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Beitrag von Sven Jösting

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24. MĂ€rz 2023

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Ballard Power – Ab 2024 setzt ĂŒberdurchschnittliches Wachstum ein

Bei Ballard ist es PR-mäßig noch ruhig, auch wenn da sicherlich an vielen Projekten und Piloten gearbeitet wird. Neuigkeiten erwarte ich am 17. März 2023, wenn die Zahlen für das Geschäftsjahr 2022 veröffentlicht werden, da dann der Vorstand immer auch eine Prognose und einen Ausblick präsentiert. Der Hochlauf der Brennstoffzelle, zum Beispiel in Lkw und Bussen und auf der Schiene, steht gerade erst am Anfang, wobei es da schon Indikationen gibt. Ballard ist da ganz vorne dabei.

Zum Beispiel im europäischen Bussektor: Der Informationsdienst Sustainable Bus meldete jüngst: 2022 wurden 4.152 batterieelektrische Busse in Europa neu in Dienst gestellt sowie 370 BZ-Busse. Von diesen 370 H2-Bussen kamen wohl 292 Stück von Ballard Power, da man wichtige OEMs mit den Modulen beliefert (106 für Van Hool, 104 für Solaris und 82 für Wrightbus). Das ist ein sehr guter Indikator für die Zukunft.

Ballard-Konkurrent Toyota hat kürzlich für 60 Busse des portugiesischen Busherstellers Caetano den Zuschlag für die Zulieferung der Brennstoffzelle an den Kunden DB Regio bekommen. Das zeigt, dass nun Einzelaufträge immer größer werden, da Kunden wie Busflottenbetreiber auf Skalierungseffekte setzen und aus dem Stadium der Pilotprojekte heraus sind. Dieser Markt beginnt gerade erst, zumal die H2-Infrastruktur nun verstärkt in Europa, in den USA sowie in Asien angegangen wird. Ballard ist hier sehr gut aufgestellt und kann liefern.

CrossWind setzt auf Ballard-BZ für 1-MW-BZ-System

Dieses Projekt wird meines Erachtens die Blaupause für viele ähnliche werden: CrossWind ist eine Kooperation zwischen Shell und Eneco. Es geht hierbei um ein Windparkprojekt an der Nordsee mit der Bezeichnung The Hollands Kust Noord offshore wind project (Gesamtleistung: 759 MW, Energiemenge: 3,3 TWh pro Jahr). Damit sollen dann nach Inbetriebnahme 1 Million Haushalte mit grüner Energie versorgt werden.

CrossWind setzt auf viele sich ergänzende Technologien, die grüne Energie so effizient wie möglich zum Einsatz bringen. Überschussstrom wird in Batterien und Wasserstoff gespeichert – je nach Verfügbarkeit und Kapazität. Mittels der Brennstoffzellen von Ballard wird dieser Wasserstoff dann effizient in Strom für eine sichere Versorgung gewandelt. Dieses Projekt hat Vorzeigecharakter und dürfte in den kommenden Jahren sicherlich weitere Aufträge zur Folge haben. Leider wurde kein Auftragswert in Euro genannt.

Short-Seller-Attacke hat keinen Einfluss auf Ballard

Noch vor ein paar Wochen klang es so, als wenn der indische Milliardär Gautam Adani Interesse daran haben könnte, sich an Ballard zu beteiligen und dessen BZ-Stacks in unterschiedlicher Weise in Indien in den Einsatz zu bringen (da gibt es ein MoU als Basis). Er plant(e), wie auch sein Milliardärskollege Ambani (Reliance Group), mehr als 50 Mrd. US-$ über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren in den Themenkomplex Wasserstoff zu investieren. Dies ist nun nicht mehr wahrscheinlich, da Adani und sein Firmenkonglomerat von dem Shortseller-Newsletter Hindenburg Research (s. u.) mit einem für Adani desaströsen Bericht ins Visier genommen worden sind. Über 100 Mrd. US-$ Wertverlust sind die Folge. Für Ballard ist dies indes von nebensächlicher Bedeutung, da Adani weiterhin Interesse haben wird, die verschiedenen BZ-Anwendungen (Nfz, Lokomotiven, Schiffe u. a.) zum Einsatz zu bringen.

