Handelsblatt Energie-Gipfel – Wasserstoff all over

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24. Januar 2022

Handelsblatt Energie-Gipfel – Wasserstoff all over

Der diesjĂ€hrige Handelsblatt Energie-Gipfel, der vom 17. bis 20. Januar 2022 digital und in Berlin stattfand, war geprĂ€gt vom Thema Wasserstoff als dem EnergietrĂ€ger, der in seinen vielen Farben – je nach Art der Erzeugung – und Einsatzmöglichkeiten einen sehr gewichtigen Anteil am Gelingen der weltweiten Energiewende trĂ€gt.

Die Preisexplosion der fossilen Energien wie Öl, Kohle aber vor allem auch beim Erdgas stellen die Energiewirtschaft vor eine Reihe von Problemen. Insbesondere der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine wie auch die Frage rund um die Nutzung der neuen Pipeline Northstream II sind zusĂ€tzliche Preistreiber. Die Bereitstellung von Energie und ihr Preis sind wichtige Standortfaktoren fĂŒr die Industrie gerade in einem Industrieland wie Deutschland. Es stellt sich daher die Frage, wo all der Wasserstoff – idealerweise grĂŒner – herkommen und wie die Infrastruktur aussehen soll.

FlĂ€chen fĂŒr die Erzeugung von Solarstrom wie auch Windkraft gebe es in Deutschland in der Menge nicht, um ausreichend regenerative Energien wie auch Wasserstoff zu produzieren, so die gefĂŒhlt einhellige Meinung der Vertreter aller großen Energieversorger. Ein großer Teil des benötigten Wasserstoffs wird daher aus Regionen importiert werden mĂŒssen, wo die Rahmenbedingungen viel besser als hier sind. Wobei Deutschland auch jetzt ĂŒber 70 Prozent seiner PrimĂ€renergie einfĂŒhrt.

Es geht aber auch um Fragen, wie grĂŒner Wasserstoff ĂŒberhaupt definiert wird. Wenn man dabei an die Taxonomie in der EU denkt, wonach auch Energie aus Kernkraftwerken und Erdgas als „grĂŒn“ eingestuft wird, gibt es noch Diskussionsbedarf.

Eine Umsetzungs- und Energiewendebehörde muss her

Ein breites Feld der Diskussion drehte sich wĂ€hrend des Energiegipfels um die Regulatorik, die zustĂ€ndigen Ministerien und das behördliche Vorgehen – sei es auf EU-Ebene, auf Bundesebene oder in der kommunalen Verwaltung. Hier mĂŒsse alles viel schneller und pragmatischer angegangen werden, da sonst die sehr ambitioniert gesteckten Klimaziele der Regierungskoalition nicht einmal im Ansatz erreicht wĂŒrden. Letztendlich geht es um die Rahmenbedingungen fĂŒr den Hochlauf der Energiewende und der Wasserstoffwirtschaft. Denn klar ist: Ohne Wasserstoff geht es nicht, so der Konsens fast aller Redner.

Je schneller und unbĂŒrokratischer gehandelt wird, umso zĂŒgiger ist die notwendige Energie vorhanden. Die bisherigen Planungsverfahren, die oft bis zu zehn Jahre dauern, gilt es dramatisch zu beschleunigen. Hier sollte eine Neudefinition mancher Behörde bzw. staatlicher Anstalt (z.B. Bundesnetzagentur) erfolgen. Diese soll in ihrem SelbstverstĂ€ndnis pro-aktiv handeln und nicht behindernd wirken. Es mĂŒsse viel mehr ingenieurrechtliche Planungskompetenz in die zustĂ€ndigen Stellen, statt eine rein juristische Behörde zu sein, hieß es.

Klimapolitik ist Industriepolitik

Gut sei es, dass das EEG nun endlich beendet und via CO2-Zertifikaten sowie der CO2-Bespeisung ein marktwirtschaftliches Regulativ im Sinne des Klimawandels eingesetzt wird. Nur muss auch klar sein, dass die Rahmenbedingungen zum Beispiel in den LĂ€ndern der EU vergleichbar sein mĂŒssen. Andere LĂ€nder verfĂŒgen diesbezĂŒglich bislang ĂŒber klare Wettbewerbsvorteile, da sie flexibler sind und schneller und pragmatischer agieren.

An Förderprogrammen des Bundes geht kein Weg vorbei, um den H2-Hochlauf einzuleiten, wobei Subventionen klar zeitlich begrenzt sein sollten. Da sind besonders Investitionsanreize sinnvoll und auch notwendig. Einen wichtigen Part spielt dabei die WĂ€rmewende, denn diese ist fĂŒr gut 40 Prozent des Energiebedarfes verantwortlich. Die strombasierte WĂ€rmepumpe wird verstĂ€rkt kommen, aber auch Wasserstoff als Ersatz von Erdgas im WĂ€rmesektor und parallel fĂŒr die Stromerzeugung wird im Gesamtbild eine viel grĂ¶ĂŸere Rolle spielen.

