Wenig Interesse an ElektromobilitĂ€t in der Öffentlichkeit

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10. Februar 2012

Wenig Interesse an ElektromobilitĂ€t in der Öffentlichkeit

Von der Bundesregierung werden Steuermittel in erheblichem Umfang zur VerfĂŒgung gestellt, die den strukturellen Wandel im Verkehrssektor hin zu einer nachhaltigen MobilitĂ€t unterstĂŒtzen sollen. Eines dieser Instrumente, die die Forschung und Entwicklung, aber auch Demonstrationsprojekte im Bereich der ElektromobilitĂ€t voranbringen sollen, ist der Nationale Entwicklungsplan ElektromobilitĂ€t. Aber weiß denn der Steuerzahler, wofĂŒr sein Geld investiert wird? Gibt es seitens des NormalbĂŒrgers ĂŒberhaupt ein Interesse an dieser Technologie? Was denken die Leute, die spĂ€ter mal die Elektrofahrzeuge kaufen sollen, heute ĂŒber diese Antriebstechnik? Die eTrust-Studie hat ĂŒber ein Jahr lang untersucht, ob diese BemĂŒhungen beim Verbraucher FrĂŒchte getragen haben. Das ernĂŒchternde Ergebnis lautet: Den Menschen ist bislang noch nicht klar, welchen persönlichen Mehrwert sie von der ElektromobilitĂ€t haben.
Das Thema ElektromobilitĂ€t ist in den vergangenen Jahren aus den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der großen Konzerne und den Labors der öffentlich geförderten Forschung herausgekommen und auf eine politische BĂŒhne gehoben worden. Durch diese grĂ¶ĂŸere Öffentlichkeit, aber auch durch die bevorstehende Möglichkeit, erste Elektroautos tatsĂ€chlich kaufen zu können, wurde diese Thematik auch in der deutschen Bevölkerung zunehmend prominenter. Bei aller gegenwĂ€rtigen Euphorie ĂŒber die Vorteile und Zukunftsperspektiven der ElektromobilitĂ€t gilt es jedoch, die unmittelbaren technologischen, politischen und nachfrageseitigen Umsetzungsbedingungen nicht aus den Augen zu verlieren. Ganz so einfach, wie der derzeitige „Hype“ um Elektrofahrzeuge mitunter suggerieren mag, ist der Umstieg im MobilitĂ€tssektor nicht. Batteriehersteller, Autoindustrie und Energieversorger benötigen noch einige Jahre, bis die Fahrzeug- und Batterietechnologien technisch ausgereift und bezahlbar fĂŒr einen Massenmarkt zur VerfĂŒgung stehen und ein Netz von Ladestationen aufgebaut ist. Insbesondere die Akzeptanz seitens der zukĂŒnftigen Nutzerinnen und Nutzer wird entscheidend fĂŒr die Entwicklung eines elektromobilen Massenmarktes sein.
Ziel der Studie „eTrust – Leitbilder und Zukunftskonzepte der ElektromobilitĂ€t“ war es deshalb, die Wahrnehmung der ElektromobilitĂ€t in der Gesellschaft zu analysieren sowie die heute bestehenden Leitbilder und Zukunftskonzepte der ElektromobilitĂ€t herauszuarbeiten. Evaluiert wurde dabei, in welchen Kontext Elektroautos und neue MobilitĂ€tskonzepte eingeordnet werden, welche Bilder damit verbunden werden und welche Herausforderungen sich fĂŒr die Etablierung von Elektrofahrzeugen ergeben könnten. Um die Akzeptanz von Elektroauto und neuen MobilitĂ€tskonzepten bei Endkunden zu hinterfragen, wurden in der eTrust-Studie einstĂŒndige Tiefeninterviews mit 24 BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern gefĂŒhrt. Weitere 15 BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern nahmen an zwei Fokusgruppendiskussionen teil.
Die Studie wurde von April 2010 bis Juni 2011 im Auftrag des Bundesministeriums fĂŒr Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) erstellt und durch die Nationale Organisation fĂŒr Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) GmbH koordiniert. Das UnabhĂ€ngige Institut fĂŒr Umweltfragen e.V. fĂŒhrte das eTrust-Projekt gemeinsam mit dem Institut fĂŒr Transportation Design der Hochschule fĂŒr Bildende KĂŒnste Braunschweig und der Spilett New Technologies GmbH durch.
Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass BĂŒrgerinnen und BĂŒrger noch nicht von der Technologie ĂŒberzeugt sind. Werden sie beispielsweise gebeten, ihre Assoziationen zu Elektroautos zu Ă€ußern, fallen ihnen als erstes negative Dinge ein. BemĂ€ngelt werden die langen Ladezeiten, die zu geringe Reichweite, die hohen Kosten von Elektrofahrzeugen und das fehlende Tankstellennetz. Negative Assoziationen sind prĂ€senter, vielfĂ€ltiger und konkreter als die positiven Assoziationen. Der primĂ€r wahrgenommene Vorteil des Elektroautos ist seine Umweltfreundlichkeit. Doch wie umweltfreundlich das Fahrzeug tatsĂ€chlich ist, hĂ€ngt von der Herkunft des eingesetzten Stroms ab.
Auch mögliche Probleme beim Batterie-Recycling beeintrĂ€chtigen aus BĂŒrgersicht die Umweltfreundlichkeit von Elektroautos. Es wird befĂŒrchtet, dass viele Batterien gar nicht zu recyceln sind, und die Gefahr gesehen, dass Altbatterien in die Dritte Welt „entsorgt“ werden. Die bestehenden Unsicherheiten zu Stromherkunft und Batterie-Recycling sind ein Problem, weil damit der Hauptvorteil der Elektroautos, die Umweltfreundlichkeit, auf tönernen FĂŒĂŸen steht. ErwĂ€hnenswert ist weiterhin, dass die Sicherheit von Elektrofahrzeugen und LadesĂ€ulen kein nennenswertes Problem fĂŒr die Akzeptanz zu sein scheint.
Die positiven Eigenschaften der ElektromobilitÀt rufen zudem auf der Seite der Endkunden kaum Kaufbegeisterung hervor. Es fehlen die persönlichen Vorteile sowohl auf der pragmatischen als auch auf der emotionalen Ebene. In der Wahrnehmung potenzieller Endkunden eignen sich Elektroautos aufgrund ihrer Kleinheit und ihrer begrenzten Reichweite weder als Transport- noch als Langstreckenfahrzeug, sondern allenfalls als Stadt- oder Zweitauto.
DarĂŒber hinaus werden Elektroautos kaum mit positivem FahrgefĂŒhl, Spaß und Ästhetik in Verbindung gesetzt. Sie werden als „lahme KrĂŒcke“, „Behindertenmobil“ und „Spielzeug, das nicht vom Hof kommt“, beschrieben.
Ganz offensichtlich ist es bis jetzt nicht gelungen, der breiten Bevölkerung eine klare, positive Vorstellung zum FahrgefĂŒhl, Fahrspaß oder Design zu vermitteln. Ein solcher unmittelbar persönlicher Mehrwert könnte jedoch fĂŒr die Beurteilung von Elektroautos und letztlich fĂŒr die Kaufmotivation große Bedeutung haben. Hier erscheint es notwendig, Endkunden sehr viel mehr als bislang Gelegenheiten zu bieten, in denen sie Elektroautos unter Alltagsbedingungen „er-fahren“ können.
In den Ergebnissen der Studie zeigt sich, dass die ElektromobilitĂ€t in der Gesellschaft nicht abgelehnt und vor allem mit Umweltfreundlichkeit, Emissionsfreiheit und weniger LĂ€rm verbunden wird. Die Begeisterung fĂŒr Elektrofahrzeuge hĂ€lt sich jedoch in Grenzen. Verglichen mit den Fahreigenschaften herkömmlicher Automobile schneiden Elektrofahrzeuge in den Augen von Endkunden eher schlecht ab. Diesen sind die Reichweiten zu kurz und die Ladezeiten zu lang. Außerdem wird Umweltfreundlichkeit nicht primĂ€r als persönlicher Nutzen wahrgenommen.
Wenn es das Ziel ist, dass die ElektromobilitĂ€t in der Gesellschaft angenommen werden soll, lĂ€sst sich auf der Basis der eTrust-Studie sagen: In Zukunft muss bei den Menschen klarer ankommen, was der Mehrwert von ElektromobilitĂ€t ist, um die oben genannten Unsicherheiten abzubauen. Es muss nicht nur transparenter sein, was ElektromobilitĂ€t fĂŒr die Umwelt bedeutet. Es mĂŒssen vielmehr die potentiellen Nutzer informiert sein, welchen unmittelbaren sachlichen und emotionalen Nutzen ElektromobilitĂ€t ihnen bringt, das heißt welche MobilitĂ€tsbedĂŒrfnisse damit befriedigt werden können. Die große Herausforderung besteht darin, das Umweltargument zu stĂ€rken, indem die Unsicherheiten geklĂ€rt und fĂŒr die Allgemeinheit verstĂ€ndlich kommuniziert werden – ohne dass vereinfachende Lösungen und platte Werbebotschaften geboten werden, die weder den BĂŒrgern noch dem Problem gerecht werden.
Auszug des Fachberichts „Zwischen Hope und Hype“ von Dr. RenĂ© Zimmer und Nicole LĂŒdi-Geoffroy vom UnabhĂ€ngigen Institut fĂŒr Umweltfragen e.V. (UfU), erschienen in der HZwei, Januar 2012

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