Konkret hat Adani als erstes Projekt ausgewählt, einen Minentruck H2-ready zu machen, wobei der Konzern zwar selbst der Auftraggeber für diese Umrüstung ist, aber Ashok Leyland als Tochter der Hinduja-Group das Fahrzeug stellt. Das ist eigentlich die viel bessere Nachricht, könnte Asok Leyland doch geradezu ein idealer Partner für Ballard in Indien sein. Eine gemeinsame Stack-Produktion, vergleichbar mit dem Joint Venture von Ballard und Weichai Power in China, würde sich auch idealerweise für Indien anbieten. Denn Ashok Leyland ist die Nr. 4 in der Welt für Busse, Nr. 19 bei Lkw und Nr. 2 bei kommerziell genutzten Kfz in Indien. So gesehen sind die Negativ-News zu Adani für Ballard überhaupt kein Thema. Adani ist aber natürlich weiterhin als Großkunde für Ballard interessant. Somit zeigt sich auch hier mal wieder: Alles hat zwei Seiten.

Der Fall Adani – die Macht der Shortseller

Hindenburg Research ist Ihnen schon bekannt: Das US-amerikanische Investment-Research-Unternehmen mit Sitz in New York City hat es vor allem auf börsennotierte Firmen aus dem Bereich Wasserstoff abgesehen. Hindenburg setzt via Leerverkauf auf fallende Aktienkurse der betroffenen Unternehmen und befeuert den Abwärtstrend durch eigene negative Wertpapieranalysen. Gewünschte Kurseinbrüche sind absehbar die Folge. Das ist eine Form der Kursmanipulation, da Hindenburg selbst durch eigene im Vorwege der Veröffentlichung durchgeführte Leerverkäufe partizipiert und Leerverkaufspositionen in Aktien wie auch Anleihen des Zielunternehmens, kombiniert mit Verkaufsoptionen, aufbaut – und eben dies vor Veröffentlichung des eigenen Newsletters.

Ich würde dies mit dem Begriff Frontrunning versehen, da es fast wie ein Insidergeschäft erscheint. Insider haben besonderes Wissen, dürfen dies aber nicht zum Einsatz bringen. Für mich ein klarer Interessenkonflikt. Nichtsdestotrotz hat Hindenburg (der Name soll an das gleichnamige Luftschiff erinnern) mit mancher Recherche durchaus recht, wenn dies auch im eigenen Interesse ausgeschlachtet wird und manche Interpretation fraglich ist. So wurden ja Unternehmen wie Nikola Motors (deren Lkw, der ohne Motor einen Berg herunterfuhr) bereits ins Visier genommen, woraufhin dessen Gründer das Unternehmen verlassen musste.

Im Fall Adani geht es Hindenburg um das „undurchsichtige“ Firmengeflecht, um Beteiligungen und die Finanzierung (die Höhe der Schulden) wie auch denkbare Vorteilsnahme durch die Nähe zum indischen Ministerpräsidenten Modi. Beide stammen aus derselben Provinz und gehören derselben Kaste an. Zudem könnten Zuschläge für den Bau von Flugplätzen oder Häfen ohne öffentliche Ausschreibungen erfolgt sein, so eine Annahme von Hindenburg.

In welcher Weise Hindenburg da selbst durch Leerverkäufe von Aktien der diversen börsennotierten Adani-Firmen oder Anleihen profitiert hat, wird leider verschwiegen. Klar ist, dass der Schaden für Adani nicht nur materiell gewaltig ist, sondern auch psychologisch auf ganz Indien und sein politisches System ausstrahlt. Am Ende des Tages hinterlässt all dies natürlich Spuren, wenn auch davon ausgegangen werden kann, dass Adani mit der richtigen Kommunikationsstrategie hier Informationen präsentieren wird, da das Unternehmenskonglomerat als Ganzes systemrelevant für Indien ist.

Gerade Unternehmer wie Adani können und werden Indien in Sachen regenerativer Energien und Wasserstoff nach vorne bringen. Da mag zwar ein Widerspruch darin bestehen, einerseits Kohle zu fördern und andererseits auf grüne Energien zu setzen, allerdings erfolgt hierdurch auch eine Transformation: Die Gewinne aus dem einen Bereich werden als Re-Invest für den anderen genutzt. Fortescue Future Industries des australischen Milliardärs Forrest verdient sein Geld auch mit Erzen und Rohstoffen, reinvestiert die Gewinne aber in erneuerbaren Energien. Die meisten Ölunternehmen verhalten sich ähnlich oder planen, dies zu tun, und wollen hohe Gewinne aus der Ölproduktion verstärkt in den Themenkomplex regenerativer Energien und Wasserstoff umlenken.

Glückliches Händchen bei der Beteiligung an Forsee Power

Die von Ballard 2021 eingegangene Beteiligung an dem französischen Spezialbatteriehersteller Forsee Power zahlt sich schon aus. Beachtliche 58 Prozent Umsatzzuwachs meldet Forsee für das Geschäftsjahr 2022 (111 Mio. Euro). In wenigen Jahren will man mehr als 500 Mio. Euro Umsatz machen. Ballard hatte hier bis zu 40 Mio. US-$ via Aktienkauf beim IPO investiert und hält 10 bis 20 Prozent – ohne Obligo.

