100 % regenerativ ist möglich

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2. August 2011

100 % regenerativ ist möglich

offener Brief von Michael Artmann vom 27. Juni 2011
Als homo oecologicus befĂŒrworte ich ohne Abstriche Elektroautos (keine Hybriden, allenfalls sehr kurzfristig, sie sind keine BrĂŒcke sondern Spielfeld der Autobauer). Denn E-Autos werden ein wichtiger Teil der Lösung sein. Der MöbilitĂ€tslösung und der Energielösung.
Die Erzeugung regenerativen Stroms wird von jetzt ca. 17 % auf irgendwann 100 % weiter voranschreiten, nicht nur in D, auch global. Der Weg ist eingeschlagen und unumkehrbar, er ist ohne Frage notwendig, gesellschaftlicher Konsens und politisch und auch von den Konzernen nicht mehr aufzuhalten. Ein Zeitraum? Mit etwas GlĂŒck, werde ich es noch erleben (Jahrgang ’65). Ich arbeite daran.
Jedes E-Auto wird dann emissionsfrei fahren. Das ist mein großes Ziel, nicht nur meine Vision. Ein Verbrennungsmotor wird immer, immer (!) CO2 ausstoßen. NatĂŒrlich können die Autohersteller schnell deutlich schĂ€rfere Grenzwerte einhalten. Nur leider ist die Politik nicht so weit oder so schnell. Sie möchte nicht, aus vielfĂ€ltigen, meist niederen egoistischen GrĂŒnden. Da möchte ich mich nicht zerreiben.
Ich möchte meine Energie anders einsetzen. Aus meiner Sicht ist es sinnvoller, weil effektiver, die E-MobilitĂ€t massiv zu fordern und zu fördern. Denn neben der LĂ€rmarmut (ganz wichtig) und der Emissionsfreiheit (jetzt lokal, spĂ€ter global), der besseren Wirkungsgrade gibt es einige weitere wesentliche Vorteile. Der Materialeinsatz und die mechanische KomplexitĂ€t eines E-Fahrzeugs ist deutlich geringer. Sie können leichter und gĂŒnstiger gebaut werden. Weniger Teile gehen weniger kaputt. Das spart heute schon. Die ganze Auto-Gigantomie, die Zentriertheit, die AbhĂ€ngigkeit von der Autowirtschaft reduziert sich.
Viel wird gerade von E-Mobilen als mobilen und fĂŒr das Stromnetz nutzbaren Energiespeichern gesprochen. Dieses Thema wird deutlich ĂŒberbewertet. Das Speichervolumen der E-Fahrzeuge ist nur ein sehr kleines Puzzelteil im zukĂŒnftigen Strommanagement. Der gesamte Stromverbrauch im Straßenverkehr wĂŒrde bei 100 % E-MobilitĂ€t weit unter 10 % des gesamten Stromverbrauchs bleiben. Das ist zwar mehr als nur fĂŒr die „Portokasse“, aber weit weniger als propagiert wird. Es ist auch nicht sinnvoll, Stromspeicher fĂŒr das Netz herumzufahren. Das sollten stationĂ€re Lösungen ĂŒbernehmen. Unsere Stromversorgung ist ein weiteres interessantes Thema, was ich hier nicht ausfĂŒhrlich betrachte. Nur ein Schnittpunkt muss genannt werden. Die fluktuierenden erneuerbaren Energien lassen sich mit heutiger Technik schon hervorragend in Form von Gas zwischenspeichern (H2 und CH4). Die Speicherung wird das RĂŒckgrat der emissionsfreien und bedarfsgerechten Stromversorgung – vor allem stationĂ€r sein. Im mobilen Bereich werden Brennstoffzellen das Gas nutzen können, um ohne schwere Speicher genug Leistung oder Reichweite zu VerfĂŒgung stellen zu können.
Die Energiespeicher im Auto werden nur so groß werden, wie der Bedarf der Nutzung ist. Alles andere ist nicht wirtschaftlich. Von daher ist eine gewisse Ladeinfrastruktur sinnvoll, jedoch nicht weit gestreut im öffentlichen Raum, sondern vor allem zu Hause und am Arbeitsplatz. ParkhĂ€user sollten auch noch einbezogen werden. Das reicht! Alle öffentlichen KurzzeitparkplĂ€tze lohnen nicht und bergen die Gefahr des Vandalismus. Sie wĂŒrden nur den öffentlichen Raum belasten. Jetzt schon haben einige Energieversorger LadesĂ€ulen als private LitfasssĂ€ulen missbraucht.
