Hauptsache der Strom ist sauber

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30. Juni 2015

Hauptsache der Strom ist sauber

6. Oktober 2010 – Vertraue keiner Studie, die du nicht selber gefĂ€lscht hast. – Dieser durchaus zynisch formulierte Satz ist dieser Tage hĂ€ufig zu hören, sei es beim Thema Kernenergie oder ElektromobilitĂ€t, denn es kursieren gerade etliche Analysen durch die Medien.
Speziell zum Thema ElektromobilitĂ€t gibt es derzeit Studien zuhauf. So haben das Fraunhofer-Institut fĂŒr Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) und Pricewaterhouse-Coopers untersucht, wie Deutschland zum Leitmarkt werden kann. Die Autoren fanden heraus, dass sowohl die Automobilindustrie als auch die Energiewirtschaft tief greifende Änderungen vornehmen mĂŒssten – sowohl technologisch als auch ökonomisch. So mĂŒssten fahrzeugseitig neue MobilitĂ€tskonzepte entwickelt und stromseitig eine neue Infrastruktur aufgebaut werden. PricewaterhouseCoopers resĂŒmierte, dass zwar acht von zehn Verbrauchern davon ĂŒberzeugt sind, dass dem Elektroauto die Zukunft gehöre. Ein ebenso großer Teil der Befragten sagt jedoch, dass der Kauf eines E-Mobils fĂŒr sie auf absehbare Zeit nicht in Frage komme. Die zentrale Forderung ist der Studie zufolge die Nutzung nachhaltig erzeugten Stroms.

Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Online-Umfrage, die der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) unter 800 Berliner BĂŒrgern von dem Beratungsunternehmen YouGovPsychonomics im April 2010 durchfĂŒhren ließ. 79 % der Befragten erhofften sich weniger Emissionen und 80 % weniger LĂ€rmbelĂ€stigung. Nahezu zwei Drittel der Befragten wĂŒnschten sich deswegen ausdrĂŒcklich mehr ElektromobilitĂ€t auf den stĂ€dtischen Straßen. Auch bei einer aktuellen OmniQuest-Studie, die im Auftrag der Fondsgesellschaft Carlson Funds zur Analyse der potentiellen KĂ€uferschicht erstellt wurde, gaben die meisten Umweltschutz (65 %) als wichtigsten Kaufgrund an. Insbesondere junge Menschen zeigten sich stark an dem Erwerb der neuen Technik interessiert (63 % der 25- bis 29-JĂ€hrigen). Bei gehobenem Alter (50 bis 59 Jahre) können sich nur 27 % den Kauf eines Elektroautos vorstellen.

Durch den Betrieb einer E-Fahrzeugflotte allein mit Ökostrom könnten im Jahr 2020 rund 2,1 Mio. Tonnen Treibhausgase eingespart werden. Das besagt eine Studie des Forschungsnetzwerks Energie Impuls OWL, das im Auftrag der Agentur fĂŒr Erneuerbare Energien die Kostenentwicklung von Elektro- und Verbrennungsmotorautos untersucht hat.

LadesÀulen nicht erforderlich

Eine umfangreiche Infrastruktur ist fĂŒr die erfolgreiche Etablierung von E-Autos nicht zwingend erforderlich. Zu diesem Ergebnis kommt die Trendstudie des BeratungsbĂŒros Warnstorf & Partner, der die Meinung von ĂŒber 400 E-Mobility-Experten zugrunde liegt. Die frĂŒhzeitige Installation von Ladestationen werde von den Energiekonzernen stark gepusht, weil diese ĂŒber ElektromobilitĂ€t Zugang zum milliardenschweren MobilitĂ€tssektor erhalten. Dies sei aber reine Panikmache, so heißt es, und diene der Schaffung von AbhĂ€ngigkeiten. 72 % der befragten Fachleute gaben an, dass die EinfĂŒhrung von E-Fahrzeugen kurzfristig auch mit den Lademöglichkeiten in der eigenen Garage oder am Arbeitsplatz auskommen wird. Wichtiger sei, dass die Ladelösungen einfach und kostengĂŒnstig sind.

In der Studie „Winning on the E-mobility Playing Field“ von der Unternehmensberatung Arthur D. Little wird versucht zu erklĂ€ren, wie der aktuelle Hype rund ums Elektroauto entstanden ist. Demnach versuchen viele Unternehmen der Autoindustrie, mit der E-MobilitĂ€t neues Wachstum anzustoßen, weshalb massiv in die technologische Entwicklung investiert werde. Außerdem brĂ€chten weltweit etliche Regierungen Subventionsprogramme auf den Weg, die Unternehmen ermutigen, hier zu investieren. Die Unternehmensberatung Frost & Sullivan prognostizierte dann auch im September 2010, die Bildung „enormer stĂ€dtischer Ballungszentren“ werde den Markt fĂŒr Elektrofahrzeuge bis 2020 ankurbeln. Gleichzeitig warnte die Untersuchung aber vor zu hohen Erwartungen: Aufgrund technischer und kommerzieller HĂŒrden sei vor 2020 nicht mit einem Massenmarkt zu rechnen, heißt es.

Lithium ist da

BezĂŒglich etwaiger Ressourcenprobleme kommt das Zentrums fĂŒr Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) zum gleichen Ergebnis wie ehemals das Fraunhofer ISI (s. HZwei Jan. 2010): „Es sind genug Lithium-Quellen fĂŒr Milliarden Elektroautos und andere Anwendungen vorhanden.“ Das Gleiche gilt fĂŒr Kupfer, wie das Fraunhofer ISI im Juli 2010 vermeldete.

Deutsche bevorzugen Elektroautos

Eine reprĂ€sentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Aris im Auftrag des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) ergab, dass sich 40 % der Deutschen E-Autos wĂŒnschen. 30 % der Befragten favorisierten Biodiesel und 16 % Wasserstoff. Nur jeder Neunte lehnte alternative Energieformen gegenĂŒber Erdöl und Erdgas grundsĂ€tzlich ab. VerbandsprĂ€sident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer sagte dazu: „Die BITKOM-Studie zeigt, dass die große Mehrheit der Deutschen die Notwendigkeit erkannt hat, Alternativen zu den herkömmlichen Verbrennungsmotoren zu entwickeln.“

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