Ballard und Forsee arbeiten sehr eng zusammen. Forsee ist bei allen Ballard-Busmodullieferungen der Lieferant der ergänzenden Batterien und bedient den gleichen Kundenstamm wie Ballard. Das sind echte Synergien. Beide investieren in neue Produktionsstätten in den USA, um vom IRA zu profitieren. Forsee meldet einen Auftragsbestand, der dem entspricht, was man 2022 umgesetzt hat. 2023 sollen die Batterien für 1.000 Busse (wasserstoff- und batterieelektrische) geliefert werden. Forsee beginnt zudem, die Batterien auch für Züge (steht hier Ballard über Siemens Mobility Pate?) und demnächst auch für Lkw zu liefern.

Am Rande noch dieser Hinweis: Es ist immer wieder zu hören, dass es bei Ballard so lange dauere, bis nennenswerte Umsätze oder gar ein Gewinn auszumachen seien. Das wird alles kommen. Ballard baut zielgerichtet Produktionsstätten auf (in den USA, Kanada, Europa, China). Die Auslastung der Anlagen ist nur eine Frage der Zeit. Ich erwarte diese ab 2024. In China stehen wichtige Förderprogramme für die Wasserstoffwirtschaft in den Startlöchern. Werden diese kleiner ausfalle,n als es die USA und Europa planen? Mitnichten. Ballard baut die Basis für hohes Wachstum auf.

Das ist vergleichbar mit der Entwicklung einer Mine: Erst geht es um den Standort (geologische Gutachten, Probebohrungen), dann wird in die Infrastruktur investiert und erst nach Abschluss dessen an den Rohstoffabbau herangegangen. Das dauert oft ein, zwei oder drei Jahre, bis es richtig losgeht. Bei Ballard ist die Entwicklung der Stacks bzw. der MEA die Basis. Der Bau von Produktionsstätten folgt und dementsprechend die Skalierung der Produktion. Parallel laufen Pilotprojekte. Am Ende des Tages wird die Produktion hochgefahren, das Unternehmen bedient die neu entstehenden Märkte und verdient Geld damit.

Bei Bussen und Lkw fängt es weltweit gerade erst an, dass CO2-freie (batterie- und/oder wasserstoffbetriebene) Fahrzeuge produziert werden. Ballard verfügt über die umfassendste Erfahrung in diesem Bereich, nämlich durch BZ-Busse, die weltweit schon erfolgreich im Einsatz sind (Ballard inside). Behalten Sie diese Sicht bitte im Auge, denn Börse antizipiert die Zukunft, auch wenn es mal länger dauert, bis es zum Durchbruch kommt. Schwächephasen im positiven Sinne im Kurs nutzen und step by step zukaufen, um damit einen guten Durchschnittskurs zu erzielen, bietet sich als die richtige Strategie an.

Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: verfasst von Sven Jösting am 5. März 2023

Bild: Forsee Power Standort in Poitiers, Frankreich

Quelle: Forsee Power

Kategorien: 2023 | Aktien | Börse | News | Stock Market
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1 Kommentar

  1. Joe Schmidt

    Zitat:
    “Der Hochlauf der Brennstoffzelle, zum Beispiel in Lkw und Bussen und auf der Schiene, steht gerade erst am Anfang, …”
    Und viel mehr wird nicht passieren. Denn sobald einige der Fahrzeuge im Praxiseinsatz sind, wird fĂŒr die Betreiber das Thema Wirtschaftlichkeit akut.
    .
    SpĂ€testens mit Auslaufen von Subventionierungen wurde jedes Projekt beendet. Dass H2 im Kfz unwirtschaftlich und daher ohne Zukunft ist, ist nun mittlerweile nicht nur von Fachleuten verkĂŒndet, sondern auch durch Studien belegt.
    Schon fast witzig ist es, den Shortsellern ausschließlich negative EinflĂŒsse anzudichten. Dabei sind es gerade diese AktionĂ€re, die sich die blumigen Firmenaussagen genauer anschauen und dann – wie einmal bei Nikola – bspw. versuchten Anlegerbetrug aufdecken.
    Ohne realen Anlass fĂŒr negative Meldungen gibt es kaum eine Kursbeeinflussung.
    Wenn sich Ballard also demnĂ€chst positiv entwickelt – dann recht sicher nicht wegen dem GeschĂ€ft mit H2-Kfz “in Lkw und Bussen und auf der Schiene”.

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