Hzwei Blogbeitrag

Beitrag von Hydrogeit

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1. Dezember 2021

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Entwicklung eines Markts fĂŒr Wasserstoff

Portrait Herr Dr. Rügge, © think utilities
© think utilities

Für eine zukunftsfähige Wasserstoffwelt bedarf es nicht nur eines umfassenden Ausbaus der Infrastrukturen, sondern auch eines funktionierenden Markts. Mit der H2Cloud will die Managementberatung think utilities AG & Co. KG eine Plattform für den OTC-Handel (außerbörslicher Handel, auch Direkthandel oder Telefonhandel) von Wasserstoffprodukten positionieren. Dr. Peter Rügge, Gründer von H2Cloud und Geschäftsführer von think utilities, erläutert die Hintergründe und analysiert das Marktumfeld. 

HZwei: Sehr geehrter Herr Dr. Rügge, wie bewerten Sie den aktuellen Markt für Wasserstoff? 

Rügge: Als spannend und sehr dynamisch. Es passiert in kurzer Zeit sehr viel, und wir hoffen, dass die Aktivitäten koordiniert bleiben. 

Wie wird der H2-Handel derzeit abgewickelt? 

Momentan werden langfristige Bezugsverträge zwischen den Anbietern und den Nachfragern abgeschlossen. Der Transport ist dabei inkludiert. Vieles erinnert an die „alte“ Gaswirtschaft. Aktuell ist der Wasserstoffmarkt noch intransparent und illiquide. Die Gewinnmarge für Anbieter ist momentan relativ hoch, da wenige Player im oligopolistischen Markt mitspielen und somit relativ geringe Informationen vorhanden sind. Zudem werden die aktuellen Aufkommens- und Nachfragemengen nicht systematisch erfasst. Damit sind auch die Marktchancen für neue Erzeuger oder Verbraucher nicht klar erkennbar. 

Um welche Mengen handelt es sich hier? Wo kommen diese vorwiegend her, und was sind die aktuellen Absatzmärkte? 

Wenn wir die aktuellen Bewertungen für Deutschland nehmen, dann liegt der jährliche Bedarf bei 57 Terrawattstunden, EU-weit ohne Deutschland sind es 256 TWh. Die Mengen werden überwiegend in Europa für die Prozessindustrie und die chemische Industrie, aber auch für weitere Kundensegmente produziert. 

Über wie viele aktive Anbieter und Nachfrager reden wir hier derzeit? 

Das ist ein überschaubarer Markt – wir haben noch ein Oligopol, das die genannten Kundensegmente beliefert. Dieses Oligopol kann die aktuelle Nachfrage nach Wasserstoff zwar bedienen, ist aber nicht in der Lage, die notwendigen Angebotsmengen an Wasserstoff bereitzustellen, die für eine weitreichende Dekarbonisierung benötigt werden. 

Diese Situation wollen Sie mit der der H2Cloud ändern. Welchen Ansatz wählen Sie dabei? 

Das Marktgeschehen umfasst die ökonomischen Beziehungen zwischen allen Anbietern und allen Nachfragern eines bestimmten Gutes in einem bestimmten Raum zu einer bestimmten Zeit. Dabei müssen zwei Grundfragen durch die Mechanismen des Marktes bei der Steuerung und Allokation der Produktion von Gütern beantwortet werden: Wie erhalten Anbieter Informationen darüber, welche Güter sie produzieren sollen und in welchen Mengen? Und: Wie werden die Pläne der Nachfrager so koordiniert, dass es zu einem Gleichgewicht von Angebots- und Nachfrageplänen kommt? 

