DWV appelliert an Energieminister Sigmar Gabriel

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4. April 2014

DWV appelliert an Energieminister Sigmar Gabriel

DWV-Vorstand-2014

Die Sitzordnung deutete an, wie sich zukĂŒnftig die Rollen im DWV-Vorstand Ă€ndern könnten.

Noch nie hat der Deutsche Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband e.V. (DWV) so klar sein Anliegen artikuliert: Bereits auf der Jahrespressekonferenz am 11. Februar 2014 in Berlin forderte der Vorstandsvorsitzende Dr. Johannes Töpler eine stĂ€rkere politische UnterstĂŒtzung fĂŒr eine breite MarkteinfĂŒhrung der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie. WĂ€hrend des parlamentarischen Abends drei Wochen zuvor war dieses Thema zwar bereits ein erstes Mal angeschnitten worden (s. DWV fordert Förderung von „Power-to-Hydrogen“), aber im Haus der Bundespressekonferenz konkretisierte der Verband nochmals sein Anliegen: Da Wasserstoff und Brennstoffzellen SchlĂŒsseltechnologien fĂŒr die Energiewirtschaft der Zukunft und Garanten fĂŒr Umweltschutz, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit seien, so hieß es, forderte der Verband „den lĂ€ngst ĂŒberfĂ€lligen Markteintritt“.
Töpler sagte: „Die Energiewende ist politisch gewollt, was immer noch fehlt, ist ein strategisches Konzept zur Umsetzung.“ Solch ein Konzept werde aber dringend benötigt, um der Wirtschaft und der Industrie Planungssicherheit und Motivation zu geben, weiter in diese Technologie zu investieren, so der DWV-Vorsitzende. Zudem erklĂ€rte er: „Wenn die Energiewende gelingen soll, brauchen wir Energiespeicher. Große Energiemengen in der GrĂ¶ĂŸenordnung von Terrawattstunden lassen sich nur durch chemische Energiespeicher realisieren.“ Wasserstoff ist nach Töplers Meinung solch ein Speicher, „der erneuerbare Energien mobil und MobilitĂ€t CO2-frei macht“. Und weiter: „Wasserstoff hilft, die Energiewende bezahlbar zu machen.“ Er resĂŒmierte daher: „Eine erfolgreiche Energiewende braucht den Wasserstoff.“
Werner Diwald, Mitglied im DWV-Vorstand, gab anschließend Empfehlungen fĂŒr eine konkrete Umsetzung sowie eine innovationsfreundliche Gesetzgebung. Details dazu finden Sie im HZwei-April-Heft auf Seite 26. Im Anschluss an diese AusfĂŒhrungen betonte er: „Unsere Forderung ist, dass Herr Gabriel sein Programm um diese Punkte erweitert.“
Der ENCON.Europe-GeschĂ€ftsfĂŒhrer berichtete weiterhin ĂŒber die geforderte Neuauflage des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP 2.0, s. HZwei-Heft Okt. 2013), dass der erste Entwurf dieses Papiers der Bundesregierung vorliege, der Bundestag ihm aber in der ersten Lesung nicht zugestimmt habe. Es wĂŒrden daher weitere GesprĂ€che gefĂŒhrt.
Johannes Töpler betonte hierzu, dass das NIP „unbedingt weitergefĂŒhrt beziehungsweise intensiviert werden“ mĂŒsse und erklĂ€rte: „Wir können nicht lĂ€nger warten. Die politischen Rahmenbedingungen zum schnellen Aufbau der Infrastruktur und zur EinfĂŒhrung der Fahrzeuge mĂŒssen endlich geschaffen werden.“ Nur so sei aus Verbandssicht eine breite EinfĂŒhrung der Wasserstofftechnologie umsetzbar, und nur so könne Deutschland sich die globale technologische MarktfĂŒhrerschaft sichern.
Auf Nachfrage der HZwei-Redaktion, ob zu erwarten sei, dass die deutschen Autokonzerne ihren AnkĂŒndigungen, 2015 beziehungsweise 2017 Brennstoffzellenautos auf den Markt zu bringen, Taten folgen lassen, antwortete Diwald, dass dafĂŒr seinem Ermessen nach „regulatorischer Druck notwendig“ sei (z.B. Absenkung des Grenzwerts auf 65 g CO2 pro km), und er verwies darauf, dass dies börsennotierte Unternehmen sind, die wirtschaftlich arbeiten mĂŒssen.

