Wasserstoffgipfel beim Handelsblatt

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Von Hydrogeit

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1. Juli 2021

Wasserstoffgipfel beim Handelsblatt

Der Druck zur Realisierung einer Wasserstoffwirtschaft kommt aus der ganzen Welt – auch getrieben durch die DekarbonisierungsplĂ€ne verschiedenster LĂ€nder und Unternehmen. Dies zeigte ganz deutlich auch der Wasserstoffgipfel, den das Handelsblatt am 26. und 27. Mai 2021 in digitaler Form abgehalten hat. Ein zentrales Thema war auch dort die Farbenlehre. Dazu sagte Dr. Andreas Opfermann, Executive Vice President Linde plc*, sinngemĂ€ĂŸ: GrĂŒn, blau oder grau – egal welche Farbe –, Hauptsache, es geht schnell voran.

Als Beispiel nannte er SĂŒdkorea, wo in der Öffentlichkeit viel mehr Offenheit fĂŒr das Thema Wasserstoff vorherrsche als hier in Deutschland. Der Blick richtete sich auch des Öfteren in den Nahen Osten, wo LĂ€nder wie Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien zukĂŒnftig wohl grĂŒnen Wasserstoff fĂŒr 1,5 US-Cent pro KWh herstellen werden. Einhellige Meinung war, dass die Elektrolyseure dahin gehören, wo der Strom gĂŒnstig ist, um damit dann Wasserstoff produzieren und diesen entweder vor Ort nutzen oder per Pipeline beziehungsweise in Form von Ammoniak oder Methan via Schiff exportieren zu können.

Prof. Reimund Neugebauer, PrĂ€sident der Fraunhofer-Gesellschaft, mahnte, man mĂŒsse die Chancen und auch die Herausforderungen sehen, die im Wasserstoff steckten, da es jetzt um die Skalierung der Technologien gehe, um zu einer nachhaltigen Wirtschaft zu gelangen. Anzustreben sei, dass die damit verbundene Wertschöpfung nach Möglichkeit hier in Deutschland wie auch in Europa generiert werde. Aus Demonstrationsprojekten (Reallaboren) mĂŒssten Industrieparks erwachsen. Dabei mĂŒsse klar sein, dass der Übergang dauere und auch Erdgas noch eine Zeit lang mit einbezogen werden mĂŒsse.

Der Gipfel zeigte, dass sich weltweit mittlerweile 75 Staaten darauf verstĂ€ndigt haben, bis 2050 klimaneutral zu sein, 50 fĂŒhrende Industrienationen haben eigene H2-Strategien aufgesetzt. Parallel entstehen derzeit viele Energiepartnerschaften (Joint Ventures) und globale Allianzen, wie jĂŒngst zwischen Shell und Daimler Truck. Erste große MĂ€rkte werden bereits von der Industrie adressiert (Chemie, Grundstoffindustrie, Zement, Stahl), gefolgt von der Nfz-MobilitĂ€t (zunĂ€chst Lkw, dann Schiffe, spĂ€ter Flugverkehr). Diese könnten erst einmal nur mit blauem Wasserstoff in den notwendigen Mengen bedient werden, so der Tenor. Erdgas dĂŒrfte ein wichtiger EnergietrĂ€ger bleiben, wird aber die Kohle immer mehr ersetzen.

Die Regulatorik ist ein weiteres Feld: So wurden von den geplanten Investments in den Komplex Wasserstoff in Deutschland in Höhe von 9 Mrd. Euro bislang gerade mal 3 Mio. Euro abgerufen. UnabhĂ€ngig davon muss aber auch der Verbraucher BerĂŒcksichtigung finden, der ĂŒber höhere CO2-Kosten belastet wird. An die Politiker gerichtet kam von einigen Vorstandsvorsitzenden von DAX-Unternehmen der Hinweis, dass die ganze Debatte mehr Realismus brauche, da große Mengen an Wasserstoff aus dem Ausland importiert werden mĂŒssten, was fĂŒr die deutsche Wirtschaft enorme Chancen auf den WeltmĂ€rkten bedeute. Was allerdings derzeit fehle, sei das Fachpersonal.

Oft genannt wurde der Begriff „Technologieoffenheit“, denn diese werde notwendig sein, um sich nicht selbst bei technischen Lösungen und neuen Sichten zu blockieren. Zudem werde weniger BĂŒrokratie benötigt, um schneller agieren zu können. DafĂŒr mĂŒsse die Politik lernfĂ€higer werden, um das Thema Wasserstoff und Klimawandel konstruktiver und schöpferischer angehen zu können. GrĂŒner Wasserstoff ist nicht Champagner, sondern wird zum Tafelwasser in allen notwendigen Mengen und MĂ€rkten – und das vielleicht schneller, als man denken mag.

Autor: Sven Jösting

*: Name und Firmierung korrigiert am 2.7.2021

Quellenangabe:

1 Kommentar

  1. Joe Schmidt

    “… wo LĂ€nder wie Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien zukĂŒnftig wohl grĂŒnen Wasserstoff fĂŒr 1,5 US-Cent pro KWh herstellen werden.”
    Also das ist doch wohl eine etwas forsche Fehlinterpretation der Tatsache, das das niedrigeste Auktionsgebot fĂŒr Solarstrom bei einer Auktion ca. 1,5US-Cent/kWh betrug.
    Das sind die 1,5US-Cent/kWh also die minimalen Stromkosten – nicht aber die Herstellungskosten fĂŒr grĂŒnen Wasserstoff.
    Denn irgendwer muss doch wohl die Wasseraufbereitung und die Elektrolyseure ebenso wie Lagerung und den Transport des Wasserstoffes bezahlen – oder liege ich hier falsch?

    Wenn sich mittlerweile 75 Staaten darauf verstĂ€ndigt haben, bis 2050 klimaneutral zu sein, werden diese Staaten genau schauen, wo sie mit ihren verfĂŒgbaren EE die schnellste /effizienteste Dekarbonisierung erreichen können. Wasserstoff kann da ein Baustein sein und es gilt ja auch, den heute schon benötigten (fossilen, grauen) Wasserstoff umzustellen.

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