Ballard Power – Buy on bad news

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5. Mai 2021

Ballard Power – Buy on bad news

Ja, Sie hören und Sie lesen richtig: Der aktuell sehr schwache Börsenkurs angesichts der Zahlen fĂŒr das erste Quartal 2021, die eindeutig nicht den Erwartungen entsprachen, könnte die Wende bei der AbwĂ€rtstendenz der Kursentwicklung einleiten: Vermeintlich schlechte Nachrichten als Basis fĂŒr den Neu- und Zukauf der Aktie. Denn Ballard arbeitet an diversen Kooperationen, aus denen Gemeinschaftsunternehmen (Joint Ventures) entstehen können und werden, so wie zuletzt die AnkĂŒndigung einer Partnerschaft mit Linamar, einem kanadischen Kfz-Zulieferunternehmen mit ĂŒber 26.000 Mitarbeitern und einem Umsatz in Höhe von ĂŒber 7,5 Mrd. US-$.

Gemeinsam wollen Ballard und Linamar Brennstoffzellenantriebssysteme (Powertrains) unter anderem fĂŒr leichte Lkw (bis 5 Tonnen) entwickeln, aber auch Komplettsysteme fĂŒr Pkw und SUV produzieren – wozu auch H2-Tanks zĂ€hlen. Das da nicht sofort UmsĂ€tze generiert werden, liegt auf der Hand.

Ähnlich verhĂ€lt es sich bei dem Joint Venture mit Mahle oder auch mit Siemens, ABB und anderen – potentiell auch mit Honeywell. Dies ist die perfekte Positionierung als Basis fĂŒr zukĂŒnftige UmsĂ€tze, AuftrĂ€ge und natĂŒrlich auch ErtrĂ€ge. Die Börse wird dies allmĂ€hlich in die Kursentwicklung einfließen lassen. Die KursĂŒbertreibung im Januar und Februar dieses Jahres nach oben im Kurs ist nun in eine Übertreibung nach unten umgeschlagen.

Die Zahlen fĂŒr das erste Quartal brachten einen Umsatz von nur 17,6 Mio. US-$, was weit von den Erwartungen entfernt lag, denn diese betrugen ĂŒber 26,5 Mio. US-$. Hierbei muss allerdings berĂŒcksichtigt werden, dass Ballard vor allem noch ProjektgeschĂ€ft macht, welches abrechnungstechnisch von Quartal zu Quartal große Schwankungen hat. Der Verlust pro Aktie lag bei 0,06 US-$. Erwartet war ein Minus von 0,05 US-$ pro Aktie. Sehr stark war der Bargeldbestand in Höhe von 1,27 Mrd. US-$ per Ende MĂ€rz.

Mich interessieren allerdings die Zahlen (Umsatz, AuftrĂ€ge u.a.) fĂŒr dieses GeschĂ€ftsjahr nur am Rande, denn es geht vor allem um die Positionierung in diesem neuen, extrem wachstumsstarken weltweiten Markt der Brennstoffzellen und des Wasserstoffs. Wir sprechen im Augenblick von der Entwicklung von Prototypen in diversen Anwendungen. Es geht jetzt um die Skalierungen via Aufbau von ProduktionskapazitĂ€ten. Das dauert natĂŒrlich erst einmal. Dieser Markt in seiner gewaltigen Wachstumsvision beginnt gerade erst.

In China ist zwar das 14. FĂŒnf-Jahresprogramm verabschiedet worden (Ende MĂ€rz) in dem klar festgelegt wurde, dass das Thema Klimawandel und dessen technologische BekĂ€mpfung oberste PrioritĂ€t genießt. Nur fehlen bislang noch die BetrĂ€ge, die Peking da zur VerfĂŒgung stellen wird. Dies wird indes jederzeit erwartet. Ballard hat sich da – so CEO MacEwen – gut positioniert. Seine sechswöchige Reise durch China hat ihn mit diversen potentiellen Zulieferern und Kunden großer Unternehmen sowie BĂŒrgermeistern zusammengefĂŒhrt. Diverse Regionen und deren BZ-H2-Programme haben fĂŒr Ballard sehr großes Auftragspotential fĂŒr das JV mit Weichai.

Randy MacEwan nannte dies die „ frĂŒhe Phase der MarktĂŒbernahme” (early stage of market adoption). Da nehme ich als Beispiel den Markt der Lokomotiven, wo Prototypen u.a. fĂŒr Canadian Pacific (CP) entwickelt werden. Das chinesische Unternehmen verfĂŒgt ĂŒber 1.200 Loks, die innerhalb von 15 Jahren ausgetauscht werden sollen. Auf Nordamerika bezogen sprechen wir von ĂŒber 40.000 Loks, die potentiell via BZ umgebaut/ersetzt werden könnten, wobei Ballard manchen Großauftrag erwarten kann. Dieses Beispiel können in wesentlich grĂ¶ĂŸerem Umfang auch auf Busse, Lkw u.v.a. ĂŒbertragen werden.

