Bilanz-Barometer 2012 der VDMA AG Brennstoffzellen

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8. Juni 2012

Bilanz-Barometer 2012 der VDMA AG Brennstoffzellen

ZunĂ€chst hört sich alles ganz positiv an. So heißt es in dem Bilanzbarometer, das die VDMA Arbeitsgemeinschaft Brennstoffzellen wĂ€hren der Hannover Messe vorstellte, verheißungsvoll: „Die Erfolgsgeschichten der Unternehmen zeigen, dass die SchlĂŒsseltechnologie Brennstoffzellen eine wichtige Rolle innerhalb der Energiewende spielen wird.“ Schaut man sich die prĂ€sentierten Zahlen und Fakten jedoch genauer an, ist schnell ersichtlich, dass die Faktenlage eher dĂŒnn und die Interpretation sehr optimistisch ist.
Am 24. April 2012 stellten Guido Gummert und Johannes Schiel, der Vorsitzende sowie der GeschĂ€ftsführer der VDMA AG Brennstoffzellen, auf der Hannover Messe ihr Brennstoffzellen-Bilanzbarometer 2012 vor. Inhaltlich geht es darin um den „Status der TechnologieeinfĂŒhrung von Brennstoffzellen in Deutschland“. Vielversprechend hieß es dazu in der AnkĂŒndigung: „Die Brennstoffzellenindustrie in Deutschland ist auf dem Vormarsch.“ Dass eine Entwicklung „vorwĂ€rts marschiert“, ist allein allerdings noch keine sonderlich positive Tatsache, denn dies sagt nichts ĂŒber das Entwicklungstempo aus. PrĂ€ziser ist dann schon die Aussage von Johannes Schiel: „Mit gut 100 Mio. Euro sind die erwarteten UmsĂ€tze in 2012 in Deutschland noch ĂŒberschaubar.“ Dies ist dann auch die eigentliche Kernaussage dieses Bilanzbarometers, denn viele der ansonsten prĂ€sentieren Zahlen sind Mutmaßungen, die einer angemessen fundamentierten Basis entbehren.
Sicher ist richtig, dass „Deutschland das industrielle Know-how zur Entwicklung, Serienfertigung und internationalen Vermarktung von Brennstoffzellen hat und sich im Wettbewerb mit Nordamerika und Asien behaupten muss“, ob aber tatsĂ€chlich „mit einem Umsatz von ĂŒber einer Milliarde Euro bis 2020 gerechnet werden kann“, ist sehr zweifelhaft und zum aktuellen Zeitpunkt reine Kaffeesatzleserei, denn dafĂŒr fehlen schlichtweg belastbare Zahlen. Die eigene Mitgliederbefragung vom vergangenen Jahr, auf die sich die Autoren beziehen, war schon recht dĂŒnn, da hilft auch die zusĂ€tzlich zur Hilfe genommene Studie der Fuji Keizai Group nicht wesentlich weiter. Außerdem bleiben die Autoren eine BegrĂŒndung schuldig, warum „das VDMA-Brennstoffzellen-Barometer fĂŒr 2012 Hochdruck voraussagt“, welche konkreten Zahlen also auf eine Belebung in der BZ-Branche hindeuten.
Stattdessen prĂ€sentieren Schiel und Gummert einige ausgewĂ€hlte Vorzeigeunternehmen, die „Vorreiter bei der Technologieeinführung“ sind. Aber selbst bei diesen Erfolgsgeschichten wird schnell deutlich, dass der Markt noch weit weg ist. Die wenigen Ausnahmen sind unter anderem das eigene Unternehmen von Guido Gummert, die Baxi Innotech aus Hamburg sowie der australisch-deutsche Mitbewerber, Ceramic Fuel Cells. Baxi Innotech bescheinigt das Bilanzbarometer ein potentielles Marktvolumen von mehr als 150.000 BZ-HeizgerĂ€ten pro Jahr in Europa ab 2020 (Gesamtmarkt in BRD: 638.000), bei CFCL soll es bei mehr als 200.000 BZ-HeizgerĂ€ten pro Jahr liegen. Um dieses Potential aber heben zu können, ist noch einiges zu tun, das sieht auch Gummert. Der gerade erst im MĂ€rz 2012 gewĂ€hlte Vorsitzende erklĂ€rte: „Hocheffiziente Brennstoffzellen können eine wichtige Rolle fĂŒr die Energiewende spielen, wenn die politischen Rahmenbedingungen entsprechend der Zielen den Bundesregierung ausgestaltet werden. [
] Wenn der Rahmen stimmt, können Brennstoffzellen aus Deutschland Keller und Kraftfahrzeuge in Europa erobern. Anderenfalls kommt die Technologie aus Asien und Amerika.“ Angesichts der hohen Installationszahlen in Japan scheint diese zweite Option allerdings kaum noch abzuwenden zu sein.
Wie es neben den Vorzeigeunternehmen um die anderen Mitglieder dieser 60 Institutionen umfassenden Arbeitsgemeinschaft bestellt ist, wird in der PrĂ€sentation nicht klar. Es kann jedoch festgestellt werden, dass die weitere Kostenreduktion bei den Herstellern sowie den Zulieferern nach wie vor ein ganz zentrales Ziel ist. Und um diese zu erreichen, wird „ein deutlicher Anstieg der StĂŒckzahlen benötigt, damit auch die nötigen Investitionen in Fertigung geleistet werden“. Dazu bedarf es der bereits erwĂ€hnten angemessenen Rahmenbedingungen. Die Politik trĂ€gt hier also auch eine Mitverantwortung daran, wie es weitergehen wird, ob die vorhandenen Potentiale gehoben und die erhofften Zahlen tatsĂ€chlich realisiert werden können. Erst dann wird man mit Fug und Recht sagen können, was der stellvertretende Vorsitzende der AG, Achim Edelmann, schon in Hannover gegenĂŒber HZwei erklĂ€rte: „Wir sind ‚ready for take-off’ in der gesamten Wertschöpfungskette.”
Gummert, G., Schiel, J., Status der TechnologieeinfĂŒhrung, Chancen und Herausforderungen der BZ-Industrie in Deutschland, VDMA Brennstoffzellen, 24. April 2012

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