Die Lösung ist denkbar einfach, da die Koordination von Angebot und Nachfrage über Märkte erfolgt, indem der Preis eines beliebigen Gutes sich in der Weise anpasst, dass dadurch Angebots- und Nachfragemengen zur Übereinstimmung gelangen. Im Wasserstoffmarkt sind wir von dieser Koordination, die in der Ökonomie auch als „invisible hand“ bezeichnet wird, noch weit entfernt. Natürlich sind etwa die europäischen und deutschen Fördermaßnahmen darauf ausgerichtet, den Wasserstoffmarkt zu aktivieren und den Markthochlauf zu ermöglichen, um so ausreichende Angebotsmengen zu ermöglichen. Da der heutige Wasserstoffmarkt sich durch geringe Transparenz der Angebots- und Nachfragemengen, mit geringer Marktliquidität und hohen Transaktionskosten, beschreiben lässt, sehen wir genau hierin Ansatzpunkte, den Markt für Wasserstoff effektiv zu entwickeln. 

Inwieweit spüren Sie aus dem Markt Interesse an einer entsprechenden Lösung? 

Wir erfahren großes Interesse von den unterschiedlichsten Marktteilnehmern der Gaswirtschaft, die natürlich in den sich entwickelnden Wasserstoffmarkt drängen. Im Zuge der EU-Förderung im Rahmen der Important Projects of Common European Interest, IPCEI, stehen auch viele Gelder bereit. Wir freuen uns aber auch über ausländisches Interesse. Wir sind überrascht, dass wir so viel positives Feedback erhalten haben. Mittlerweile sind wir mit verschiedenen nationalen und internationalen Energieversorgern in Gesprächen. 

…Lesen Sie mehr in der aktuellen Ausgabe des HZwei

Interviewer: Michael Nallinger

2 Kommentare

  1. Joe Schmidt

    Wow – wir betreiben die “Entwicklung eines Markts fĂŒr Wasserstoff”, obwohl absehbar ist, dass es auf Jahre nicht genug sauberen Strom fĂŒr den medial beworbenen grĂŒnen Wasserstoff geben wird.
    Statt die EE-Stromerzeugung auszubauen, um möglichst schnell KapazitĂ€ten zu schaffen, wird “eine Plattform fĂŒr den OTC-Handel” geschaffen.
    Was will man denn da handeln?
    Die 5% Wasserstoff, die man derzeit nicht aus fossiler PrimÀrenergie gewinnt?

    Antworten
  2. Alex S.

    Hier ist die Verteil-Mafia schon wieder am Werk, bevor ĂŒberhaupt die Ware zur Verteilung bereit ist.
    Ökologisch denkende Menschen wĂŒrden versuchen, das Problem der Erzeugung zu lösen.
    Hier wird aber schon ein Ökonomischer Markt eröffnet, wahrscheinlich aus Angst, dass die Erzeuger eigene Wege gehen.
    Ich kann nur abraten von solchen GeschÀftspraktiken.
    Durch diesen Zwischenhandel der ökonomisch nur Gewinn fĂŒr Anleger und VorstĂ€nde produziert, die aber keinen Finger krumm machen fĂŒr die Herstellung, brauchen wir auf diesem Planeten nicht.
    Dank ökologisch denkender Menschen wird es abseits dieser faulen Gewinnmachenschaften ein Wasserstoff-Netz geben, dass tatsĂ€chlich vor Ort den Wasserstoff fĂŒr die Nutzer produziert.
    Und wer nicht weiß was ich meine sollte mal ans Wasserstoff-Auto-betanken denken.
    Ja, ich weiß die deutschen können keine wettbewerbsfĂ€higen Wasserstoff-Autos bauen.
    Aber zum GlĂŒck gibt es ja Toyota. 😉
    Dieses Auto zu fahren ist einfach unglaublich toll.
    Und fĂŒr unsere Kinder und Enkel wird die Zukunft hoffentlich ökologischer, Ökonomen gehören nicht mehr in diese Zeit, in der es darum geht, den Planeten zu retten.
    Ökonomen sind einfach nur unwirtschaftlich fĂŒr die Zukunft, weil sie diesen Planeten weiter zerstören.

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