H2- und BZ-Branche zeigt sich zuversichtlich

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17. Juli 2018

H2- und BZ-Branche zeigt sich zuversichtlich

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Lies, Fuhrmann, Chatzimarkakis und Diwald (v.l.)


Die Stimmung auf dem diesjĂ€hrigen Gemeinschaftsstand Wasserstoff + Brennstoffzellen + Batterien war so gut wie lange schon nicht mehr. Fast alle Akteure aus der H2– und BZ-Branche zeigten sich wĂ€hrend der Hannover Messe vom 23. bis 27. April 2018 Ă€ußerst zuversichtlich und berichteten gut gelaunt ĂŒber neue interessante Projekte sowie ĂŒber konkrete AuftrĂ€ge. Damit stemmte sich die H2– und BZ-Branche quasi allein gegen den allgemein leicht negativen Trend wĂ€hrend der Industrieschau: Denn zur Hannover Messe erschienen insgesamt wieder 210.000 Besucher, genauso viele wie schon 2016, wobei damals keine CeMAT stattgefunden hatte. Das bedeutet, dass die Besucherzahlen gegenĂŒber dem Vergleichsjahr stagnierten, obwohl zehn Prozent mehr Aussteller teilnahmen.
Tobias Renz, der Organisator des H2– und BZ-Gemeinschaftsstandes in Halle 27, hatte sich bereits im Vorfeld gegenĂŒber HZwei begeistert darĂŒber geĂ€ußert, dass dieses Mal nochmals mehr Elektrolyseurhersteller als in den vergangenen Jahren bei ihm ausstellen wĂŒrden. Es waren dann so viele, dass der Elevator-Pitch, der seit Jahren im Technical Forum durchgefĂŒhrt wird, dieses Mal zweigeteilt werden musste.
Bemerkenswert war, dass beispielsweise McPhy …

Großes Marktpotential
Obwohl mittlerweile sehr viele Akteure in Richtung nachhaltige H2-Erzeugung streben, herrscht bislang noch ein ruhiges Miteinander unter den Mitbewerbern. Das dĂŒrfte auch daher rĂŒhren, dass der in Aussicht stehende Markt groß genug ist. Werner Diwald, Vorsitzender des DWV, sprach in Hannover von einem 2.000-MW-Markt fĂŒr Elektrolyseure in Deutschland, der realisierbar wĂ€re, wenn grĂŒner Wasserstoff mit Biosprit gleichgestellt wĂŒrde. Zudem seien die CO2-Vermeidungskosten mit Wasserstoff niedriger als bei Biosprit. Erste Schritte in diese Richtung wurden bis Ende Mai 2018 im Rahmen der Diskussion ĂŒber die RED 2 (Renewable Energy Directive) in BrĂŒssel verhandelt. Ergebnisse standen allerdings zum Redaktionsschluss noch nicht fest.
Auf die Frage, wo denn der per Elektrolyse erzeugte Wasserstoff eingesetzt werden soll, folgt immer hÀufiger die Antwort: In der Stahlindustrie und in Raffinerien

Aber auch die Erdgasreformierung ist lĂ€ngst noch nicht abgeschrieben. Das österreichische Unternehmen Rouge H2 Engineering (RGH2) prĂ€sentierte eine Reformereinheit, die gemeinsam mit drei weiteren in einem 40-Fuß-Container in Ternitz, Niederösterreich, installiert werden soll. Dort soll dieser Prototyp zunĂ€chst ĂŒber drei Monate erprobt und dann bei potentiellen Kunden im Feldtest eingesetzt werden. RGH2-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Florian von Hofen erklĂ€rte gegenĂŒber HZwei, mit dieser Technik sei ein Preis von 3 Euro pro Kilogramm Wasserstoff realisierbar.
AllmÀhlicher Stimmungsumschwung
Auch hinsichtlich der politischen Rahmenbedingungen scheint die Überzeugung bereits weitverbreitet zu sein, dass sich noch wĂ€hrend der aktuellen Legislaturperiode der Bundesregierung tatsĂ€chlich etwas tun wird, damit Elektrolyseure kĂŒnftig wirtschaftlich betrieben werden können. NOW-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Dr. Klaus Bonhoff sagte dazu: „Der Koalitionsvertrag liest sich sehr positiv.“ Immerhin wĂŒrden Wasserstoff und Brennstoffzellen in dem Papier explizit an sieben Stellen erwĂ€hnt, und zwar durchaus mit konkreten Zusagen. Thomas Bareiß, Parlamentarischer StaatssekretĂ€r beim Bundeswirtschaftsminister, forderte sogar öffentlich: „Wir mĂŒssen jetzt in die Umsetzungsphase kommen.“ Angesichts dieses allmĂ€hlichen Stimmungsumschwungs in der Bundesregierung bestĂ€tigte auch Jorgo Chatzimarkakis: „Das scheint sich jetzt zu drehen. Das ist eine sehr gute Nachricht.“
Im Hinblick auf den internationalen Wettbewerb bestĂ€tigte StaatssekretĂ€r Bareiß, dass „die Chinesen jetzt enorm viel in eine Tankstelleninfrastruktur fĂŒr Wasserstoff investieren, was wir auch noch verstĂ€rkt ausbauen mĂŒssen“. Er verwies aber gleichzeitig darauf, …

