Analyse der Aktienkurse von Brennstoffzellenunternehmen

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25. September 2014

Analyse der Aktienkurse von Brennstoffzellenunternehmen

Aktien-Kurs-Verlauf-BrennstoffzellenDie Börse kann durchaus als Antizipationsmechanismus verstanden werden. Dort, auf den Finanzparketts dieser Welt, lassen sich derzeit sehr gute Entwicklungen im Bereich der börsennotierten Brennstoffzellenunternehmen erahnen: So erlebten die Aktien der US-amerikanischen Firmen Plug Power und Fuelcell Energy sowie der kanadischen Unternehmen Ballard Power Technologies und Hydrogenics innerhalb der vergangenen zwei Jahre und auch seit Beginn dieses Jahres zum Teil dramatische HöhenflĂŒge, die auch fĂŒr die Zukunft einiges erwarten lassen.
Plug Power zog von ehemals etwa US-$ 0,50 bis auf ĂŒber US-$ 11 an, Ballard von US-$ 1 bis auf ĂŒber US-$ 8. Dass es da vorĂŒbergehend zu AbkĂŒhlungen – sogenannten Phasen der Gewinnmitnahme – kommen musste, liegt auf der Hand. Man spricht auch von sogenannten 50 %-Reaktionen nach einem sehr starken kurzfristigen Anstieg. Exakt dort stehen wir heute. Dies könnte die Basis fĂŒr einen neuen, und zwar langfristigen AufwĂ€rtstrend bedeuten – vieles spricht dafĂŒr.
Parallel zu diesen KurssprĂŒngen gab es viele technologische DurchbrĂŒche und auch eine Vielzahl von Produktentwicklungen in einer Reihe von BrennstoffzellenmĂ€rkten, die weltweit als sehr wachstumsstark angesehen werden können, derzeit aber gerade erst am Anfang stehen. Außerdem verbesserte sich zuletzt das Stimmungsbild zum Einsatz von Wasserstoff in der Öffentlichkeit.
Wo stehen wir heute?
Anfang der Jahrtausendwende war es zu einer regelrechten Boomphase bei Unternehmen, die mit der Entwicklung der Brennstoffzelle zu tun hatten, gekommen. Vorneweg ging Ballard Power, die zeitweise einen Börsenwert von ĂŒber US-$ 11 Mrd. aufwiesen, als der Aktienkurs auf ĂŒber US-$ 120 explodierte. Dann aber kamen viele Jahre der ErnĂŒchterung, Re- beziehungsweise Neu-Fokussierung und auch EnttĂ€uschung, weil viele Entwicklungen nicht so zĂŒgig wie erwartet voranschritten.
Ballard trennte sich in mehreren Etappen von seiner automobilen Brennstoffzellensparte, die zusammen mit Daimler und Ford in dem Venture Auto AFCC (www.afcc-auto.com) gebĂŒndelt war, indem man sich auszahlen ließ, wohl aber Nutzungsrechte an bestimmten Entwicklungen behielt und als Subunternehmer weiter mitarbeitet. Daimler ist jetzt somit quasi auch Untermieter von Ballard im kanadischen Vancouver.
Der damalige Hype ist durchaus zu vergleichen mit den heutigen ElektromobilitĂ€tsunternehmen (nur Batterie) wie zum Beispiel Tesla (US-$ 278/Aktie). Deren Börsenbewertung liegt derzeit bei US-$ 35 Mrd. Jetzt stehen allerdings Brennstoffzellen-Hybrid-Fahrzeuge u.a. von Toyota vor der MarkteinfĂŒhrung, die Konkurrenz machen könnten. Ergeht es Tesla vielleicht wie Ballard vor zwölf Jahren?
Ballard Power (BLDP, US $ 3,42)
Als SchlĂŒsselinvestment empfiehlt sich Ballard Power. Das Unternehmen besitzt das grĂ¶ĂŸte Patentportfolio in der Branche, eigene ProduktionskapazitĂ€ten, diverse strategische Allianzen, ForschungsauftrĂ€ge wie mit VW (bis zu CAD 100 Mio.) und eine Reihe vielversprechender Anwendungen, beispielsweise Backup-Power-Systeme fĂŒr die Telekommunikation (China, Indien, SĂŒdafrika u.a.) und BZ-Hybridbusse. Von United Technologies wurde unlĂ€ngst ein sehr umfassendes Patentportfolio (wie auch ergĂ€nzende Auswertungen u.v.a.) fĂŒr US-$ 20 Mio. erworben (Kaufpreis: 5 Mio. Aktien und ca. US-$ 2 Mio. Bargeld). Dieses Portfolio soll ĂŒber US-$ 1 Mrd. an F&E-Aufwendungen zur Grundlage haben. Zudem verfĂŒgt das Unternehmen ĂŒber US-$ 40 Mio. an liquiden Mitteln (null Bankschulden!). Es werden weitere OEM-Abkommen erwartet, also Partnerschaften, bei denen Ballard Know-how gegen LizenzgebĂŒhren eintauscht und gemeinsame Forschungsarbeit leistet. Zudem wurde kĂŒrzlich ein neuer CEO benannt, der sicherlich zukunftsweisende Impulse in das Unternehmen einbringen wird. Mit dem Partner Azure soll der chinesische Markt unter anderem fĂŒr BZ-Busse geöffnet werden.
Der Kurs der Aktie besitzt sehr hohes Potential, wenn auch nur einige der geplanten Kooperationen in AuftrĂ€ge mĂŒnden. Und: Plug Power (s. u.) bezieht seine BZ-Stacks fĂŒr Gabelstapler von Ballard. Zwar gibt es wohl Bestrebungen seitens Plug Power, unabhĂ€ngiger zu werden, doch ist dies mehr Wunsch als Wirklichkeit, da beide Unternehmen sehr erfolgreich zusammenarbeiten und Ballard wichtige Patente hĂ€lt. Zudem wird Ballard auch andere Partner unter anderem in Europa als Kunden gewinnen können. Ballard plant, dieses Jahr das erste Mal in der Firmengeschichte cash-flow-positiv zu arbeiten – und 2015 mit Gewinn. Das Wachstum wird auf 30 % p.a. geschĂ€tzt. Und: Auch Übernahmefantasien angesichts des grĂ¶ĂŸten – nach eigener Aussage – PEM-Patent-Portfolios sind nicht auszuschließen.
www.ballard.com
Plug Power (PLUG, US-$ 5,30)
