Wasserstoff als chemischer Energiespeicher

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11. Mai 2012

Wasserstoff als chemischer Energiespeicher

Wasserstoff als chemischer Speicher fĂŒr eine zukĂŒnftige Energiewirtschaft – ĂŒber dieses Thema haben am 8. und 9. Mai 2012 rund 150 Teilnehmer im Rahmen des Deutschen Wasserstoffkongresses diskutiert. Gastgeber in der Landesvertretung des Landes Nordrhein-Westfalen in Berlin war die EnergieAgentur.NRW, die diese Veranstaltung gemeinsam mit dem Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband (DWV) organisierte.
Das Programm war weniger technisch, sondern eher energiepolitisch ausgerichtet. Dr. Frank-Michael Baumann, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der EnergieAgentur.NRW, begrĂŒndete dies in seiner BegrĂŒĂŸungsrede mit den Worten: „Wir haben bewusst den Schwenk von der Wissenschaft in die Wirtschaft vorgenommen, denn der Wasserstoff ist unserer Meinung nach mittlerweile in der Wirtschaft angekommen.“ In diesem Sinne erhielt am ersten Veranstaltungstag insbesondere die Energiewirtschaft das Wort, um aus ihrer Sicht die Bedeutung und Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff als Energiespeicher darzustellen.
Als erster Referent trat allerdings zunĂ€chst Jochen Flasbarth, PrĂ€sident des Umweltbundesamtes, an das Rednerpult. Dieser kam nicht umhin, vorauszuschieben, dass „das UBA gar nicht mehr so gegen Wasserstoff eingestellt ist“, wie es noch vor Jahren der Fall war. Anschließend befasste sich Flasbarth mit der Zielvorgabe, bis zum Jahr 2050 die CO2-NeutralitĂ€t im Stromnetz zu erreichen. DafĂŒr sei eine langfristige Planung notwendig: „35 % Erneuerbare-Energien-Anteil in 2020 werden sicher erreicht, vielleicht sogar 40 %.“ FĂŒr die Zeit danach werde aber die zentrale Frage sein: „Schaffen wir es, geeignete Energiespeicher zur VerfĂŒgung zu stellen?“ Wasserstoff und spĂ€ter dann auch Methan bescheinigte er dafĂŒr ein großes Potential: „Wir glauben, dass mit diesen chemischen Speichern die wesentlichen EngpĂ€sse in Deutschland zu meistern sind.“
DemgegenĂŒber gab Dr. Oliver Weinmann, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Vattenfall Europe Innovation GmbH, zu bedenken: „Der Markt gibt es nicht her, dass heute in chemische Speicher investiert wĂŒrde. Das wird sich auch in de nĂ€chsten zwei, drei oder vier Jahren nicht Ă€ndern.“ Er baut deswegen auf vier SĂ€ulen, um erneuerbare Energien noch besser ins Netz integrieren zu können, von denen die erste die Erweiterung des Stromnetzes ist: „Ohne Netzausbau wird es nicht gehen.“ Die zweite SĂ€ule ist fĂŒr ihn die Optimierung konventioneller Technik. Als Drittes nannte Weinmann Smart Grids sowie Lastmanagement und als Viertes geeignete Energiespeicher.
FĂŒr den alten und neuen DWV-Vorsitzenden Dr. Johannes Töpler ist „Wasserstoff nicht nur ein Faktor in einer zukĂŒnftigen Energiewirtschaft, sondern auch ein Vektor, der die Richtung anzeigt, in die die Entwicklung geht“. Derzeit scheint allerdings noch offen zu sein, wann diese Zukunft RealitĂ€t werden könnte. Erste Demonstrationsprojekte laufen zwar derzeit an, bis diese Technologie jedoch energiewirtschaftlich von Bedeutung werden kann, dĂŒrften noch etliche Jahre vergehen. Bis dahin mĂŒssen zunĂ€chst Elektrolyseure weiter erprobt und anschließend in entsprechender StĂŒckzahl beziehungsweise GrĂ¶ĂŸe produziert werden.
Am zweiten Tag kam dann als Eröffnungsredner Udo Paschedag, der StaatssekretĂ€r im Klimaschutz- und Umweltministerium von Nordrhein-Westfalen, zu Wort, der erklĂ€rte: „Die NRW-Landesregierung ist davon ĂŒberzeugt, dass Wasserstoff ein wichtiger Faktor in der kĂŒnftigen Energiewirtschaft sein wird und wird deshalb die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie weiterhin unterstĂŒtzen.“ Paschedag konkretisierte auch gleich die Art dieser UnterstĂŒtzung und nannte beispielsweise Steuerbefreiungen fĂŒr den Strom, der zur Wasserstofferzeugung genutzt wird: „Hier bedarf es eines Marktprogramms. [
] Hier muss geklotzt, nicht gekleckert werden.“ Angesichts derartiger Äußerungen zeigte sich dann auch Frank-Michael Baumann zuversichtlich, dass seine Arbeit bei der EnergieAgentur.NRW auch nach den Wahlen vom 14. Mai 2012 unverĂ€ndert fortgefĂŒhrt werden könne.
Insgesamt konnte der Kongress angesehen werden als geeignete BĂŒndelung der bisherigen AnsĂ€tze zum Thema „H2 als Energiespeicher“, die im Jahr 2008 mit der VDE-Studie ihren Anfang gefunden hatten. Seitdem hat es wiederholt Workshops, Studien sowie erste Demonstrationsprojekte gegeben, die Ende 2011 in die GrĂŒndung der Plattform performing energy mĂŒndeten. Nun gilt es, die Technik und die GeschĂ€ftskonzepte so weit zu entwickeln, dass sie den Einsatz von Wasserstoff als Energiespeicher auch wirtschaftlich interessant machen. Nach Aussage von Ulrich BĂŒnger vom LBST ist das Erreichen dieses Ziels noch vor 2025 wĂŒnschenswert.

Quellenangabe:

JCB erreicht H2-Meilenstein

Der britische Land- und Baumaschinenhersteller JCB hat im MĂ€rz 2023 die Produktion seines fĂŒnfzigsten H2-Verbrennungsmotors...

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