E-Fuels noch viele Jahre unnötig fĂŒr Energiewende

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26. Mai 2022

E-Fuels noch viele Jahre unnötig fĂŒr Energiewende

© FH Kiel

E-Fuels werden – wenig ĂŒberraschend – besonders von denjenigen Industriezweigen propagiert, deren Produkte und Infrastruktur stark auf fossile Brenn- und Treibstoffe ausgelegt sind. Die damit verbundene Hoffnung, dass mit klimaneutralem Erdgas, Benzin, Diesel, Heizöl und Kerosin sich unser Leben durch die Energiewende nicht Ă€ndern mĂŒsste, wird dabei dankbar von Gesellschaft und Politik aufgenommen. Dass hinter dieser E-Fuel-Propaganda in erster Linie wirtschaftliche Interessen stehen, wird dabei geflissentlich ĂŒbersehen.

Betrachtet man E-Fuels nĂŒchtern, zeigt sich leider ein desillusionierendes Bild: E-Fuels reduzieren prinzipiell nur dann Emissionen, wenn sie aus ĂŒberschĂŒssigem Ökostrom hergestellt werden. Ansonsten fĂŒhrt die stromintensive Herstellung von E-Fuels zu einer höheren Auslastung der noch einige Jahrzehnte notwendigen fossilen Kraftwerke und damit zu mehr Emissionen, als diese durch den Einsatz von E-Fuels an anderer Stelle wieder eingespart werden könnten. Aktuell werden jedoch nur wenige Prozent des Ökostroms abgeregelt, so dass das Potenzial zur Erzeugung von E-Fuels sehr gering ist.

Hinzu kommt, dass die Abregelungen nur wĂ€hrend eines kleinen Teils der Jahresstunden auftreten und teure Infrastruktur zur Herstellung von E-Fuels damit extrem schlecht ausgelastet wĂ€re. Die sich damit ergebenden Kosten, um eine Tonne CO2 einzusparen, werden, Ă€hnlich wie bei dem Einsatz von Wasserstoff, selbst bei einem extrem beschleunigten Ausbau der Wind- und SolarkapazitĂ€ten noch bis mindestens etwa 2035 höher sein als die Kosten fĂŒr alternative CO2-Reduktionsmaßnahmen.

Warum eine staatliche Förderung von E-Fuels unterbleiben sollte
Auch langfristig wird der Einsatz von E-Fuels nur bei sehr wenigen „No-Regret“-Anwendungen, die scheinbar nicht anders CO2-frei gemacht werden können, gĂŒnstiger sein als alternative Technologien, und zwar nur bei Teilen des Flug-, Schiffs- und Schwerlastverkehrs. Die Dekarbonisierung dieser Anwendungen ist so kostspielig, dass sie erst dann sinnvoll ist, wenn man mit allen gĂŒnstigeren Maßnahmen den erneuerbaren Anteil des PrimĂ€renergieverbrauchs bereits auf etwa 80 Prozent erhöht hat. Wenn man bedenkt, dass man den erneuerbaren Anteil von 1990 bis 2020 trotz grĂ¶ĂŸter Anstrengungen nur von 1 auf 17 Prozent erhöhen konnte, lĂ€sst sich erahnen, wie weit wir noch von einem sinnvollen Einsatz von E-Fuels entfernt sind.[…]


 gekĂŒrzte Online-Version
Den kompletten Fachbericht finden Sie in der aktuellen Ausgabe des HZwei-Magazins.

Autor: Prof. Andreas Luczak – Fachhochschule Kiel

Quellenangabe:

1 Kommentar

  1. Joe Schmidt

    Erstaunlich /erfreulich, dass in dieser Ausgabe solch realistische Betrachtungen zu lesen sind.
    Egal ob fĂŒr “grĂŒnen” Wasserstoff oder fĂŒr klimaneutrale eFuels – bis auf weiteres werden wir keinen regenerativen Strom fĂŒr diese Anwendungen “ĂŒbrig” haben.
    Denn es gibt andere Verwendungen, die deutlich mehr CO2 mit jeder regenerastiv erzeugten kWh Strom einsparen.

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