Plug Power ist der Shootingstar, was die Börsenentwicklung angeht: Von Kursen um US-$ 0,50 kam es in den vergangenen zwei Jahren zu einem Anstieg bis auf ĂŒber US-$ 11. Das Unternehmen hat sich auf die UmrĂŒstung von Gabelstaplern via Brennstoffzelle konzentriert. Die BZ-Stacks kommen von Ballard Power. Diverse GroßauftrĂ€ge (von WalMart, P & G) liegen vor. Plug verdient zudem auch am Wasserstoffverbrauch ĂŒber ein Venture mit einer Unternehmenstochter von Air Liquide, die auch bei Plug Power beteiligt sind. Es sollen AuftrĂ€ge im Wert von ĂŒber US-$ 150 Mio. allein in diesem Jahr generiert werden. Mittels zweier Kapitalerhöhungen konnten liquide Mittel zufließen, die mit ĂŒber US-$ 160 Mio. auf der Bank liegen. Unternehmen wie WalMart haben es wahrscheinlich zur Bedingung gemacht, dass Plug finanziell „auf sicheren FĂŒĂŸen steht“, um grĂ¶ĂŸere AuftrĂ€ge zu erhalten. Indes kann es auch zu besonderen Kursschwankungen kommen, da bei Plug fast 38 Mio. Aktien leerverkauft worden sind und bei guten Nachrichten daraus „Eindeckungsdruck“ (Short Squeeze), also der RĂŒckkauf, erforderlich werden könnte. Mit ĂŒber US-$ 900 Mio. Börsenbewertung ist das Unternehmen schon „sportlich“ bewertet, wird aber bei guten News wie auch EindeckungskĂ€ufen weiter laufen.
Plug arbeitet an eigener Stack-Entwicklung, könnte also irgendwann von Ballard unabhĂ€ngig werden. Es gibt aber Kommentare seitens Ballard, dass man noch dieses Jahr an einem weiteren Zuliefervertrag (exklusiv?) arbeitet und „getrennte Wege“ daher eher unwahrscheinlich und auch unnötig sind. Von Seiten Plug Power ist es verstĂ€ndlich, dass man nicht von einem Zulieferer abhĂ€ngig sein möchte. Ballard selbst könnte aber auch geneigt sein, mit anderen Partnern unter anderem in Europa den Markt der Gabelstapler in Sachen Brennstoffzellen zu entwickeln.
www.plugpower.com
Fuelcell Energy (FCEL, US-$ 2,42)
Das Unternehmen verfĂŒgt bereits ĂŒber hohe AuftragsbestĂ€nde (circa US-$ 350 Mio.) und setzt ĂŒber US-$ 190 Mio. mit hohem Wachstum um. Ab 2015 will man profitabel sein. KĂŒrzlich hat ein Unternehmenspartner, NRG Energy, neue Aktien fĂŒr US-$ 35 Mio. gezeichnet, wobei der Ausgabekurs dem aktuellen Börsenkurs entsprach, also ohne Abschlag, was sehr positiv zu bewerten ist. Zudem stellt NRG Energy eine Kreditlinie in Höhe von US-$ 40 Mio. zur VerfĂŒgung, was ein weiterer Vertrauensbeweis ist. Die neue Kapitalbasis könnte als Grundlage dafĂŒr verstanden werden, einen Großauftrag annehmen zu können. GerĂŒchteweise soll der US-Energieversorger Long Island Lighting an BZ-Projekten arbeiten, die AuftrĂ€ge im Wert von ĂŒber US-$ 300 Mio. ausmachen können. Fuelcell Energy liefert BZ-Komplettsysteme (Kraft-WĂ€rmekoppelung) unter anderem fĂŒr Großanwendungen (KrankenhĂ€user u.v.a.).
www.fuelcellenergy.com
Hydrogenics (HYGS), US 20,00)
Hydrogenics arbeitet am Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur, H2-Tankstellen wie auch Elektrolyseuren. Wasserstofftankstellen stellen noch eine HĂŒrde da, werden aber allmĂ€hlich eingefĂŒhrt. SchĂ€tzungen fĂŒr Deutschland besagen, dass circa 500 H2-Tankstellen bis 2020/23 bestehen und langfristig circa 4.000 von insgesamt 14.000 Tankstellen auch H2 anbieten werden. Das Unternehmen will dieses Jahr zum ersten Mal in der Firmengeschichte profitabel arbeiten.
www.hydrogenics.com
Risikostreuung sinnvoll
Wer sich mittel- bis langfristig im BZ/H2-Bereich börsentechnisch engagieren will, sollte sich einen Mix an Aktien der Branche zulegen. Aufgrund der Marktkapitalisierung bevorzuge ich ausschließlich nordamerikanische Werte. Diese können bequem an deutschen Börsen erworben werden. Dazu gehören die vier oben benannten Unternehmen.
Diesen Unternehmen ist gemein, dass sie unterschiedliche BZ-MĂ€rkte, Produkte, geographische Zonen und Anwendungen abdecken, also Risiken aufteilen. In einem Portfolio wĂŒrde ich die Asset-Allocation wie folgt wĂ€hlen:
45 % Ballard Power Technologies
35 % Fuelcell Energy
10 % Hydrogenics
10 % Plug Power
Das Investment sollte mittel- bis langfristig gesehen werden, da auch bei negativen Börsenphasen bis hin zu einem Crash Aktien dieses Sektors selbst bei zu erwartenden guten Nachrichten sich der Allgemeintendenz nicht werden entziehen können, indes der Markt der BZ wie auch der Produktion von Wasserstoff in den AnfĂ€ngen steckt und unzĂ€hlige neue MassenmĂ€rkte (Energie, MobilitĂ€t u.v.a.) in der Entstehung sind. Die First-Mover dieser Branche werden meines Erachtens die grĂ¶ĂŸten BewertungszuwĂ€chse erfahren.
TIPP: Es empfiehlt sich, das Buch Die H2-Revolution von Jeremy Rifkin zu lesen (kam 2002 heraus, ist aber tagesaktuell).
Sven_JoestingSven Jösting (53) ist seit vielen Jahren Mitglied der Wasserstoff-Gesellschaft Hamburg e.V.. Er befasst sich schon lange beruflich mit dem Thema Brennstoffzelle, d. h. er hat Unternehmen der Branche zusammengefĂŒhrt, strategische Partnerschaften initiiert und ist auch besonders mit dem Thema Börse verbunden. Jösting war beruflich ĂŒber 15 Jahre als Broker bekannter US-Investmentbanken tĂ€tig. Sein Fokus liegt auf Unternehmen, die sich u. a. mit regenerativen Energien, der Brennstoffzelle und Umwelttechnologien befassen. Zudem ist er seit circa 27 Jahren Mitglied in und assoziiert mit B.A.U.M. e.V., der dieses Jahr im September sein 30-jĂ€hriges JubilĂ€um feiert.
 

