Es bleibt nicht, wie es war im Brennstoffzellen-Sektor

Bildtitel:




17. Juli 2014

Es bleibt nicht, wie es war im Brennstoffzellen-Sektor

Ferlemann-Enak

Parl. StaatssekretÀr Enak Ferlemann


Dem Namen nach mĂŒsste der Deutsche Wasserstoff Congress eine große Veranstaltung sein, grĂ¶ĂŸer zumindest als all diese Workshops und Konferenzen, die auf BundeslĂ€nderebene zu diesem Thema organisiert werden. Doch dem ist nicht ganz so: Auch die sechsten Auflage dieses nationalen Wasserstoffkongresses blieb in einem ĂŒberschaubaren Rahmen. Rund 120 Teilnehmer erschienen am 22. und 23. Mai 2014 in der Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen beim Bund in Berlin und unterhielten sich weniger ĂŒber wissenschaftliche Entdeckungen als vielmehr ĂŒber politische Rahmenbedingungen.
Gleich in seiner BegrĂŒĂŸungsrede erinnerte Dr. Frank-Michael Baumann, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der veranstaltenden EnergieAgentur.NRW, an den ersten Deutschen Wasserstoff Congress, der 2002 von dem inzwischen im wohlverdienten Ruhestand lebenden Prof. Dr. Carl-Jochen Winter organsiert worden war. Baumann verwies auf die Welt-Wasserstoff-Konferenz WHEC 2010 in Essen und erklĂ€rte, dass damals mehr die Forschungs- und Entwicklungsthemen im Vordergrund gestanden hĂ€tten. „Mittlerweile stehen wir kurz vor der Marktreife – einige Bereiche haben diesen Schritt bereits vollzogen.“ Deswegen liege die inhaltliche Ausrichtung dieses Kongresses seit 2012 eher auf energiepolitischen Aspekten.
Dass in diesem Jahr weniger GĂ€ste als beim letzten Mal erschienen, mag auch daran gelegen haben, dass in diesem Mai die Termindichte extrem hoch war: Einen Tag zuvor traf sich beispielsweise gerade die Zulieferindustrie beim NOW-Workshop – ebenfalls in Berlin – und vier Tage spĂ€ter hatte der Mitveranstalter Deutscher Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband zur Mitgliederversammlung nach Krefeld eingeladen.
Inhaltlich gab es nicht sonderlich viel Neues zu hören: Prof. Dr. Christian Mohrdieck von der Daimler AG versuchte in seiner Auftaktrede (Keynote-Speech) zum wiederholten Male zu erklĂ€ren, warum der Stuttgarter Autobauer erst 2017 in die Marktoffensive gehen möchte. Gleichzeitig lobte er „die massive UnterstĂŒtzung, die aus dem Land Nordrhein-Westfalen kommt“ sowie die bisherigen Leistungen seines Unternehmens, beteuerte abschließend aber nochmals, dass Daimler der Brennstoffzellentechnik treu bleiben werde.
Sehr viel aufschlussreicher war demgegenĂŒber der Vortrag von Enak Ferlemann, dem Parlamentarischen StaatssekretĂ€r beim Bundesministerium fĂŒr Verkehr und digitale Infrastruktur. Ferlemann, der sich selbst als „AnhĂ€nger der Wasserstofftechnologie“ bezeichnete, referierte ĂŒber das bisher im Nationalen Innovationsprogramm fĂŒr Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie Erreichte: „Das Ergebnis kann sich sehen lassen.“ Er blickte jedoch auch in die Zukunft und beteuerte: „Die Förderung von Wasserstoff und Brennstoffzellen sowie von ElektromobilitĂ€t steht bei der Bundesregierung nach wie vor ganz oben auf der Agenda.“ Er wies außerdem darauf hin, dass derzeit an einem ElektromobilitĂ€tsgesetz gearbeitet werde. Hierzu berichtete sein Chef, Verkehrsminister Alexander Dobrindt dem Tagesspiegel am gleichen Tag: „Die erste Stufe soll am 1. Februar 2015 in Kraft treten.“
Enak Ferlemann sicherte in seiner Rede weiterhin den Industrievertretern und Investoren zu, dass „wir KontinuitĂ€t herstellen wollen“, dass „es jetzt gilt, den Markthochlauf von Brennstoffzellenprodukten zu unterstĂŒtzen“. Gleichzeitig erklĂ€rte er aber, dass „nicht alles so bleiben wird wie es war“. Er sagte ganz konkret: „Wir werden die Förderung umstellen.“ Abschließend lobte er ausdrĂŒcklich das von der Industrie vorgelegte Konzeptpapier zur MarkteinfĂŒhrung der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologien und sprach direkt die versammelten Teilnehmer an: „Unser Land benötigt Sie, die Fachleute! Wir möchten Sie gerne weiter unterstĂŒtzen und werden dies auch tun.“
Johannes Remmel, der nordrhein-westfĂ€lische Minister fĂŒr Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, sprach demgegenĂŒber mehr ĂŒber den großen energiepolitischen Rahmen und verwies darauf, dass „der beschlossene Atomausstieg einen Vorlauf von 20 Jahren benötigte, in denen die Erneuerbaren Energien entwickelt wurden“. Ohne diese Vorlaufzeit, ohne die langjĂ€hrigen Entwicklungsarbeiten im Solar- und Windsektor, sei die aktuell diskutierte Energiewende ĂŒberhaupt nicht denkbar. Ähnlich ist es seinen AusfĂŒhrungen zufolge bei der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnik, die ebenfalls einen gewissen Vorlauf benötige, bevor eine MarkteinfĂŒhrung erfolgen könne. Allerdings wies er darauf hin: „Wir können keine neuen Energien in alte Systeme integrieren.“ Die bestehenden zentralisierten Strukturen mĂŒssten demzufolge zunĂ€chst aufgebrochen werden, um Raum fĂŒr Innovationen zu schaffen. Remmel sagte, die Technik sei fertig, aber die Rahmenbedingungen mĂŒssten noch angepasst werden. Er gab sich offen fĂŒr neue Ideen, die Energiewirtschaft grundsĂ€tzlich umzugestalten, zeigte sich gleichzeitig aber auch skeptisch, ob dies mit der aktuellen Bundesregierung innerhalb der kommenden zwei bis drei Jahre realisierbar sei.
Dr. Klaus Bonhoff, der NOW-GeschĂ€ftsfĂŒhrer, gab in seinem Redebeitrag einen Überblick ĂŒber den MobilitĂ€tssektor und hob die aktuelle Richtlinie der EuropĂ€ischen Union hervor, die kĂŒrzlich feststellte, dass der Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur nicht sich selbst ĂŒberlassen werden dĂŒrfe, sondern von der öffentlichen Hand vorgenommen werden mĂŒsse.

Quellenangabe:

JCB erreicht H2-Meilenstein

Der britische Land- und Baumaschinenhersteller JCB hat im MĂ€rz 2023 die Produktion seines fĂŒnfzigsten H2-Verbrennungsmotors...

mehr lesen

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

preloader