Zulieferer setzen auf H2– und BZ-Technik
Äußerst wohlwollend nahm die Community zur Kenntnis, dass mittlerweile auch große Automobilzulieferer die Potentiale im BZ-Sektor erkannt zu haben scheinen. Plastic Omnium machte mit seinem Auftritt unzweifelhaft deutlich, dass Brennstoffzellen bei dem französischen Kunststoffverarbeiter, der auch Mitglied des Hydrogen Councils ist, zukĂŒnftig eine SchlĂŒsselrolle einnehmen werden. Der weltweit agierende Großbetrieb hatte in den letzten Monaten neben dem schweizerischen BZ-Hersteller Swiss Hydrogen auch den belgischen Tankproduzenten Optimum CPV sowie das israelische Entwicklungsinstitut PO-CellTech ĂŒbernommen. Das Start-up PO-CellTech war erst Ende 2016 gemeinsam mit dem Elektronikkonzern ELBIT Systems gegrĂŒndet worden. Nach Aussage des Tier-1-Zulieferers kĂŒmmern sich derzeit 130 Mitarbeiter darum, die gesamte Energieumwandlungskette im Fahrzeug vom Tank bis zur Brennstoffzelle inklusive Druckreduzierung und Ventiltechnik sowie Systemmanagement darzustellen.
Auch Faurecia orientiert sich neu: …

Hochdruck an den H2-Stationen
Zur konkreten Verbesserung der Situation an den Wasserstofftankstellen prĂ€sentierte Maximator einen neu entwickelten Hochleistungskompressor, der 100 Kilogramm Wasserstoff pro Stunde fördert, weitaus mehr als bislang ĂŒblich. Zudem installierte das Nordhausener Unternehmen eine „Revolverlösung“ an dem GerĂ€t, mit dem ein einfacher Wechsel von Hochdruckdichtungen im Prozess ermöglicht werden soll. Wie die Praxis bewies, zĂ€hlen die stark belasteten Dichtungen zu den Schwachstellen von H2-Tankstellen, weshalb es hĂ€ufig zu Betriebsunterbrechungen aufgrund von Wartungsarbeiten kommt. Der neue Kolbenverdichter von Maximator, der innerhalb von nur sechs Monaten aufgebaut wurde, verfĂŒgt deswegen ĂŒber bis zu acht Reservedichtungen, die zwischen den TankvorgĂ€ngen automatisch ausgewechselt werden können. Somit sei der „Kompressor in sich redundant“, wie es ein Mitarbeiter erlĂ€uterte. Zudem sei er gĂŒnstiger als beispielsweise ein ionischer Verdichter.


Auf ihrem Messestand zeigte die Firma aus dem Harz zwar ein Mock-up, aber in KĂŒrze soll ein fertiges Aggregat angeboten werden. DafĂŒr rief das zur Schmidt Kranz Gruppe gehörende Unternehmen extra ein H2-Kompetenzteam, dem auch ehemalige Linde-Mitarbeiter aus Wien angehören, ins Leben. Zudem grĂŒndete die familiengefĂŒhrte Holding gemeinsam mit TesTneT Engineering eine neue Firma, die sich insbesondere um das Berstverhalten von DruckbehĂ€ltern kĂŒmmert. Hierbei geht es um den Aufbau einer Testeinrichtung, die ein Bersten von H2-DruckbehĂ€ltern wĂ€hrend des Zyklierens zulĂ€sst, so dass das Ausloten der Belastungsgrenzen hinsichtlich Temperatur, Feuchte, Fast Fill, Schnellentleerung, VorschĂ€digung usw. unter Realbedingungen möglich ist. Diese Anlage soll nach Auskunft von TesTneT-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Dr. Marius Herr Mitte 2019 in Betrieb gehen.


