Das Feuer des Wassers

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21. Mai 2023

Das Feuer des Wassers

„Wer die Kraft des Windes und der Sonne erntet und in Form von Wasserstoff konserviert, der hĂ€lt das irdische Perpetuum Mobile in den HĂ€nden.“ Dieser Satz aus dem Klappentext des Buches löst bei Naturwissenschaftlern ein KopfschĂŒtteln aus, denn wissenschaftlich betrachtet kann es in der RealitĂ€t kein Perpetuum Mobile geben. Die Aussage, Timm Koch bringe „faktengesĂ€ttigt“ Licht in das Dunkel, lĂ€sst somit Zweifel an der Interpretation dieser Fakten aufkeimen, die bei der LektĂŒre des Innenteils eher noch bestĂ€rkt werden.

So relativiert Koch die Klimakrise und bezeichnet die völkerrechtlich verbindliche Begrenzung der ErderwĂ€rmung auf 1,5 °C aus „ökosystemarer Sicht“ als „Schwachsinn“. Er spricht sich zwar fĂŒr eine rasche Reduzierung der CO2-Emissionen aus, wettert aber nicht nur gegen Kernenergie sowie fossile EnergietrĂ€ger, sondern auch gegen jegliche Arten der Bioenergie und Energiespeicherung in Akkumulatoren. In seine prosaischen AusfĂŒhrungen bettet der Autor geschichtliche RĂŒckblicke ein und scheut auch vor dem Einstreuen persönlicher Anekdoten nicht zurĂŒck, auch wenn deren Aussagekraft mehr als fraglich und deren Inhalt eher selbstdarstellerischer Natur ist.

GĂ€nzlich unverstĂ€ndlich bleibt, warum die Kapitel mit willkĂŒrlich gewĂ€hlt wirkenden Zitaten eingeleitet werden, in denen beispielsweise Volksweisheiten oder Karl May wiedergegeben werden und unter anderem völlig unzeitgemĂ€ĂŸ von „roten Kriegern“ gesprochen wird. Und warum Koch die Funktionsweise einer Brennstoffzelle ĂŒber eine skurril anmutende Hochzeitsanalogie zu erklĂ€ren versucht, erschließt sich dem Leser ebenfalls nicht.

Irritierend ist zudem seine unverhohlene Ablehnung von Politikern, ĂŒber die arg populistisch und verleumderisch hergezogen wird. Mit zahlreichen haltlosen Behauptungen, unbelegten Thesen und auch Falschaussagen (angeblich soll die Förderung zum Bau von H2-Stationen eingestellt worden sein) bedient er immer wieder das Klischee, dass Otto Normalverbraucher von „denen da oben“ durch Fake News abgezockt werde. Das Bedienen zahlreicher Stereotype spricht dafĂŒr, dass das Buch eher die ewig nörgelnde Masse ansprechen soll und weniger eine technisch-wissenschaftlich interessierte Leserschaft – fĂŒr HZwei-Leserinnen und -Leser daher nicht empfohlen.

Koch, Timm; Das Feuer des Wassers, Westend Verlag, ISBN 978-3-86489-916-4, 2022

Quellenangabe: Westend

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