Die jĂŒngeren Menschen brauchen immer weniger Auto als Status, sondern suchen nach einfachen MobilitĂ€tslösungen. Ich möchte nicht mehr ein Auto besitzen und mich darum kĂŒmmern mĂŒssen, ich möchte nur von A nach B, dann Aussteigen – fertig. Ähnlich wie ein Taxi. Keine Werkstatt mehr, kein An- und Ummelden, keine Versicherung, keine Parkplatzsuche und Parkplatzmiete, keine Garage, weniger Blech (ruhend und fließend), kein Ärger ĂŒber Kratzer, kein Auto waschen und innen sĂ€ubern, kein Reifenwechsel und keine LagerflĂ€chen fĂŒr Winterreifen, keine Verantwortung fĂŒr die Kiste!
Weiter sehe ich, dass Car-Sharing-Modelle mit E-Fahrzeugen viel mehr Reiz bekommen. Denn sie haben das Potenzial, als Dienstleister genau diese Bequemlichkeit fĂŒr die Nutzer zu bieten, immer mit dem gerade passenden Fahrzeug im Angebot. Allein schon diese gesellschaftliche Entwicklung wird automatisch kleinere Fahrzeuge hervorbringen (Downsizing).
NatĂŒrlich wird es immer Egozentriker geben, die einen Carrera, einen Tesla oder die M-Klasse besitzen wollen. Sollen sie. Die Masse wird das nicht mehr wollen, denn die Vorteile der Bequemlichkeit werden sich durchsetzen. Das von Autosorgen befreite Leben ist so reizvoll! Die Dienstleistung um das Auto wird wichtiger – und nebenbei schafft es ArbeitsplĂ€tze. Echte Dienstleistung statt ReparaturwerkstĂ€tten.
Die Bequemlichkeit bei der MobilitĂ€t wird zunehmen durch einfache und universelle elektronische Abrechnungssysteme. In den Niederlanden ist es bei E-Tankstellen schon umgesetzt, eine Karte fĂŒr alle Versorger, fĂŒrs ganze Land.
Car2go ist der nĂ€chste – auch schon reale – Schritt. Ich nehme ein freies Fahrzeug, fahre einfach los und stelle es genauso einfach ab. Das wollen die Menschen.
Noch Zukunftsmusik ist das Fahrerlose Fahren. Ich denke, in wenigen Jahren ist es technisch serientauglich und in 5 bis 10 Jahren auch zugelassen. Dann kommt die Fahrkabine auf Bestellung vor die HaustĂŒr.
SpĂ€testens dann wird sich der öffentliche und private Verkehr deutlich wandeln. Im Nahbereich wird es solche Fahrkabinen geben (privatwirtschaftlich oder kommunal organisiert). Im mittleren Entfernungsbereich Kabinenkolonnen (evtl. auf Autobahnen) und im Fernbereich zusĂ€tzlich die Bahn, wo u. a. die Fahrkabinen in geschl. Waggons einfahren (wie Autoreisezug) und gemeinsames Reisen und Speisen möglich ist. Dazu werden die Fahrkabinen so schmal sein mĂŒssen, wie ein 6er-Abteil heute, ein geschĂŒtzter Gang bleibt offen.
Das Leben in der Stadt wird sich dann radikal wandeln und wieder attraktiv sein. FußgĂ€ngerzonen ĂŒberall, keine Ampeln, nur eine Fahrspur, mehr Platz zum flanieren, mehr Radfahrer, kein Stau mehr.
Zum Abschluss noch ein Traum: Ich hoffe, dass der schnelle motorisierte Verkehr langfristig innerorts ausschließlich unter die Erde verlegt wird.
Leider geht das alles nicht so schnell, wie ich es gern hĂ€tte, aber den Wechsel zum fahrerlosen Fahren werde ich sehr wohl noch erleben und genießen. Schon vor meiner Rente.
In diesem Sinne freue ich mich auf die Zukunft.
Viele GrĂŒĂŸe
Michael Artmann

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