Die grĂŒnen Technologien mĂŒssen raus aus der Weltverbesserungsecke

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26. Juli 2012

Die grĂŒnen Technologien mĂŒssen raus aus der Weltverbesserungsecke

Gastkommentar von Matthias Putzke

Ein Jahr nach Fukushima ist die Energiewende nicht vorangekommen gekommen. Dabei ist sie wichtiger denn je. Die Geschichte hat gezeigt, dass ein einziger Atomunfall ganze Landstriche fĂŒr lange Zeit unbewohnbar macht. UrsprĂŒnglich war der Kernenergie der Platz als BrĂŒckentechnolgie zugedacht auf dem Weg zum Zeitalter der erneuerbaren Energien.
Durch die eingelĂ€utete Energiewende sind die Karten neu gemischt. Um die ambitionierten Klimaziele der Bundesrepublik zu erreichen wird nun immer klarer: Energieeffizienz wird die eigentliche BrĂŒckentechnologie, wĂ€hrend die Gewinnung von erneuerbaren Energien weiter ausgebaut wird.
Doch damit das gelingt, muss die zentrale Frage beantwortet werden: Warum will er nicht anspringen, der Energieeffizienzmotor? Alles ist im Prinzip vorhanden: marktreife Technologien, gesetzliche Rahmenbedingungen, Fördermittel, Finanzierungsmodelle. Einzig der Unternehmer ziert sich, so scheint es.
TatsĂ€chlich verhĂ€lt er sich, wie er es immer getan hat: wie ein guter Kaufmann. Die Ressource Kapital ist bekanntlich knapp im Firmen. Der Unternehmer muss die LiquiditĂ€t optimal einsetzen, um sich zu erneuern und Marktanteile zu gewinnen. Dabei muss er selbstverstĂ€ndlich auch aufs Sparen achten. Warum nicht auch bei der Energie, der oftmals noch einzigen verbliebenen Stellschraube im Unternehmen? Im Prinzip wĂ€re er sogar dazu bereit, die Firmen-Energiebilanz beleuchten zu lassen, wĂ€re da nicht das Dilemma mit dem knappen Geld. Ein Unternehmer, der vor die Wahl gestellt wird, investiere ich in eine neue Maschine, die meinem Betrieb mehr Umsatz bringt oder in eine Energieeffizienztechnologie, mit der ich mehr Einsparungen erziele, wird sich immer fĂŒr die Erweiterungsinvestitionen entscheiden. GĂŒnstige Rechnungen ĂŒber Lebenszykluskosten, interner Zinsfuß, hohe Renditen fallen dem Diktat des Unternehmenszweckes zum Opfer.
DafĂŒr den Staat verantwortlich zu machen, ist zu kurzsichtig gedacht. Zwar schreit die Branche stĂ€ndig nach einer einheitlichen Energieeffizienzstrategie, um Planungssicherheit zu erzielen. Jedoch erkennt man bei genauerem hinsehen, dass es durchaus eine Vielzahl interessanter Instrumente gibt. So fördert die KfW zum Beispiel unabhĂ€ngige Energieeffizienzberatungen mit bis zu 80 Prozent. Das ist das wohl am höchsten subventionierte Programm der Bundesregierung. DarĂŒber hinaus werden den Unternehmen zinsgĂŒnstige Kredite angeboten und Einzelmaßnahmen, wie besondere Förderung in KWK (KraftwĂ€rmekopplung).
Jedoch liegen die durchschnittlichen Amortisationszeiten zwischen fĂŒnf bis acht Jahren, in AbhĂ€ngigkeit von der jeweiligen Technologie und den Rahmenbedingungen im Unternehmen. Viel zu lange, sagen die Unternehmen. In maximal 2 Jahren mĂŒssen sich diese Investitionen amortisiert haben.
FĂŒr Investitionen in Energieeffizienz steht weniger LiquiditĂ€t zur VerfĂŒgung, und sie mĂŒssen sich schneller amortisieren als Erweiterungsinvestitionen. Die Schmerzgrenze im Markt scheint sich zwischen drei bis fĂŒnf Jahren einzupendeln. Genau hier muss der Hebel angesetzt werden. Und da können wir aus der Historie lernen. Nehmen wir das erfolgreiche Programm des Aufschwung Ost: Sonder AFA 50. Diese diente dem Ziel, den GebĂ€udebestand in den Neuen BundeslĂ€ndern zu modernisieren, dies schneller zu erreichen und mehr LiquiditĂ€t zu absorbieren. Wunderbar hat dies funktioniert.
Das gleiche Prinzip könnte auch im Bereich Energieeffizienz gelten: Werden dem Unternehmen zweckgebundene Steuererleichterungen beziehungsweise Sonderabschreibungen fĂŒr Investitionen in Energieeffizienz geboten, gĂŒnstigstenfalls flankiert mit zinsgĂŒnstigen Krediten, sinken die Amortisationszeiten erheblich. Der Break-even wĂ€re schneller erreicht und der Cashflow steigt. Und noch weiter gedacht: Sollten die erzielten Einsparungen vom gesamtunternehmerischen Cashflow abgekoppelt und wieder in Energieeffizienz re-investiert werden, könnte der steuerliche Anreiz weiter zunehmen. Somit wĂŒrde sich die permanente Energiereduktion selber tragen, und es wĂ€re möglich, dies solange fortzusetzen, bis das Unternehmen KlimaneutralitĂ€t erreicht hat. Zwar mit Anschub, aber aus eigener Kraft. Das fĂŒhlt sich fĂŒr einen Firmenchef, insbesondere fĂŒr den jetzigen Typus des unternehmerischen Entscheiders, besser an als die Botschaft, das morgen die Welt untergeht, wenn er nicht endlich umdenkt.
Jedoch ist das Ganze vor allem ein langfristig angelegtes Zukunftsunterfangen, das vielleicht erst in der nĂ€chsten Unternehmergeneration automatisiert lĂ€uft. Daher gilt es, die „Chefs von morgen“ auf die Thematik vorzubereiten. Wahrscheinlich wird die Generation Facebook nachhaltigere Überlegungen in Ihre Entscheidungen einbeziehen als nur Rendite und Amortisationszeiten. Somit ist es wichtig, das Thema Energieeffizienz frĂŒhzeitig in Lern- und Ausbildungskonzepte einzubinden. Eine jede Ausbildung, zumindest jene fĂŒr energieintensive Berufe, sei es Koch oder Maschinist, sollte ein Fach Energie einfĂŒhren. Und das nicht nur fakultativ. Das ist von heute auf morgen nicht erreichbar, sondern in der Tat eine Generationsfrage. Solange jedoch Kinder denken, der Strom kommt aus der Steckdose, gibt es hier noch viel zu tun.
Bliebe zum Schluss noch die Kampagne. Das, was Solar und nun die ElektromobilitĂ€t geschafft haben, muss auch der Energieeffizienz gelingen. Sie muss sexy und begehrenswert werden. Klar, Effizienz klingt nicht gut. Darin schwingt das Wort sparen mit. „Den GĂŒrtel enger schnallen“ will niemand, wenn es nicht wirklich nötig ist. Daher gilt es, dies umzudrehen. Positive Botschaften mĂŒssen animieren mitzumachen: Wer sich beispielsweise der Energiepiraterie entsagt und Strom sowie Gas nicht verschwendet, ein StĂŒck die Welt rettet, und dass dies auch noch Spaß macht. Es ist an der Zeit, den effizienten grĂŒnen Technologien den Weg freizurĂ€umen, um sie aus der Weltverbesserungsecke rauszuholen. Ich bin mir sicher, dass sich in der Kreativwirtschaft jemand dafĂŒr finden wird. Wenn es uns gelingen soll, Energieeffizienz – oder nehmen wir gleich das schönere Wort EnergieproduktivitĂ€t –, in den Köpfen zu verankern, muss es uns gelingen, daraus einen Mainstream zu machen. Photovoltaik hat es vorgemacht, ElektromobilitĂ€t ist auf dem richtigen Weg, Energieeffizienz kann es schaffen. Nicht nur zum Wohle der Menschen in Fukushima, sondern zu unser aller Wohl.
Der Autor ist GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Energieberatungsunternehmen erĂ­o energy consulting, Berlin.