Quellenangabe:

2 Kommentare

  1. Hans Sandlass

    Die vom DWV-Vorstand, und speziell von Herrn Diwald genannten Eckpunkte (HZwei04/14, S16) finde ich fĂŒr gut und richtig. Aber wir sollten nicht vergessen, dass die Politik, voran die Kanzlerin alles getan hat, um in der EU niedrigen CO2-Ausstoß zu verhindern. Da fĂ€ngt das VerhĂ€ngnis mit der faulen Ausrede an, die Automobilindustrie und ihre BeschĂ€ftigten zu retten. Bringt neue Technologie nicht auch neue ArbeitsplĂ€tze?
    Deutschland hat auf Grund seiner technisch-kulturellen Entwicklung und als Vorreiter bei der Energiewende die Verpflichtung, Innovationen voranzutreiben.
    Wir könnten mit unserer regenerativen Energie und dem CO2-freien Wasserstoff eine Revolution im Verkehr einleiten. Aber wir tun so, als ob wir eine zweite Erde hĂ€tten und steigern die Produktion von Kohle und Öl. Auch da gĂ€be es ein probates Mittel, das heißt: Verteuerung der Emissionen.
    Solange diese beiden Grundforderungen nicht von der Politik durchgesetzt werden, haben die Lobbyisten aller Coleur die Macht ihre Interessen gegen den regenerativen Wasserstoff durchzusetzen.
    Schade, ein bisschen straffe Lenkung wÀre da ganz gut.

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  2. Achim Behrenwaldt

    Es ist eine dieser typischen, phantasielosen Forderungen von VerbandsfunktionÀren nach mehr finanzieller Förderung und Gesetzen, um die Verbraucher zu etwas zu zwingen, was sie zum Wohle ihrer Klientel tun sollen. Dabei wissen wir doch, dass es letztlich nur darum geht, Wasserstoff und Brennstoffzellen zu wettbewerbsfÀhigen Preisen anzubieten.
    Bei Wasserstoff sind das 10 Ct./KWh an der Tankstelle, um nicht nur die wenigen BZ-Autos, sondern auch die Autos mit Ottomotor zum Umstieg auf Wasserstoff zu bewegen, wenn sich die UmrĂŒstung lohnt (wie bei FlĂŒssiggas). Dabei ist es dem Autofahrer egal, ob das grĂŒner oder schwarzer Wasserstoff ist ! Also könnte man beides – auch als Mischung – anbieten und den grĂŒnen Anteil im Laufe der Zeit entsprechend dem wachsenden Angebot steigern. Das wĂ€re die Voraussetzung fĂŒr den Durchbruch von Wasserstoff im Markt !
    Das ist mit PtG (Power to Gas) natĂŒrlich nicht möglich, weil allein schon der Strom mehr kostet und natĂŒrlich kein kostenloser Überschussstrom stĂ€ndig und in beliebiger Menge zur VerfĂŒgung steht. Auf diesen ökonomischen Unsinn hat sogar das Öko-Institut hingewiesen. Auch mit H2 aus Erdgas ist das nicht zu schaffen. Die Frage ist also, wo und wie bekommt man H2 zum Preis von 10 Ct./KWh ? Offensichtlich nur durch Vergasung von Kohle, MĂŒll oder Biomasse oder durch Spatung von Wasser bei einer Temperatur >1000 Grad. Das scheint aber noch nicht marktreif zu sein.
    Es wĂ€re also sinnvoll, wenn der Staat diese Entwicklung fördert und nicht bloß den Verkauf von Wasserstoff und Brennstoffzellen subventioniert – was wir ja letztlich als Steuerzahler bezahlen mĂŒssen ! Auf die Idee ist aber beim Verband anscheinend noch niemand gekommen !?

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