Ballard – Börsenbewertung im Widerspruch zu Perspektiven

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25. April 2022

Ballard – Börsenbewertung im Widerspruch zu Perspektiven

Randy MacEwen auf dem H2-Forum in Berlin

Beim H2-Forum in Berlin saß der CEO von Ballard, Randy MacEwen, zwischen Albrecht Neumann, CEO Rolling Stock Siemens Mobility, und Alexander Habeder, Head of Business Development Siemens Energy, auf dem Podium. Neben dem Moderator ein weiterer Top-Manager, Dr. Tobias Fischer, Head of Technology Deutsche Bundesbahn. Thema war die Entwicklung des Antriebsstrangs der zukĂŒnftiger Zuggeneration. Alle sahen die Brennstoffzellen- und Wasserstofftechnik auf der Langstrecke eindeutig im großen Vorteil, wĂ€hrend batterieelektrische ZĂŒge vor allem fĂŒr Kurzstrecken bis 200 km infrage kommen.

Einer Studie von Roland Berger folgend – MacEwen erwĂ€hnt diese explizit – rechnen sich wasserstoffbetriebene ZĂŒge auch bereits ab 100 km Radius bzw. batterieelektrische vor allem bis 100 km. Auch als Hybridvariante als Range Extender macht die Brennstoffzelle Sinn. Knackpunkte seien nach wie vor die Infrastruktur sowie die finanzielle Gesamtbetrachtung (Total Cost of Ownership). Dennoch sahen die Diskutanten kritische Bemerkungen hinsichtlich der VerfĂŒgbarkeit von Wasserstoff gelassen. Und natĂŒrlich spielt auch der Preis fĂŒr grĂŒnen Wasserstoff eine wichtige Rolle, wobei Dr. Fischer explizit auf die PreisparitĂ€t mit Diesel hinwies.

Lokomotiven der neuesten Generation werden in der Zukunft vor allem mit Wasserstoff betrieben. Perspektivisch entsteht hier ein Weltmarkt, der heute schon 4 Mrd. US-$ p.a. betrĂ€gt. Bis zum Jahr 2035 wird der Anteil der mit Wasserstoff betriebenen ZĂŒge auf ĂŒber 40 % geschĂ€tzt, berichtete Neumann. Ein gewaltiger Markt. Allein Siemens rechnet mit einem Auftragspotential von mehreren hundert ZĂŒgen, was natĂŒrlich auf Ballard als dem BZ-Partner ausstrahlt.

Europa steht in den Startlöchern, wobei die USA (aber auch viele andere LĂ€nder) folgen werden, da es in Übersee gerade auch um die Langstrecke fĂŒr ZĂŒge geht. Interessant die Bemerkung von Neumann, dass man auf das hervorragende Know-how von Ballard in Sachen Brennstoffzelle setzen wĂŒrde, denn in jedem H2-Zug von Siemens ist dann wohl auch „Ballard inside“. Ein wahrer Ritterschlag! Man kann dies mit der Partnerschaft von Alstom und Hydrogenics (Tochter von Cummins Engine) vergleichen. Auch dort wurde das BZ-Know-how extern einkauft. Auf jeden Fall zeigt dies, wie gut Ballard in seinen SchlĂŒsselmĂ€rkten aufgestellt ist. Jetzt mĂŒssen nur noch die AuftrĂ€ge vergeben werden.

Persönliches GesprÀch mit Ballard-CEO

In dem persönlichen GesprĂ€ch mit Randy MacEwen auf dem H2-Forum berichtete der CEO am 5. April 2022, dass die Zusammenarbeit mit CRRC gut verlaufe. Die Chinesen haben drei Straßenbahnen im Einsatz. Da entsteht – so meine EinschĂ€tzung – ein interessanter neuer Markt fĂŒr Ballard. CRRC ist der weltgrĂ¶ĂŸte Hersteller von ZĂŒgen. Die neuen Programme der chinesischen Regierung fĂŒr den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft – nun 7 statt 3 Regionen/Cluster/Provinzen – beinhalten jetzt auch Ballard bzw. das Joint-Venture mit Weichai. In diesen Clustern befinden sich wichtige Kunden mit ihren Unternehmenszentralen wie der grĂ¶ĂŸte Bushersteller Yutong.

Interessant war dabei zu hören, dass bereits einigen Provinzen und Regionen viel aggressiver ihre Wasserstoffstrategie auf den Weg bringen, als es die Zentralregierung in ihren JahresplĂ€nen ausdrĂŒckt, weil man dort die Potentiale erkannt hat und diese umsetzen will.

MacEwen zollt den Chinesen sehr großen Respekt, da diese – was die QualitĂ€t der Stacks, Zulieferteile wie Bipolarplatten u.v.a. angeht – sehr gut aufgestellt seien fĂŒr diesen neuen Weltmarkt. Ballard kann von dort auch den Weltmarkt bedienen – exklusiv aus dem Joint-Venture. Leider war ihm nicht zu entlocken, was ein BZ-Modul fĂŒr Busse bzw. Lkw aus der dortigen Produktion am Markt kosten wĂŒrde. Darauf ließe sich eine Umsatzprognose aufbauen. Rein theoretisches Beispiel: WĂŒrde ein Modul 50.000 US-$ oder 100.000 US-$ kosten und die Produktion ausgelastet sein, dann lĂ€ge der potentielle Umsatz bei 100 Mio. oder gar 200 Mio. US-$. 20.000 Busse bzw. 35.000 Stacks können dort bereits pro Jahr gefertigt werden – die bislang weltgrĂ¶ĂŸte ProduktionsstĂ€tte.

