Vorwort fĂŒr das Buch: Wasserstoff-Autos – Was uns in Zukunft bewegt

Volker Quaschning

Prof. Dr. Volker Quaschning, Professor fĂŒr das Fachgebiet Regenerative Energiesysteme an der Hochschule fĂŒr Technik und Wirtschaft HTW Berlin, Sprecher fĂŒr den Studiengang Regenerative Energien

Vorwort
Rund 3,5 Grad Celsius betrug der mittlere weltweite Temperaturanstieg zwischen der letzten Eiszeit 20.000 v. Chr. und dem Jahr 1900. Seitdem ist die Temperatur durch den vom Menschen gemachten Klimawandel bereits um mehr als ein Grad angestiegen. Wollen wir dem Pariser Klimaschutzabkommen gerecht werden, katastrophale Folgen des Klimawandels abwenden und dazu die globale ErwĂ€rmung möglichst auf 1,5 Grad Celsius begrenzen, muss unsere Energieversorgung spĂ€testens im Jahr 2035 vollstĂ€ndig auf erneuerbaren Energien basieren. Der russische Angriff auf die Ukraine, der auch durch die deutschen Importe von Erdöl, Erdgas und Kohle finanziert wurde, zeigt, welche fatalen Folgen unsere AbhĂ€ngigkeit von fossilen EnergietrĂ€gern hat. Diese mĂŒssen wir nun im Expresstempo durch heimische erneuerbare Energien ersetzen.
Weiter lesen...

In Deutschland werden das im Wesentlichen Photovoltaik und Windkraft sein, deren Erzeugung starken Fluktuationen unterworfen ist. Die Bedeutung von Speichern wird darum schon sehr bald wachsen: Eine Erhöhung des Speicherbedarfs in Deutschland um den Faktor 1.000, bedingt durch die Energiewende, ist durchaus realistisch. Herkömmliche Speicheroptionen wie Pumpspeicher stoßen hier schnell an ihre KapazitĂ€tsgrenzen. Wollen wir diesen enormen Speicherbedarf in Deutschland decken, werden wir an einer Technologie nicht vorbeikommen: Power-to-Gas. Untertage-Gasspeicher sind problemlos in der Lage, die nötigen SpeicherkapazitĂ€ten fĂŒr Gase wie Wasserstoff oder Methan bereitzustellen, die aus Überschussstrom aus erneuerbaren Energien erzeugt werden. Die heute vorhandenen Gasspeicher sind bereits so groß, dass man damit viele Wochen die deutsche Stromversorgung sicherstellen könnte. So wichtig die Power-to-Gas-Technologie auch sein wird, ein Allheilmittel ist sie allerdings nicht. Bei der Gaserzeugung und der RĂŒckverstromung entstehen große Verluste. Darum muss anderen effizienteren Technologien wie Batteriespeichern fĂŒr die Kurzzeitspeicherung oder die ElektromobilitĂ€t, Oberleitungen fĂŒr den GĂŒterverkehr und WĂ€rmepumpen fĂŒr die Heizung der Vorzug gegeben werden. Kleinere Verluste bedeuten nĂ€mlich auch einen geringen Bedarf an Solaranlagen und WindrĂ€dern.
Die Energiewende wird sicher nicht an technologischen oder ökonomischen Fragen scheitern. Aber die nötige Akzeptanz fĂŒr die Aufstellung neuer WindrĂ€der ist heute schon ein Problem. Es gibt aber auch viele Anwendungen, bei denen effizientere Systeme an ihre Grenzen stoßen: FĂŒr die saisonale Speicherung von Strom, die Dekarbonisierung des Flug- und Schiffsverkehrs, die Bereitstellung des Treibstoffbedarfs fĂŒr Fern- und Vielfahrer oder Heizungssysteme im GebĂ€udebestand mit sehr hohem Temperaturniveau ist der Power-to-Gas-Pfad die Alternative fĂŒr die Energiewende. Obwohl die Lösungen fĂŒr die Energiewende im Wesentlichen bekannt sind und eigentlich nur noch umgesetzt werden mĂŒssen, findet die Energiewende heute nicht einmal ansatzweise in dem fĂŒr den Klimaschutz benötigten Tempo statt. FĂŒr viele Menschen haben diese Themen nicht die grĂ¶ĂŸte PrioritĂ€t, und die Politik hat offensichtlich die Herausforderungen der Energiewende und des Klimaschutzes noch nicht richtig verstanden. Darum hat die AufklĂ€rung ĂŒber den Themenkomplex und die Vermittlung von Hintergrundwissen eine sehr große Bedeutung. Die bisherigen Auflagen dieses Buches und die Arbeit des Hydrogeit-Verlags zu den Themen Wasserstoff und Brennstoffzellen haben dazu in den vergangenen Jahren einen wichtigen Beitrag geleistet. Der Neuauflage des Buchs und den Autoren wĂŒnsche ich auch weiterhin viel Erfolg.

Prof. Dr. Volker Quaschning
Hochschule fĂŒr Technik und Wirtschaft HTW Berlin
Berlin, 2022

preloader