Mein Fazit nach dem Studium des gestern Nacht erschienen Transkriptes der Telefonkonferenz zum ersten Quartal: Nicht kirre machen lassen – hier geht gerade ein neuer Megatrend los und Ballard ist ganz vorne mit dabei. Sie mĂŒssen aber noch etwas Zeit fĂŒr das Investment mitbringen, denn dieser Weltmarkt steht gerade in den Startlöchern, wenn man beispielsweise die riesigen Programme sieht, die da auf den Weg gebracht werden. Ballard ist in einigen KernmĂ€rkten wie Lkw, Busse, Schiffe und ZĂŒge an vorderster Stelle mit dabei. Am Rande: Die US-Investmentbank Raymond James hat jĂŒngst wieder eine Kaufempfehlung mit Kursziel 40 US-$ ausgegeben – ich kann mich dem nur anschließen. Und dann gilt die Börsenregel: Buy on bad news – in Erwartung guter Nachrichten in der Zukunft.

Nachtrag vom 8. Mai 2021: Hatte Raymond James noch das Kursziel bei 40 US-$ gesehen, so fand kĂŒrzlich eine Reduzierung auf 25 US-$ statt.

Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen RisikoeinschĂ€tzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre VolatilitĂ€t ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugĂ€nglichen Quellen und stellen, was die EinschĂ€tzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting, 04. Mai 2021

Quellenangabe:

2 Kommentare

  1. Alex S.

    Ich bin da anderer Meinung.
    Gerade wegen der hohen und nicht zu befriedigenden Nachfrage nach BEVÂŽs kann der Siegeszug von grĂŒnem Wasserstoff weiter gehen.
    Es ist nĂ€mlich nur logisch, dass die Bewegung der Ökologen immer grĂ¶ĂŸeren Einfluss bekommt.
    Hinzu kommt, dass immer mehr Rohstoffe fĂŒr Batterien in sinnlos herum fahrenden Plug-in-Hybriden verschwendet werden.
    Das Problem ist dass die Asiaten einen uneinholbaren Vorsprung in der BSZ-Technologie haben, was sie mit bezahlbaren Autos beweisen. Wo ist da die deutsche oder europÀische Ingenieurskunst. Weit, weit weg.
    Schade

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  2. Joe Schmidt

    Zitat:
    “Randy MacEwan nannte dies die „ frĂŒhe Phase der MarktĂŒbernahme””
    Na, da steigen die Erwartungen ja ins Uferlose! Es gibt zwar wenig Fakten, nur einige Prototypen, aber seit Monaten /Jahren wird hier der Siegeszug von mobilem Wasserstoff gepredigt. Da bin ich wirklich gespannt, ob im mobilen Sektor tatsÀchlich so viele Chancen bestehen.
    Ich bin da immer stÀrker im Zweifel, wenn ich mir die batterielektrischen Alternativen anschaue.
    Die Hoffnung liegt auf China. Aber die Chinesen haben schon mehrmals gezeigt, dass sie sehr pragmatisch vorgehen, wenn die Erwartungen nicht erfĂŒllt werden. Die hierzulande unerwartete KĂŒrzung der Subventionen fĂŒr FCEV zeigt m.M.n. eher an, dass die Chinesen die Betriebskosten und die Gesamtbilanz bei Wasserstoff nicht aus den Augen verloren haben.
    Bei weltweit >95% fossiler Erzeugung von H2 und einem Ökostromanteil in China von ca. 23% halte wohl nicht nur ich einen positiven Klimabeitrag von Wasserstoff in China fĂŒr fraglich.
    Die PrÀmissen liegen in China eindeutig auf der Nutzung der EE und dem Ausbau der batterielektrischen MöbilitÀt. Mobiler Wasserstoff wird wohl weltweit allenfalls eine Nische bleiben.
    Je schneller die Branche dies akzeptiert und sich auf die tatsĂ€chlich sinnvollen Einsatzgebiete konzentriert – um so schneller und kontinuierlicher dĂŒrfte die Entwicklung verlaufen.
    Die Basis fĂŒr grĂŒnen Wasserstoff ist regenerativ erzeugter Strom. Der Ausbau der EE ist der SchlĂŒssel fĂŒr die Entwicklung der (grĂŒnen) Wasserstofftechnologien.

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