Alle Jahre wieder lĂ€sst sich auch Dr. Jörg Dieter Weigl auf dem Gemeinschaftsstand blicken, stets mit einer neuen Entwicklung im GepĂ€ck. Dieses Mal zeigte er ein handliches Energiespeicherkonzept, das eigentlich mit Akkumulatoren funktioniert und sowohl fĂŒr stationĂ€re als auch fĂŒr mobile Anwendungen konzipiert wurde (EnergyTube von Unicorn Engineering). Weigl installierte einen Metallhydridspeicher sowie einen Brennstoffzellen-Stack aus Singapur im gleichen Bauraum und prĂ€sentierte in Hannover einen 55-Watt-Prototyp, der noch bis auf 100 Watt erweitert werden soll.
Abseits des orangefarbenen Teppichs des Gemeinschaftsstandes gab es in Halle 27 dieses Mal nur sehr vereinzelt StĂ€nde mit interessanter H2– und BZ-Technik. Bemerkenswert war allerdings, was WĂ€taS WĂ€rmetauscher Sachsen zu berichten hatte. Das mittelstĂ€ndische Unternehmen aus dem Erzgebirge, das 2017 den SĂ€chsischen Integrationspreis fĂŒr die feste und unbefristete Einstellung von 28 FlĂŒchtlingen erhielt, prĂ€sentierte wĂ€hrend der Hannover Messe gleich vorne am Eingang zur Energy-Halle die nach eigener Aussage „erste in Sachsen entwickelte und produzierte PEM-Brennstoffzelle mit 1 kW elektrischer Leistung“, fĂŒr die es die Bipolarplatten selber produziert (s. S. 34).
Blick nach Japan und Australien
Auch beim deutsch-japanischen Wirtschaftsforum ging es um eine nachhaltige Energieversorgung, und zwar unter der Fragestellung: Zukunft in Deutschland und Japan – Wasserstoff als Lösung? Unter anderem informierte dort Roland KĂ€ppner von ThyssenKrupp ĂŒber bereits marktreife Elektrolyseuranlagen im Leistungsbereich von ĂŒber 100 MW. Noch interessanter war allerdings, was aus Asien berichtet wurde: Und zwar laufen dort derzeit zwei internationale Projekte fĂŒr eine großskalige H2-Belieferung von Japan.
Australien beabsichtigt, Wasserstoff aus Braunkohle in einer Vergasungsanlage in Latrobe Valley zu erzeugen und das entstehende Kohlendioxid per CCS-Verfahren zu „entsorgen“. Der australische Finanzminister Scott Morrison erklĂ€rte anlĂ€sslich des Projektstarts Mitte April 2018: „Wir haben fĂŒr die nĂ€chsten vier Jahre 100 Mio. Dollar fĂŒr dieses Projekt bereitgestellt, wir investieren in ArbeitsplĂ€tze im Latrobe Valley.“ Der verflĂŒssigte Wasserstoff soll im Rahmen des HySTRA-Projekts per Tankschiff – das allerdings mit Mineralöl fĂ€hrt – befördert werden und insbesondere wĂ€hrend der Olympischen Spiele in Tokio eine nachhaltige Energieversorgung gewĂ€hrleisten. Seit Mai 2018 wird mit UnterstĂŒtzung durch die New Energy and Industrial Technology Development Organization (NEDO) in Kobe die Importseite aufgebaut. Der stationĂ€re LH2-Tank soll einen Durchmesser von 19 Metern haben und ein Volumen von 2.500 m3 aufweisen. Der Wasserstoff soll dann in einer von Kawasaki Heavy Industries installierten 1,1-MW-Gasturbine umgesetzt werden.
Die Chiyoda Corporation, ein japanischer Industrieanlagenbauer, favorisiert demgegenĂŒber einen anderen Weg und setzt auf Toluol als Wasserstoffspeicher. Bei der Reaktion …
Cornelius von der Heydt von Hydrogenious sagte dazu: „Chiyoda setzt aufgrund des niedrigeren Preises auf Toluol. Prof. Hansong Cheng von Hynertech Co. Ltd. auf einen uns nicht genau bekannten Stoff, der aber wohl aus der gleichen Stofffamilie kommt wie N-Ethylcarbazol.“


Synergien zwischen Automotive und H2-Produktion
Besonderes Interesse zog auch die IAV GmbH auf sich, die als Unteraussteller auf dem niedersĂ€chsischen Gemeinschaftsstand zu finden war und ein kleines Modell einer Elektrolyseanlage prĂ€sentierte. Die Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr fĂŒhrt eigentlich Entwicklungsarbeiten fĂŒr Audi und Volkswagen durch, beschĂ€ftigt sich jedoch mitunter auch mit anderen Energietechnologien. In diesem Fall sucht Ralf Wascheck nach Überschneidungen zwischen Brennstoffzellen- und Elektrolyseurtechnik. Hintergrund ist, dass untersucht werden soll, ob Skaleneffekte genutzt werden können, wenn beide Technologien gleichzeitig aufgebaut werden.


Die nÀchste Hannover Messe wird vom 1. bis 5. April 2019 ausgerichtet, dann mit Schweden als Partnerland, aber ohne CeMAT.

Quellenangabe:

JCB erreicht H2-Meilenstein

Der britische Land- und Baumaschinenhersteller JCB hat im MĂ€rz 2023 die Produktion seines fĂŒnfzigsten H2-Verbrennungsmotors...

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