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Beitrag von Sven Jösting

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30. November 2022

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Könnte Bloom Energy zum Top-Performer der Wasserstoff-Branche werden?

Viele Unternehmen aus dem Wasserstoff- und Brennstoffzellensektor besitzen aufgrund der Prognosen um den Hochlauf dieses Weltmarktes – Goldman Sachs erwartet hier weltweit Jahresumsätze von 1 Billion US-$ in nur wenigen Jahren – ein sehr hohes Wachstumspotential. Einige Unternehmen sind aufgrund ihres Geschäftsmodells und der eigenen Technologien der Konkurrenz einen Schritt voraus und können bereits die Früchte jahrelanger Aufbauarbeit ernten. Ein solches Unternehmen ist die US-amerikanische Bloom Energy.

Bloom sieht sich als Frontrunner beim Bau netzunabhängiger Brennstoffzellenkraftwerke (SOFC), aber auch in der Hochtemperatur-Elektrolyse, die bis zu 40 Prozent effektiver sein soll als die alkalische und PEM-basierte Elektrolyse. Hierbei geht es um den Preis für grünen Wasserstoff wie auch die Effektivität in der Nutzung von Strom in der Elektrolyse. Das Unternehmen setzt aber zudem noch auf neue Märkte wie der Einsatz der Brennstoffzellentechnologien in Schiffen verschiedener Art – vom Kreuzfahrtschiff bis zum Massengutfrachter.

Starke Partner wie die südkoreanische SK-ecoplant/SK Group haben sich beteiligt und bringen gleich Großaufträge mit. Fast 70 Prozent der Aktien befinden sich in der Hand von institutionellen Anlegern wie Vanguard oder BlackRock. Das jährliche Wachstum wird bei über 30 Prozent gesehen. 2022 soll der Umsatz bei über 1,1 Mrd. US-$ liegen. Der Auftragsbestand beträgt bereits über 8 Mrd. US-$. Der Übergang in die Gewinnzone – cash-flow-positiv ist Bloom bereits – wird für die kommenden ein bis zwei Jahre erwartet. Ein paar aktuelle Details über das Unternehmen:

SK ecoplant stockt Beteiligung auf

Ein Zeichen, wie gut diese Kooperation mit SK Ecoplant (Bloom hat Auftrag im Wert von 4,5 Mrd. US-$) verläuft, ist die Ankündigung, dass SK ecoplant die zweite noch ausstehende Rate in Höhe von 311 Mio. US-$ (pro Aktie zahlt man 23,11 US-$; Zufluss im ersten Quartal 2023 erwartet) zu begleichen plant und im Gegenwert weitere Aktien von Bloom beziehen will. Die bereits gehaltenen Bloom-Vorzugsaktien „convertible preferred“ werden in normale Stammaktien gewandelt, so dass am Ende dieser Transaktionen SK ecoplant zwischen 8 und 9 Prozent an Bloom halten wird. Solch einen Großaktionär kann man sich nur wünschen, da dieser neben Eigenkapital auch Aufträge mitbringt und weitere Kundenbeziehungen (GDS in China?) möglich macht. Mit über 670 Mio. US-$ in der Bank (nach der jüngsten KE zu US-$ 26/Aktie) und den 311 Mio. US-$ von SK ecoplant ist Bloom gut mit Liquidität versorgt, um das erwartete Wachstum aus eigener Kraft zu stemmen.

Inflation Reduction Act ist Treibstoff für erhöhtes Wachstum

Der Inflation Reduction Act mit den vielen Förderprogrammen wird sich für Bloom in vielerlei Hinsicht positiv auswirken – von steuerlichen Anreizen bei den Produktionsanlagen bis hin zu Zuschüssen für die Wasserstoffproduktion (bis zu 3 US-$ pro kg H2).

Der Vorstandschef und Gründer K. R. Sridar hat kürzlich bei der Pressekonferenz über die Zahlen des dritten Quartals 2022 einen großen Optimismus für das Unternehmen verbreitet: Die Produktionskapazitäten für die Brennstoffzellenstacks liegen bei 600 MW, für Elektrolysestacks bei 1,3 GW im Jahr. Diese Mengen sollen im Jahr 2023 gar verdoppelt werden. Möglich macht dies die neue Fabrik in Fremont, CA, die ihre Produktion im dritten Quartal aufgenommen hat. Da können mehrere unterschiedliche Stacks gleichermaßen produziert werden und das voll automatisiert.

Schifffahrt

Mit MSC ist Bloom ja bereits konkret wegen Kreuzfahrtschiffen im Geschäft. Die SOFC-Brennstoffzellensystemen gelten dafür als Alleskönner, da sie LNG genauso als Antriebsenergie eines Schiffes nutzbar machen wie auch grünes Ammoniak, grünes Methanol, Wasserstoff u.a. Das macht das Bloom-System so interessant für viele Reedereien. Dies ist unseres Erachtens auch ein großer nicht zu unterschätzender Wettbewerbsvorteil. Mit Samsung Heavy arbeitet Bloom ebenfalls an Prototypen für Frachter. Ein gigantischer Markt entsteht, da Schiffe dekarbonisiert werden müssen und es strenge Vorgaben gibt.

Das vierte Quartal könnte noch viel besser werden

Der Umsatzsprung um 41 Prozent gegenüber der Vorjahreszahl auf 292 Mio. US-$ kann sich sehen lassen, war aber erwartet worden (70 Prozent im zweiten Halbjahr). Nun kommt hinzu, wonach man 40 Prozent des Jahresumsatzes im laufenden vierten Quartal sieht. Das sind nach unserer Rechnung dann 400 Mio. US-$-plus. Wow! Es sollen nun Minimum 1,1 Mrd. US-$ Umsatz im Gesamtjahr 2022 werden – alles in Linie der Erwartungen – und eher noch ein bisschen mehr.

Urteil: Mit dieser Guidance kann man die Aktie eigentlich nur zukaufen. Vielleicht wird Bloom Energy einmal mehr Wert haben als Wettbewerber wie Plug Power, was bei einem Kurs von 50 US-$ in der Aktien von Bloom (Mein Kursziel 2023/4) der Fall wäre. Ein spannendes Jahr 2023 steht vor der Tür und das laufende vierte Quartal dient als Steilvorlage. Die Zahlen kommen in der ersten Woche im Februar 2023.

Risikohinweis
Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting, verfasst am 29. November 2022

Kategorien: 2022 | Allgemein
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