KlimaneutralitÀt ist ohne Wasserstoff nicht machbar

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Von Hydrogeit

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4. November 2021

KlimaneutralitÀt ist ohne Wasserstoff nicht machbar

Interview mit Rainer Baake, Direktor der Stiftung KlimaneutralitÀt

Portrait Rainer Baake, © Stiftung KlimaneutralitÀt
© Stiftung KlimaneutralitÀt

Jahrelang galt Rainer Baake als einer der Ă€rgsten Skeptiker, was die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnik betrifft. In seinen Ämtern als StaatssekretĂ€r im Bundesministerium fĂŒr Wirtschaft und Energie (BMWi; 2014 bis 2018) sowie im Bundesministerium fĂŒr Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU; 1998 bis 2005) machte er sich einen Namen damit, dass gewisse H2-Vorhaben nur bis zu seinem Schreibtisch kamen – aber kaum weiter. Seit einigen Monaten aber sind neue Töne von ihm zu hören, insbesondere seit er im Juli 2020 zum Direktor der Stiftung KlimaneutralitĂ€t ernannt wurde. Aus aktuellem Anlass befragte ihn HZwei ĂŒber die gerade von dieser Stiftung herausgebrachte H2-Studie sowie seine neue Marschrichtung, die – seinen AusfĂŒhrungen nach – gar nicht so neu ist.

HZwei: Sehr geehrter Herr Baake, darf man Sie mittlerweile – nach ĂŒber dreißig Jahren Politikarbeit im Umweltsektor – als Urgestein der Erneuerbare-Energien-Branche bezeichnen?

Baake: Urgestein klingt so statisch und gefÀllt mir daher nicht.

Sie waren einer der ersten hauptamtlichen GrĂŒnen-Politiker in der Umweltverwaltung, haben 2002 das Atomausstiegsgesetz mit auf den Weg gebracht und werden mitunter als „Manager der Energiewende“ bezeichnet. Was war in all diesen Jahren Ihre Motivation, die Sie vorangetrieben hat?

Zusammen mit vielen anderen habe ich mich dafĂŒr eingesetzt, die Gefahren durch die Atomenergie zu beseitigen und eine moderne, klimavertrĂ€gliche Energiewirtschaft aufzubauen.

2018 haben Sie dann selbst um Ihre Entlassung als StaatssekretÀr im Bundeswirtschaftsministerium gebeten. Warum?

Die Vereinbarungen der großen Koalition zum Klimaschutz wurden den Herausforderungen nicht gerecht.

Worum geht es jetzt in Ihrem neuen Amt bei der Stiftung KlimaneutralitÀt?

Ein besserer Klimaschutz braucht wissenschaftlich fundierte Szenarien, Instrumente, mit denen Ziele auch tatsÀchlich erreicht werden, und einen Dialog zwischen den Interessengruppen. Dazu will die Stiftung KlimaneutralitÀt einen Beitrag leisten.

Wie kamen Sie zu diesem Amt? Wurden Sie berufen oder haben Sie sich aktiv beworben?

Ich wurde gefragt.

Bis vor einigen Jahren waren Sie – vorsichtig ausgedrĂŒckt – nicht gut zu sprechen auf Wasserstoff. Einige Vertreter der H2-Branche bezeichneten Sie damals als Bremser oder Hemmschuh, an dem nur schwer vorbeizukommen sei. Sie favorisierten lange Zeit die Idee einer All-Electric-World, also eine komplette Elektrifizierung des Energiesektors inklusive Stromtrassenausbau usw. Heute scheinen Sie etwas offener in Bezug auf Wasserstoff zu sein. Ist das richtig beobachtet?

Die Beobachtung ist falsch. KlimaneutralitÀt ist ohne Wasserstoff nicht machbar. Wir brauchen ihn vor allem als Speichermedium im Stromsektor und als Rohstoff in der Industrie. Der Streit ging und geht immer noch um die Frage, ob wir Wasserstoff auch in den Bereichen einsetzen sollten, wo ein direkter Einsatz von Strom deutlich effizienter ist, also zum Beispiel bei Heizungen und Pkw. In einer Wettbewerbswirtschaft darf das auf eigene Rechnung gerne jeder tun, aber wer staatliche Subventionen einfordert, wird sich der Frage nach der Effizienz nicht entziehen können.

… Lesen Sie mehr in der aktuellen Ausgabe des HZwei

Interviewer: Sven Geitmann

Quellenangabe:
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1 Kommentar

  1. Joe Schmidt

    Zitat:
    “Wir brauchen ihn vor allem als Speichermedium im Stromsektor und als Rohstoff in der Industrie.”
    Dem ist nicht viel hinzuzufĂŒgen und man staunt immer wieder, dass selbst hier im HZwei-Blog die Vision vom “Wasserstoff-PKW” am Leben erhalten wird.

    Passend die Antwort:
    Zitat:
    “In einer Wettbewerbswirtschaft darf das auf eigene Rechnung gerne jeder tun, aber wer staatliche Subventionen einfordert, wird sich der Frage nach der Effizienz nicht entziehen können.”

    ErgÀnzung:
    Nicht entziehen sollte man sich auch der Frage, wann und wo denn der grĂŒne Wasserstoff zu welchen Kosten produziert wird. Heute ist die Basis der Produktion bei ca. 95% allen H2 ein fossiler PrimĂ€renergietrĂ€ger – zumeist Erdgas …

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