Quellenangabe:

Wasserstoff ist ein Megatrend

Das Thema Wasserstoff hat es in den vergangenen Jahren aus der Nische auf die große politische BĂŒhne geschafft. Nicht nur in...

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3 Kommentare

  1. Arno A. Evers

    dankeschön, Herr Putze,
    was wollen Sie bitte damit jetzt sagen? ich verstehe es nicht, bei bestem Willen…
    aber vielen Dank fĂŒr Ihre BemĂŒhungen.
    Arno A. Evers mit sonnigen GrĂŒssen aus Spanien

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  2. Matthias Putzke

    Hallo Herr Evers,
    unserer Interpretation nach sind es “lediglich” die noch fehlenden Scaleneffekte die den Durchbruch der ElektromobilitĂ€t verhindern. Die Technolgien als auch die Produkte werden vom Endkunden weithin akzeptiert. Sie sind nur noch zu teuer.
    Als kleines Gegenbeispiel: Ein BHKW kann noch so hohe Renditen erzielen und wirtschaftlich sein, die Akzeptanz beim Endkunden ist nicht oder nur unzureichend vorhanden.
    Beste GrĂŒĂŸe,
    Matthias Putze

    Antworten
  3. Arno A. Evers

    Hallo, Herr Putzke, vielen Dank fĂŒr Ihren Gastkommentar hier.
    Bitte erlauben Sie ein Frage:
    Woran machen Sie z.B. fast, das:
    die ElektromobilitÀt auf dem richtigen Weg ist?

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