Dieser namentlich gekennzeichnete Beitrag entspricht nicht zwangslĂ€ufig der Meinung der Redaktion und spiegelt lediglich die Meinung des Autoren wieder. Es handelt sich hierbei um keine Aufforderung zum Aktienkauf. Im Gegenteil: Die Redaktion warnt ausdrĂŒcklich vor den Risiken beim Handel mit Aktien.
Quellenangabe:
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1 Kommentar

  1. H_BOERSE

    Wasserstoff ist einer der genialsten EnergietrĂ€ger, da fast ĂŒberall Einsetzbar, und vor allem speicherbar…. – auch das wird TESLA noch kapieren mĂŒssen, auch wenn er auf seine Batterietechnik steht. Ich bin schon ein paar Jahre in diesem Segment investiert, und finde die Beschreibungen zu den aktuellen AG’s nicht schlecht. Allerdings fĂ€ngt bei mir die Brennstoffzelle erst dann zum wirken an, wenn es auch den dazugehörigen Wasserstoff zum erwerben gibt. Und das beginnt in der Infrastruktur – daher ist mein vorwiegendes Investment vorab mal HYDROGENICS. Sie sind der MarktfĂŒhrer in der Elektrolyse – und dort wird es am schnellsten zu AuftrĂ€gen kommen. Denn was bringt schlussendlich eine Brennstoffzelle ohne Brennstoff ?

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  1. electrive.net » Aktien von Brennstoffzellen-Unternehmen, Nissan Leaf, Termine. - […] Lese-Tipp: Sven Jösting analysiert die mitunter rasant verlaufenden Aktienkurse der Brennstoffzellen-Unternehmen Fuel Cell Energy, Ballard Power Systems, Hydrogenics und…

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