WĂ€hrenddessen wurde der Börsengang des chinesischen Wettbewerbers Re-Fire vorerst abgesagt. Dieser wĂ€re dann – in case – eine Bewertungsbasis fĂŒr einen Vergleich in der theoretischen Bewertung des Joint-Venture als Basis fĂŒr einen spĂ€teren Börsengang. Das erste Produktionsziel von Re-Fire sind 10.000 BZ-Stacks p.a. Im Nfz-Sektor geht das Unternehmen mehrgleisig vor: einerseits die Kooperation (Co-Development) mit Tier-I-Partnern wie Mahle mit dem Ziel der gemeinsamen Großserienfertigung des BZ-Powertrains und andererseits die Zulieferung der BZ-Module an Unternehmen wie Quantron.

Im Bussegment – das ist ja schon lange meine Annahme – werden Brennstoffzellen nun in immer grĂ¶ĂŸerem Umfang zum Einsatz kommen. Statt Stack-/Modul-EinzelauftrĂ€gen ĂŒber 5, 10 oder 20 Exemplare erwarte ich zukĂŒnftig eher 100, 1000 oder gar einem Mehrfachen dessen allein im Busmarkt. Es ist „dramatic growth“ zu erwarten, so meine Interpretation. Das Salz in der Suppe: Die AbsichtserklĂ€rung mit der indischen Adani-Group enthĂ€lt diverse Möglichkeiten der Zusammenarbeit, wobei eine gemeinsame Stack-Produktion eher unwahrscheinlich ist, wohl aber der Kauf und die Integration von Ballard-Stacks bei diversen Anwendungen.

Steigt Adani ein?

Mit inbegriffen ist auch die Möglichkeit, dass sich Adani an Ballard beteiligen könnte. Wird dieses MoU mit Leben gefĂŒllt – so meine Erwartung – dann kommt die Börse nicht umher, dies in die Kursentwicklung von Ballard einzuspeisen, da es sich dann – in case – um das breiter im großen Stil angelegte Entree in Indien mit einem Top-Unternehmen handelt – neben einer Kooperation mit Tata bei Bussen.

FĂŒr den Fall, dass sich Adani via Kaufempfehlung an Ballard mit 5 bis 15 Prozent beteiligt und dann 150 bis 450 Mio. US-$ ĂŒberweist (rechnerischer Wert bei heutigen Kursen), sollten wir Kurse von ĂŒber 15 US-$ in der Aktie alleine hieraus resultierend sehen – was aber nur eine theoretische Überlegung von mir ist.

Fazit: Von der aktuellen Kursbasis geht es bei guten Nachrichten wieder zĂŒgig aufwĂ€rts. Ballard setzt sein Kapital – noch ĂŒber 1,1 Mrd. US-$ auf der Bank – sehr gezielt fĂŒr die Optimierung seine BZ-Produkte und dem Aufbau der Unternehmensorganisation ein – woraus dann 2023ff ein sehr hohes Umsatz- und dann auch Gewinnwachstum resultiert. Dass das alles lĂ€nger als gedacht lĂ€uft, liegt in der Natur der Sache, da hier gerade ein gigantischer neuer Weltmarkt entsteht. Mich ĂŒberzeugt die unaufgeregte strategische Positionierung von Ballard. Da wird bald (2023ff) geerntet, was ausgesĂ€t (F & E, ProduktionskapazitĂ€ten, JV) worden ist.

Ballard ist der WeltmarktfĂŒhrer in Sachen PEM-BZ und wird dies – gefĂŒhlt – so auch bleiben. Nun muss die Börse die Perspektiven noch richtig einschĂ€tzen, denn 40 Prozent am Börsenwert ist in Cash, so dass aktuelle Notierungen schon einem Crash-Kurs entsprechen. WĂ€re ich Gautham Adani, wĂŒrde ich gerade diese niedrige Bewertung zum Einstieg nutzen und dem MoU Taten folgen lassen, aber das ist eine persönliche Meinung. Stay tuned und nicht bange machen lassen von niedrigen Börsenkursen. Das geht auch vorĂŒber. Bringen Sie aber noch Zeit fĂŒr dieses Invest mit. Es verhĂ€lt sich nĂ€mlich wie 2018/19, als die Aktie zwischen 2 und 3 US-$ schwankte, bis es dann auf 40 US-$ ging und heute nur noch 8,50 US-$ notiert. 40 US-$ und mehr in zwei Jahren? Eine gewagte persönliche Prognose (ohne Obligo), aber auch nicht unrealistisch.

Risikohinweis
Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen RisikoeinschĂ€tzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre VolatilitĂ€t ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugĂ€nglichen Quellen und stellen, was die EinschĂ€tzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting, verfasst am 23. April 2022

Quellenangabe:

Wasserstoff ist ein Megatrend

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