reitzle rechnete weiter, der an den Stationen derzeit erhĂ€ltliche Wasserstoff koste acht Euro pro Kilogramm, womit ein F-CELL-Fahrzeug rund 100 Kilometer zurĂŒcklegen könne. Dies ist vergleichbar mit konventionellen Autos, wobei beim Wasserstoff durchaus noch Einsparpotential vorhanden sei.

Seitens der Fahrzeughersteller hieß es, aktuelle Demonstrationsprojekte hĂ€tten die technische Machbarkeit der Herstellung, der Lagerung, des Transports und des Betriebs zur Nutzung von Wasserstoff als EnergietrĂ€ger unter Beweis gestellt. Die beteiligten Automobilfirmen Daimler, Ford, GM/Opel, Honda, Hyundai, Kia, Nissan, Renault und Toyota erklĂ€rten, dass sie eine nennenswerte Zahl von Brennstoffzellenfahrzeugen ab 2015 auf dem Markt anbieten werden. Mit der Nennung einer konkreten Zahl taten sie sich jedoch nach wie vor schwer. Dazu hieß es in einer Daimler-Meldung wörtlich: ?Die SchĂ€tzungen gehen ab dann ĂŒber den Lebenszyklus verteilt weltweit von einigen hunderttausend StĂŒck aus.? Auf Nachfrage der HZwei-Redaktion konkretisierte Zetsche diese Aussage in dem Sinne, dass 100.000 Fahrzeuge nicht pro Jahr produziert wĂŒrden, sondern ĂŒber die gesamte Laufzeit des jeweiligen Modells, die rund sechs Jahre betragen kann. Er erklĂ€rte weiterhin: ?Wir gehen in unserem Haus fĂŒr 2015 von einer fĂŒnfstelligen Jahresproduktion als Rechengrundlage aus.?

Quellenangabe:

Wasserstoff ist ein Megatrend

Das Thema Wasserstoff hat es in den vergangenen Jahren aus der Nische auf die große politische BĂŒhne geschafft. Nicht nur in...

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