HelgolÀnder Visionen

Bildtitel:

Von Hydrogeit





4. November 2021

HelgolÀnder Visionen

GrĂŒner Wasserstoff aus Offshore-Wind-Elektrolyse

Forschungsplattform
Forschungsplattform, © AquaVentus Förderverein

Helgoland könnte kĂŒnftig zum neuen Dreh- und Angelpunkt fĂŒr Offshore-Wasserstoff aus der Nordsee werden. Die Hochseeinsel liegt strategisch gĂŒnstig zentral in der deutschen Bucht, hat eine gute Hafeninfrastruktur und besitzt damit die geeigneten Voraussetzungen fĂŒr einen geplanten H2-Hub samt LOHC-Lieferkette. Im Rahmen der Projektfamilie AquaVentus soll die gesamte H2-Wertschöpfungskette inklusive des Transports zum Festland abgedeckt werden.

GrĂŒner Offshore-Wind-Wasserstoff kommt, wenn es nach den PlĂ€nen der 65 internationalen AquaVentus-Mitglieder geht, kĂŒnftig nicht an Helgoland vorbei. Zu den dortigen Akteuren zĂ€hlen unter anderem Konzerne wie RWE, Shell, Gasunie und Equinor, aber auch das Institut fĂŒr Klimaschutz, Energie und MobilitĂ€t (IKEM). Insbesondere die fossile Energiewirtschaft glaubt mit diesem Projekt ihre Zukunft nachhaltig absichern zu können.

Der Name AquaVentus ist an den ersten deutschen Offshore-Windpark AlphaVentus, der 2010 vor der ostfriesischen Insel Borkum ans Netz ging, angelehnt. Der Förderverein AquaVentus wurde zehn Jahre spĂ€ter, Mitte 2020, gegrĂŒndet und wĂ€chst seitdem stetig. Auch die Gemeinde Helgoland ist dort Mitglied. „Der anhaltende Zuwachs international anerkannter Organisationen aus den fĂŒr uns relevanten Bereichen zeigt, dass AquaVentus mit seiner Vision mittlerweile stellvertretend fĂŒr die Idee steht, grĂŒnen Wasserstoff durch Offshore-Wind-Elektrolyse herzustellen“, frohlockt Jörg Singer, Vorstandsvorsitzender des AquaVentus Fördervereins. Hauptberuflich ist Singer BĂŒrgermeister von Helgoland. Der studierte Wirtschaftsingenieur hat unter anderem in Projekten in China und den USA gearbeitet, bevor es ihn zurĂŒck auf die Insel zog. Die GrĂ¶ĂŸenordnung der AquaVentus-Vision dĂŒrfte aber auch fĂŒr ihn Neuland sein.

Um zu verstehen, was dieses Vorhaben ausmacht, hilft auf alle FĂ€lle das kleine Latinum: AquaPrimus, AquaPortus, AquaDuctus sowie AquaSector beschreiben die vier Teilprojekte, die in der Nordsee geplant sind. Zudem umfasst das Projekt H2-basierte Antriebe fĂŒr verschiedene Schiffstypen, lateinisch AquaNavis, sowie eine Forschungsplattform, kurz AquaCampus genannt.

Den Anfang macht, wie der Name schon vermuten lĂ€sst, AquaPrimus. Im ersten Pilotprojekt sind zunĂ€chst zwei Offshore-Wind-H2-Turbinen im KĂŒstenmeer vor dem felsigen Eiland geplant. Dabei wird der Elektrolyseur am Fuße des Windrades installiert. Die beiden Pilotanlagen mit 14 MW Leistung werden spĂ€ter via Pipeline (AquaDuctus) ans Offshore-Testfeld AquaCampus sĂŒdlich von Helgoland angebunden. Der einjĂ€hrige Probebetrieb könnte ab 2025 starten und dient zur Vorbereitung der Serienreife. Im spĂ€teren Regelbetrieb versorgen die beiden 14-MW-Anlagen dann Helgoland mit Wasserstoff. Langfristig werden sich noch entscheiden, ob der grĂŒne Wasserstoff aus dem geplanten Park von AquaSector mit 300-MW-Elektrolyseleistung in genau dieser Weise dezentral erzeugt werde oder ĂŒber eine zentrale Lösung durch eine Elektrolyseplattform im Park, erklĂ€rt Sprecherin Benita Stalmann. Beide Versionen seien derzeit denkbar.

Aufbau eines 300-MW-Elektrolyseurs

Zu den Teilprojekten AquaDuctus und AquaSector wurden bislang zwei Machbarkeitsstudien beauftragt. Bei letzterer wollen RWE, Shell, Gasunie und Equinor das Potenzial fĂŒr den ersten großen Offshore-H2-Park untersuchen lassen. Mit AquaSector sollen rund 300 MW Elektrolyseleistung installiert werden. Genug, um bis zu 20.000 Tonnen grĂŒnen Wasserstoff pro Jahr auf See zu erzeugen. DafĂŒr braucht es entsprechend viel grĂŒnen Strom. Zum Vergleich: Ende 2020 waren laut Übertragungsnetzbetreiber Tennet in der deutschen Nord- und Ostsee insgesamt rund 7,8 GW an Offshore-Windpower installiert.

Windstrom von der hohen See hat eine immer wichtigere Bedeutung fĂŒr die Energiewende hierzulande. Im ersten Halbjahr 2021 betrug die vom Übertragungsnetzbetreiber von der deutschen Nordsee an Land ĂŒbertragene Windenergie rund 9,7 TWh. Damit stieg der Anteil des Nordseestroms an der gesamten Windstromerzeugung auf 16,6 Prozent. Das sind immerhin 6,6 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2020. FĂŒr die gesamte Energiewende wird allerdings noch deutlich mehr grĂŒner Strom benötigt, als sich das Bundeswirtschaftsministerium von Peter Altmaier lange eingestanden hat. Er hat zwar den im Jahr 2030 erwarteten Bedarf mittlerweile von 590 TWh auf 645 bis 665 TWh erhöht, aber viele Experten und auch der Branchenverband Erneuerbare Energien (BEE) schĂ€tzen dies immer noch als viel zu niedrig ein.

… Lesen SIe mehr in der aktuellen Ausgabe des HZwei

Autor: Niels Hendrik Petersen

Quellenangabe:

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

preloader