Viele GebĂ€ude lassen sich zudem nicht mal eben ĂŒber Nacht energetisch auf den neuesten Stand der Technologie bringen. Auch FernwĂ€rme geht nur begrenzt. Der Bestand an Gaskraftwerken mĂŒsse daher dramatisch ausgebaut werden und perspektivisch statt mit Erdgas dann mit Wasserstoff betrieben werden. Kurzum: die Energiewende vor allem unter Ausnutzung der Potentiale des Wasserstoffs wird kommen und auch gelingen, es geht aber a) nicht ĂŒber Nacht und muss b) bezahlt werden.

Energie muss aus der Zukunft heraus gedacht werden

Bislang werden Szenarien entwickelt, wieviel Energie im Jahr 2030, 2040 oder 2050 vorhanden sein soll. WĂ€re es nicht besser, von der Zukunft aus auf das Heute zu schauen? Was muss heute getan werden, um die Ziele erreichen zu können? Schließlich kommen völlige neue EnergieverbrĂ€uche ins Spiel, wenn man zum Beispiel allein die ElektromobilitĂ€t betrachtet. Es geht hierbei um das Profil des Wirtschaftsstandortes Deutschland, um Themen wie die Digitalisierung der EnergiemĂ€rkte (Strom) und die dezentrale Produktion und Nutzung. Gesamtheitliches Denken ist notwendig.

Die Politik macht zwar die Rahmenbedingungen, aber die Wirtschaft setzt die Maßnahmen dann um. Deshalb sollte der Wirtschaft mehr Gestaltungsspielraum gegeben werden, forderten deren Vertreter. Zu viel „falsche“ Regulatorik könne schnell dazu fĂŒhren, dass Unternehmen woanders in der Welt als hier investieren. Bislang gebe es noch zu viele Investitionsblockaden. Zudem werde in anderen Teilen der Welt sachlicher, konsequenter und zum Teil auch rĂŒcksichtsloser vorgegangen.

5 statt 10 GW bis 2030

Die neue Regierung bzw. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat die Potentiale des Wasserstoffs nicht nur erkannt, sondern fördert nun auch den Hochlauf. So soll die wasserstoffbasierte Energieproduktion bis zum Jahr 2030 von geplanten 5 GW auf 10 GW erhöht werden. Klar sei, dass Wasserstoff in den benötigten Mengen erst einmal aus dem Ausland kommen wird, wo die Rahmenbedingungen besser als hier sind. Zudem wird der noch nicht wettbewerbsfĂ€hige Preis fĂŒr grĂŒnen Wasserstoff in der Anfangsphase subventioniert. H2Global ist die hierfĂŒr geschaffene Institution.

Was die Farbe des Wasserstoffs angeht, gibt man sich nun pragmatischer und lĂ€sst u.a. auch den blauen (via Erdgasreformierung) ĂŒbergangsweise als sinnvoll zu, bis die Farbe GrĂŒn ĂŒbernimmt, wobei auch auf den auf Biogas basierenden gelben Wasserstoff gesetzt werden sollte. Weltweit sollen nun VertrĂ€ge ausgehandelt werden, Wasserstoff einzukaufen. Ein solches Beispiel stellt ein Abkommen mit der Ukraine da bzw. ein privatwirtschaftliches Projekt der australischen Firma Fortescue mit der Firma Covestro (100.000 Tonnen grĂŒner Wasserstoff pro Jahr). Die Förderung der Forschung in Sachen Elektrolyse gilt es besondere Aufmerksamkeit zu geben. Mehrfach wurde von verschiedenen Rednern gefordert, Steuern auf Energie zu senken, um Investitionsanreize zu schaffe.

Fazit des sehr informativen, inhaltsvollen Kongresses ist, dass Wasserstoff keine Option ist, sondern ein Muss fĂŒr die Umsetzung der Klimawende. Wichtig dafĂŒr ist, die Umsetzungsgeschwindigkeit zu erhöhen. Wasserstoff wird in immer grĂ¶ĂŸeren Mengen zu immer besseren (niedrigeren) Preisen verfĂŒgbar sein und als handelbare Ware (Commodity) an den EnergiemĂ€rkten der Welt massiv an Bedeutung gewinnen.

Autor: Sven Jösting

Quellenangabe:
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1 Kommentar

  1. Alex S.

    Klar ist,dass die CSU/CDU-Regierung 16 Jahre lang alles verschlafen hat, auf Kosten gieriger Vorstandsbosse und AktionÀre. Die Wirtschaft hat fein mitgemacht.
    Es muss endlich aufhören immer woanders den Gral zu suchen.
    Man sollte jetzt endlich mal die Verantwortung fĂŒr das ĂŒbernehmen was unsere Kinder und Enkel erwarten wird. Das wird nĂ€mlich keine rosige Zukunft werden. Und immer noch werden die nachkommende Generation auf brĂŒllende, brummende, Luft verschmutzende Neandertal-Verbrennermotoren getrimmt.
    Packt jetzt endlich mal die Zukunft an. Es gibt nur den einen Weg: Auf einem gesunden Planeten zu leben.

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